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Kamenz

So kommt Sachsens bester Campingplatz durch die Krise

Der Camping- und Freizeitpark Lux-Oase in Kleinröhrsdorf ist derzeit wie leer gefegt. Aber die Eigentümer haben einen Plan für den Neustart.

Der Camping- und Freizeitpark im Rödertal ist wegen der Corona-Sperre wie leer gefegt. Die Eigentümer Dagmar und Thomas Lux sind aber für den Neustart gerüstet.
Der Camping- und Freizeitpark im Rödertal ist wegen der Corona-Sperre wie leer gefegt. Die Eigentümer Dagmar und Thomas Lux sind aber für den Neustart gerüstet. © René Plaul

Kleinröhrsdorf. Campingplatz-Kater Purzel vermisst die Gäste. Unter ihnen hat er viele Fans, von denen er Streicheleinheiten bekommt. Ohne sie ist es langweilig im Camping- und Freizeitpark Lux-Oase in Kleinröhrsdorf. Das Areal ist wie leer gefegt - bis auf die Wagen von einigen Dauercampern.

Das Campingpark-Team um Dagmar und Thomas Lux trifft es deutlich schlimmer als den kleinen Kater. Immerhin ist die schon mehrfach mit Bestnoten bewertete Lux-Oase eine der größten Camping-Anlagen in Ostsachsen. Mit 52.000 Übernachtungen rechnete die Mannschaft in diesem Jahr. Wie groß der Einbruch wird, lasse sich noch nicht abschätzen. Dabei wäre im April/Mai schon Trubel auf dem Platz: „In den Osterferien wären wir voll ausgebucht gewesen, alle 238 Stellplätze.“ Um die 600 Gäste.

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Im ELBEPARK kann wieder gebummelt und eingekauft werden - unter Beachtung gewisser Regeln.

Doch nun herrscht gähnende Leere, auch im Biergarten. So kann der Giebel über dem Restaurant Seeterrasse gestrichen werden. Der Fliesenleger erledigt Restarbeiten am kleinen Sanitärgebäude. Das wurde komplett umgestaltet, und ist nun bereit für die Gäste. Doch wegen Corona haben die Platzwarte jetzt Luft und gut zu tun, um ohne Campingbetrieb Instandhaltungen voranzutreiben - ein letztlich trauriger Nebeneffekt. Lieber wäre ihnen die Gästeschar. So ist ein Teil der zwölfköpfigen Stamm-Mannschaft  nun in Kurzarbeit, zum Beispiel Reinigungspersonal.

Mehrere Stornierungswellen

Inzwischen habe es bereits mehrere Stornierungswellen gegeben. „Die Leute stornieren, buchen neu, stornieren wieder“, berichtet Dagmar Lux. „Jeder dritte Anrufer will wissen, wie es weitergeht. Wir wissen aber auch nicht mehr, als auf den Pressekonferenzen gesagt wird.“ Manche Urlauber wollten nach Kroatien oder Italien und schwenken nun aufs Inland um.

Am Ende wisse keiner, wie sich die Reisebeschränkungen entwickeln und ob die Gäste wirklich das Inland vorziehen, wenn das Mittelmeer doch wieder lockt: „Es gibt keine Orientierung“, sagt Thomas Lux. Viele Sommerurlauber seien verunsichert und warten ab. Die Lux-Oase halte ihrerseits daran fest, dass Stornierungen kostenfrei bleiben, um den Gästen gerade auch in dieser Situation entgegen zu kommen.

Trotz fehlender Gäste sitzen Dagmar und Thomas Lux oft bis spät in den Abend hinein im Büro, telefonieren mit Campern, beantworten E-Mails und arbeiten am Einstiegsplan für den Zeitpunkt, wenn die Corona-Regeln gelockert werden. Zwei A-4-Seiten umfasst ihr Plan: „Den wir dann ganz schnell umsetzen und in mehreren Phasen hochfahren können, wir müssen vorbereitet sein“, so Thomas Lux.

Das Schutz- und Hygienekonzept umfasst alle Bereiche von der Rezeption über die Stellplätze bis zu den Sanitärgebäuden und Freizeitanlagen. Desinfektionsspender, Plexiglasscheiben für die Rezeption, alles sei schon angeschafft und durchdacht, bis hin zu Wegeführungen in Sanitärbereichen, um Kontakte und Begegnungen zu minimieren.

In einem ersten Schritt könnten ausschließlich Alleinreisende aufgenommen werden. Oder nur Gäste aus Sachsen und  Wohnwagen, die autark sind, also völlig eigenständig und - vom Stellplatz abgesehen - nicht auf Anlagen des Freizeitparks angewiesen. Mindestabstände und Mundschutzpflicht in bestimmten Bereichen – alles sei gesichert. Die Gastronomie soll mit Angeboten zum Mitnehmen starten: Wenn es nur endlich eine Chance gäbe, wieder zu öffnen. Die Lux-Oase sei auf alle möglichen Auflagen eingestellt. 

Die Krise mache  manche Gäste auch  erfinderisch, um Auflagen zu umgehen und sich auf den Platz zu mogeln -  etwa als Dienstreisende, denn das wäre ja erlaubt. „Aber das geht natürlich nicht“, sagt Dagmar Lux. Eine Handvoll echte Monteure sei aber tatsächlich da, von Müllermilch in Leppersdorf zum Beispiel.

Tipps für Camping in der Stube

Bis aus Dresden kommen manchmal Familien in der Hoffnung, der Spielplatz habe geöffnet. Aber der ist auch in der Lux-Oase mit rot-weißem Band abgesperrt. Die Leute seien enttäuscht. Aber warum sollte es im Rödertal anders sein als in der Landeshauptstadt? Manche könnten gar nicht verstehen, warum die Minigolfanlage gesperrt sein muss, sagt Thomas Lux: „Dort wäre es natürlich gar kein Problem, alle Hygienevorschriften sofort einzuhalten.“

Es gebe nicht immer Verständnis für die Corona-Regeln. Dafür werben die Inhaber aber. Wer verfolgt habe, was sich in Italien und Spanien abgespielt hat, sollte Verständnis haben. „Leben und Gesundheit gehen vor. Wir müssen verantwortlich vorgehen, wenn wir jetzt an Öffnungen denken. Weder im Bund noch Land sitzen Hellseher“, sagt Dagmar Lux.

Eine Katastrophe wäre es, wenn der Camping-Sommer komplett ausfallen würde. Über Verluste lasse sich noch gar nichts sagen: „Denn so eine Krisen-Situation hatte wir ja noch nie.“ Um die Camper bei Laune zu halten, gibt Familie Lux jetzt online Tipps für das Campen daheim in der Wohnung, zum Beispiel mit Schoko-Fondue als Lagerfeuer-Ersatz. Und Kater Purzel bekommt vom Personal ein paar Streicheleinheiten mehr - bis die Camper wieder kommen. 

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