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Lurz mit dem Vettel-Kick zu Gold

Der Würzburger Langstrecken- schwimmer gewinnt über 25 km den zwölften WM-Titel. Oldie Angela Maurer holt Silber.

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Über den Dächern von Barcelona stieß Thomas Lurz nach dem Freiwasser-Finale in Gold und Silber mit Angela Maurer an. Hoch oben auf der Terrasse des Teamhotels H10 Marina gönnte sich der Rekordweltmeister nach seinem WM-Coup über 25 Kilometer ein Glas Sekt, dann ging er noch einmal ins Wasser. „Ich lege mich nur in den Pool und schwimme nicht mehr“, sagte der 33-Jährige, der mit seinem Triumph im ersten und einzigen Marathonrennen seiner Karriere eine denkwürdige erste WM-Woche abgeschlossen hatte.

Zum deutschen Doppel-Gold am letzten Wettkampftag im Hafen Port Vell hatte nur eine Zehntelsekunde gefehlt. Angela Maurer hatte an ihrem 38. Geburtstag ihren dritten WM-Titel um eine Handbreit verpasst. 35 Minuten zuvor war Lurz nach einer taktischen Glanzleistung wieder einmal allen davongeschwommen.

Mit offenen Wunden, abgeklebt mit Tape, hatte sich der Würzburger zehn Runden lang durch das Salzwasser gequält. Auch eine Feuerqualle konnte den Siegertypen mit der unglaublichen Willensstärke nicht aufhalten. „Sie hat mich an der Brust erwischt“, berichtete Lurz nach seinem zweiten Gold und seiner 30. internationalen Medaille, „das war schlimmer als die Scheuerwunden vom Anzug.“

Die Verantwortlichen des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) suchten nach den sechs Freiwassermedaillen im Yachthafen von Barcelona, dem besten WM-Resultat seit zehn Jahren, nach den passenden Worten. „Das ist Wahnsinn, absolut überragend“, schwärmte Bundestrainer Stefan Lurz. DSV-Präsidentin Christa Thiel verglich Lurz mit dem Formel-1-Weltmeister: „Er hat eine irrsinnige Selbstdisziplin und diesen Kick auf den letzten Metern, der es ausmacht, der Champion zu werden. Das ist mit Sebastian Vettel vergleichbar, der hat auch diesen Kick.“

Von Lurz sollen nun die Beckenschwimmer siegen lernen. Auf Lambertz‘ Einladung stimmte der 33-Jährige Britta Steffen und Co. am Sonntag auf deren WM-Auftritte ein. „Ich bin ja eigentlich nicht das Super-Schwimmtalent. Mein Vorteil sind immer Ehrgeiz und Wille, das will ich vermitteln“, sagte der Rekordweltmeister. (sid)