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Luftschiffhafen Gersdorf

Die Ballonfahrer um Jens Großmann haben aufgerüstet. Etwas Seltenes soll bald am regionalen Himmel zu sehen sein.

© PR

Von Ina Förster

Gersdorf. Manche Träume werden wahr. Wie der von Jens Großmann und seiner Ballon-Crew aus Gersdorf. Sieben Jahre lang träumten sie von einem Luftschiff, das auch am Kamenzer Himmel fahren könnte. Im Sommer letzten Jahres erfüllte sich diese Vision. „Wir konnten es von einem Schweizer Unternehmen abkaufen. Das Angebot war gut, da mussten wir zugreifen“, erzählt der Chef. Schon seit 2010 prangt am Firmensitz im Haselbachtal der Schriftzug „LSH 16“, was so viel wie Luftschiff-Hafen bedeutet. Nun ist es Realität.

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Die Ballon & Luftschifffahrt Sachsen aus Gersdorf ist stolz auf ihr neues Luftschiff.
Die Ballon & Luftschifffahrt Sachsen aus Gersdorf ist stolz auf ihr neues Luftschiff. © PR
Das schöne Winterwetter wird genutzt, sobald es geht, wie kürzlich hier bei einem Start auf dem Steinaer Sportplatz gleich neben der Eisbahn. Insgesamt sieben Piloten fahren in der Firma, außerdem gibt es zwölf Verfolger.
Das schöne Winterwetter wird genutzt, sobald es geht, wie kürzlich hier bei einem Start auf dem Steinaer Sportplatz gleich neben der Eisbahn. Insgesamt sieben Piloten fahren in der Firma, außerdem gibt es zwölf Verfolger. © PR

Mit dieser Anschaffung holte das weit über die lokalen Grenzen bekannte Unternehmen, welches vor Kurzem unter dem Namen „Ballon & Luftschifffahrt Sachsen“ neu firmierte, eine echte Seltenheit in die Lausitz. „Deutschlandweit gibt es nur fünf oder sechs solcher Luftschiffe. Hier in Ostdeutschland sind wir die einzigen, die im Besitz eines solchen sind“, freut sich Jens Großmann. Neben der Passagier- und Pilotenkanzel für bis zu vier Personen erwarb man drei verschiedene Hüllen. Der sanfte Riese kann unterschiedlich „bebildert“ werden – Werbepartner müssen nun allerdings noch gefunden werden. Denn die Unterhaltung dieses seltenen Objektes ist hoch. Mit ein paar Fahrten wird es nicht getan sein. Der größte Anteil der Heißluft-Luftschiffe findet Verwendung in der Luftwerbung. Finden sich Passagiere, die das Erlebnis einer solchen Fahrt erfahren möchten, umso besser!

Das Wetter muss passen

Am Kamenzer Himmel war das Luftschiff bislang nur zweimal zu sehen. Im August zur Ausbildung und im Oktober einmal. Die Wetterbedingungen passten selten. Großmann, der selber eine Pilotenausbildung für das Steuern des Luftschiffes abgelegt hat, ist aber zuversichtlich, dass es bald losgehen kann. „Ich habe mit zwei weiteren Piloten die entsprechenden Zusatz-Lizenzen erworben, diese wurden uns Ende des Jahres zugeschickt. Nun sind wir startklar“, erzählt er. Der 50-Jährige will in Kürze in die Alpen reisen, um dort noch einmal intensiv zu trainieren.

Im Wesentlichen verhält sich so ein Luftschiff zwar wie ein Ballon, doch es gibt kleine Abweichungen. Zum Beispiel, dass ein Helixpropeller fürs Vorwärtskommen sorgt. In der Gondel sitzt man auch – angeschnallt. Deshalb sei die Fahrt mit einem Luftschiff vor allem für ältere Personen empfehlenswert. Man könne sehr gut ein- und aussteigen. Und vor eventuell härteren Landungen wie mit dem Ballon muss man keine Angst haben. „Wir besprechen mit den Gästen im Vorfeld geeignete Termine. Da das Luftschiff genauso wie die Ballone von den Witterungsbedingungen abhängig ist und wir ein Erlebnis bieten möchten, an das sie mit Freude zurückdenken, können wir immer erst kurzfristig nach den aktuellen Wetterdaten entscheiden, ob der vereinbarte Termin stattfindet oder ein neuer gemacht werden muss“, heißt es.

Kürzer als eine Ballonfahrt

Nach dem Aufrüsten steigt das Luftschiff etwa in eine Höhe von 150 bis 300 Metern auf. Die Fahrt dauert 30 bis 40 Minuten und ist damit kürzer wie eine Ballonfahrt. Dies ist jedoch aufgrund der geringeren Gasreserve technisch nicht anders möglich. Insgesamt sollte man sich aber trotzdem bis zwei Stunden Zeit einplanen, denn es hängen weitere schöne Rituale an so einem Start. Wie die abschließende Taufe. In aller Regel endet die Luftschifffahrt am Ausgangspunkt.

Auch das ist ein Novum für die Ballonfahrer. Immerhin sorgen sonst sogenannte Verfolger für eine reibungslose Rückkehr nach Hause. Denn ein normaler Ballon kann nicht gesteuert werden wie ein Luftschiff, sondern fährt immer mit dem Wind. Im Lauf der letzten 20 Jahre – so lange gibt es die Firma bereits in der Region – ist die Crew auf zwölf Verfolger und sieben Piloten angewachsen. Zwei Söhne von Jens Großmann, David und Theo, haben mittlerweile auch die Piloten-Lizenz. Von zehn verschiedenen Standorten Sachsens, Brandenburgs und der Oberlausitz aus wird gestartet. „Manchmal bestimmen Gäste selbst, wo wir hinkommen sollen. Meistens, wenn sie den Korb mit Familie und Freunden füllen. Sind die Voraussetzungen gut, ist so ein individueller Start möglich“, so Großmann. 85 Prozent aller Ballon-Fahrten gehen als Gutschein für Jubiläen, Geburtstage oder als Geschenk raus. Die Hauptsaison reicht von April bis Oktober.

Doch auch im Winter kann eine Fahrt reizvoll sein. Wie kürzlich, als sich eine besondere Wetterlage andeutete. „Wir Piloten sind zu einer kleinen Weitfahrt mit schnellem Nordwind aufgebrochen. In zwei Stunden 50 Minuten schafften wir eine Luftlinie von 78 Kilometern in einer maximalen Höhe von 2950 Metern und mit 58 km/h. So etwas lassen wir uns nicht entgehen.“ Spaß machen muss das Ganze nämlich auch weiterhin.

Kontakt/Informationen: www.ballon-sachsen.de, Telefon 03578 774361, Obergersdorfer Straße 16, Haselbachtal.