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Lufthansa-Piloten streiten nicht nur für mehr Geld

Es geht um Sicherheit in der Luft und im Ruhestand. Deutschlands bestbezahlte Angestellte berufen sich auf Privilegien, von denen andere nur träumen.

Frankfurt am Main. Mit dem härtesten Streik der Unternehmensgeschichte haben die Piloten den Betrieb der Lufthansa weitgehend lahmgelegt. Der gestern begonnene Ausstand der rund 5 400 Kapitäne und Co-Piloten war an allen deutschen Flughäfen spürbar und soll bis Freitag andauern. Lufthansa hat für diese Zeit rund 3 800 Flüge mit 425 000 Passagieren abgesagt und konnte zunächst nur vereinzelte Flüge starten. Das befürchtete Chaos blieb jedoch aus, da die meisten Passagiere rechtzeitig informiert worden waren.

Was wollen die Piloten

eigentlich?

Anlass des Streiks sind die von Lufthansa einseitig gekündigten Übergangsrenten, die den Piloten bislang ein vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf ermöglichten. Die Piloten können also selbst entscheiden, ab wann sie sich nicht mehr fit oder frisch genug fürs Fliegen fühlten – und sind dabei trotzdem fürs Alter abgesichert. Das Einkommen sinkt zwar im Vorruhestand schon wegen des Wegfalls der Zulagen auf etwa die Hälfte, doch auch die beträgt noch rund das Dreifache des Durchschnittsverdienstes eines deutschen Vollzeitbeschäftigten. Die Lufthansa sieht hingegen kein erhöhtes Sicherheitsrisiko durch den Einsatz älterer Piloten. Außerdem fordern die Piloten ein Gehaltsplus von zehn Prozent.

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Was verdienen Piloten bei

der Lufthansa?

Die Piloten sind Spitzenverdiener. Das Einstiegsgehalt liegt bei 55 000 Euro plus Zulagen, etwa für Mehr-, Wochenend- und Nachtarbeit. Damit kommt ein junger Co-Pilot auf rund 73 000 Euro brutto. Durch die tariflich vereinbarten Gehaltsstufen steigt der Lohn laut Lufthansa durchschnittlich um drei Prozent pro Jahr. Ein Kapitän mit 55 Jahren verdient somit inklusive Zulagen rund 255 000 Euro.

Warum sperrt sich die Lufthansa

gegen die Forderungen?

Die Deutsche Lufthansa AG gehört mit ihrem stolzen 30 Milliarden-Euro-Umsatz zu den renditeschwächsten Konzernen im Dax. Das liegt an der scharfen Konkurrenz am Himmel: Clevere Billigflieger wie Easyjet und Ryanair oder staatlich gestützte Angreifer-Airlines wie Turkish oder Emirates drücken auf die Margen. Der Griff nach den Pensionen der Mitarbeiter scheint da logisch, denn das Personal ist nach dem Kerosin der wichtigste Kostenblock der größten Airline Europas. Lufthansa beziffert ihre zuletzt stark gestiegenen Pensionsverpflichtungen zum Jahresende 2012 im Inland auf gut elf Milliarden Euro. Davon sind etwa 40 Prozent für die Piloten reserviert, die aber nur zehn Prozent der Belegschaft ausmachen. Nun will die Airline die Übergangsversorgung neu gestalten und das frühestmögliche Austrittsalter auf 60 Jahre anheben. Berufsanfänger sollen sich aber an Kosten für das frühere Ausscheiden beteiligen, das heißt, selbst vorsorgen.

Das Unternehmen will keineswegs nur den Piloten zu Leibe rücken: Allen Lufthanseaten hat es ab 2014 die Betriebsrenten aufgekündigt und will dazu auch mit den anderen Gewerkschaften Neuregelungen verhandeln.

Wie geht es im Lufthansa-Streik weiter?

Sowohl das Unternehmen als auch die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) rechneten am ersten Streiktag nicht mit einer schnellen Einigung. Konzernsprecherin Barbara Schädler bekräftigte am Morgen noch einmal die Gesprächsbereitschaft der Lufthansa. „Wir glauben, dass wir Angebote vorgelegt haben, auf deren Basis man miteinander sprechen kann.“ (dpa)