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Lustige Bootsfahrt über dem Prießnitz-Stausee

Im Glashütter Stadtbad ist wieder mal mehr Wasser als zum Planschen nötig. Damit flammt eine Debatte erneut auf.

Von Maik Brückner

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Hat es Sinn, das Stadtbad wieder aufzubauen? Diese Frage haben sich in den letzten Tagen viele Glashütter gestellt. Denn zum wiederholten Mal ist das Bad unter dem Wasser der Prießnitz verschwunden. Der Grund: Die Landestalsperrenverwaltung hat die Schieber am Prießnitzdamm geschlossen, um Wasser anzustauen und den Damm zu testen. Einige Spaßvögel nahmen das zum Anlass, den Stausee mit dem Schlauchboot abzufahren. „Das Wetter hatte am Sonntag dazu eingeladen“, sagt einer der Beteiligten, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Jedenfalls werde sich so eine Gelegenheit so schnell nicht wieder bieten. Denn nach dem Test wird das Wasser wieder abgelassen. Die Glashütter können dann wieder traurig auf ihr kaputtes Bad schauen.

Das Bad wurde im Sommer 2013 zerstört. Und seit fast zwei Jahren wird im Stadtrat und in der Bevölkerung über den Wiederaufbau debattiert. Vielen ist das Bad ans Herz gewachsen, sie haben dort viele Stunden ihrer Kindheit und Jugend verbracht. Deshalb sprach sich bei einer Einwohnerversammlung im September 2013 eine breite Mehrheit für den raschen Aufbau an gleicher Stelle aus. Der Stadtrat schloss sich dem Votum an. Lediglich Stadtrat Franz Brand (CDU) regte an, ein neues Bad an einem anderen, hochwassersicheren Standort zu bauen. Denn das Bad befindet sich im Überschwemmungsgebiet des Dammes. Doch Brand fand keine Mehrheit. Der Stadtrat beauftragte ein Büro, mit den Vorplanungen zu beginnen. Dabei kam zutage, dass die veranschlagten Kosten in Höhe von 750 000 Euro nicht reichen werden. Um das Bad so zu bauen, dass es künftige Hochwasser gut übersteht, seien mindestens 1,6 Millionen Euro notwendig. Trotzdem hätte man dann nur ein Bad mit einem „nicht mehr zeitgemäßen Standard“, sagt Bürgermeister Markus Dreßler (CDU).

Um den Planungsprozess zu begleiten, setzte der Stadtrat eine Arbeitsgruppe ein. Deren Mitglieder schauten sich die Bäder in Pretzschendorf und Dorfhain an, sprachen mit den Betreibern und trafen sich mit dem Hochwasserexperten Eckehard Bielitz von der Landestalsperrenverwaltung. Bei diesen Treffen kamen den Mitgliedern immer mehr Zweifel, ob ein Wiederaufbau im Prießnitztal der beste Weg sei. Nach fünf Treffen einigten sich die Mitglieder der Arbeitsgruppe, einen Neubau an anderer Stelle mit einer Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsstudie prüfen zu lassen. Während sich mehrere Stadträte inzwischen gegen den Wiederaufbau im Prießnitztal ausgesprochen haben, wollen Teile der Arbeitsgruppe und auch der Ortschaftsrat Glashütte daran vorerst weiter festhalten. „Auch wir wollen ein neues Bad“, sagt Ortsvorsteher Maik Lehmann (Wählervereinigung Zeitlos). Und das aus gutem Grund: Sollte die Wirtschaftlichkeitsprüfung zum Schluss kommen, dass ein Neubau für Glashütte nicht finanzierbar ist, sollte das Bad am alten Standort wieder aufgebaut werden. In diesem Punkt unterscheide man sich von der Haltung der Verwaltung und anderen Mitgliedern der Arbeitsgruppe. Welchen Weg Glashütte einschlagen wird, soll sich in der Stadtratssitzung am 27. Januar entscheiden.

Egal, wie sich der Stadtrat entscheidet: Für Glashütte wird es schwer, einen alternativen Standort zu finden, sagt Dreßler. Denn das Bauland soll nahe der Kernstadt sein, nicht in einem Naturschutzgebiet liegen, gut erschlossen und bezahlbar sein. „Zahlreiche Ideen im Müglitztal und auf den Erben mussten bereits verworfen werden“, sagt Dreßler. Neue Ideen seien herzlich willkommen. Offen ist auch, ob und wie viel Fördermittel es von der Fluthilfe gibt. Den Antrag auf eine Erhöhung der Förderung von 750 000 Euro auf 5,3 Millionen Euro, die für den Neubau nötig wären, hat die Stadt indes schon gestellt. Ob dieser Antrag bewilligt wird, entscheidet sich 2016. Glashütte will die Zeit nutzen, um den Neubau weiter zu planen. Bis zum Mai soll der Stadtrat eine Variante und einen Standort auswählen und beschließen.

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