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Lust aufs zweite Mal

Ein 18-Jähriger erlebt gerade die aufregendste Woche seiner noch jungen Fußballerkarriere. Doch die Freude währt nur kurz.

Von Tino Meyer

Der Stift streikt, doch die Leute stehen Schlange. So sehr sich Paul Milde auch bemüht, nichts geht mehr. Aber der junge Mann weiß sich zu helfen. Er haut Nebenmann Anthony Losilla an, greift nach dessen Edding. Dann kann sie beginnen, die erste Autogrammstunde im Leben des 18-jährigen Fußballers von Dynamo Dresden.

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So sieht es aus, das erste Autogramm von Paul Milde. Seit der besonderen Signierstunde in der Dynamo-Straßenbahn ahnt er umso mehr, was es heißt, Fußball-Profi zu sein– und freut sich auf sein zweites Spiel. Foto/Autogrammkarte: Verein
So sieht es aus, das erste Autogramm von Paul Milde. Seit der besonderen Signierstunde in der Dynamo-Straßenbahn ahnt er umso mehr, was es heißt, Fußball-Profi zu sein– und freut sich auf sein zweites Spiel. Foto/Autogrammkarte: Verein

Es ist die Woche der großen Premieren für Milde. Wobei das Autogrammeschreiben mit seinem ersten Zweitligaspiel am vergangenen Sonntag in Karlsruhe nichts zu tun hat, für die Promotion-Aktion haben sie ihn schon vorher eingeteilt. Die jungen Gesichter des Teams sollen bekannter werden. Nun aber, nach der Einwechslung bei der 0:3-Pleite, geht das natürlich alles einfacher. 18 Minuten hat er auf dem Platz gestanden, einige gute Szenen für sich verbuchen können und danach ein Extralob des Trainers erhalten. Milde sei einer, meint Olaf Janßen, auf den sich Dresden freuen könne. Er selbst reagiert deutlich zurückhaltender. Zweitligaspieler mag sich Milde jedenfalls noch nicht nennen. „Ich habe ja erst ein paar Minuten gespielt, wir wollen nicht gleich übertreiben“, sagt er.

Umso gefragter ist jetzt aber seine Autogrammkarte. Für Susi, für Basti, Daniel, Sandy, Stephanie, ... schreibt er darauf. Und auch „für Mario“. „Wie Super-Mario“, erklärt ihm ein Fan grinsend. Milde lächelt zurück – und macht weiter. Geduldig kritzelt er die gewünschte Widmung auf Poster, Fahnen, Shirts, Schuhe, Unterarme und die Autogrammkarte, dazu natürlich seinen Namen. So oft, meint er, hat er den noch nie geschrieben. In den knapp 90 Minuten der Signierstunde sind es weit über hundert Mal. Während Losilla daneben zudem immer noch seine Rückennummer 11 malt, konzentriert sich Milde auf das Wesentliche. Damit ist er bisher auch auf dem Platz ganz gut gefahren.

Seit Saisonbeginn trainiert der gebürtige Pirnaer regelmäßig mit den Profis, spielte aber am Wochenende bislang immer noch für die Junioren. Ein Problem hat er damit nicht. Alles Kopfsache, betont Milde. „Bei den Männern ist natürlich alles anders. Doch auch in der A-Jugend sind wir eine super Mannschaft. Aus der will ich auch gar nicht herausgehoben werden“, sagt der Offensivspieler, der vor drei Jahren vom Stadtrivalen Borea zu Dynamo gekommen ist. Auffallen möchte er stattdessen mit seiner Schnelligkeit, der guten Technik und dem Spielverständnis. Wie zum Beispiel in der vergangenen Woche, als er bei den Siegen der A-Jugend gegen Rot-Weiß Erfurt und RB Leipzig laut Janßen „überragend gespielt“ hat. Milde meint, „die Spiele waren nicht schlecht“.

Offenbar weiß er genau, dass er an einem entscheidenden Punkt seiner Karriere angelangt ist. Viele Talente vor ihm sind am Sprung in den Männerbereich gescheitert. „Die Umstellung ist schon sehr anstrengend, auch körperlich“, sagt Milde, der im Sommer sein Abitur am Sportgymnasium gemacht hat. Nun will er sich in den nächsten zwei, drei Jahren ausschließlich mit Fußball beschäftigen. Die Zeit läuft also und sein Vertrag bei Dynamo bis Sommer 2016.

Bis dahin dient der junge Mann als vereinsinternes Vorbild. „Die Einwechslung von Paul und die Entwicklung eines Tobias Müller sind für die anderen Spieler in unserem Nachwuchsbereich extrem wichtig. Sie zeigen, dass wir eine gewisse Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis haben“, betont A-Jugendcoach David Bergner und verweist auf den Cheftrainer: „Mit Olaf Janßen haben wir einen, der bereit ist, auf den Nachwuchs zurückzugreifen.“

Der Anfang ist gemacht. „Doch jetzt muss es weitergehen“, sagt Milde, was ihm nach Karlsruhe auch sein Vater Rocco gesagt hat. „Er kennt ja das Gefühl“, sagt der Junior über seinen Vater, der als Stürmer in den 1990er-Jahren gut 60 Spiele für Dynamo bestritten hat. Weitergehen soll es unbedingt, ob in der A-Jugend oder bei den Männern – für Milde ist das erst einmal unerheblich. Er werde einfach alles geben.

Die Fans aber haben ihn für das Heimspiel gegen den Tabellenführer aus Kaiserslautern schon eingeplant. „Also bis Samstag“, sagt einer bei der Autogrammstunde und schiebt sicherheitshalber noch schnell die Frage hinterher: „Du spielst doch mit, oder?“ Milde sagt nur: „Mal gucken.“ Lust auf ein zweites Mal hat er, keine Frage.