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Luxusautos und Schläge

Ein 34-jähriger Betrüger soll seit Jahren sein Unwesen in Dresden treiben. Jetzt begann sein Prozess – einer von vielen.

Von Alexander Schneider
 3 Min.
© dpa (Symbolbild)

Fabian S. (34) war ein ganz normaler Gast, als er sich im Februar 2015 in der „Villa Via Lapis“ am schönen Dresdner Elbhang eingemietet hatte. Total unauffällig, berichtet die Eventmanagerin mit dem adeligen Namen von dem ehemaligen Kunden. S. habe das größte Appartement der Villa am Steinweg für „zwei, drei Monate“ haben wollen. Er habe Zeit überbrücken wollen, ehe er „seine neue Immobilie in Loschwitz“ beziehen könne, die er soeben erworben habe, sagte die Frau. Daher blieb offen, wie lange er bleiben wolle. „Das ist nicht so unüblich bei uns.“ Ein schönes Haus mit Kamin und Pool, alles da, was das Herz begehrt.

S. habe zwar keinen Cent angezahlt, doch habe sich nie versteckt, vielmehr Kontakt gesucht, berichtet die 34-Jährige: „Da hatte ich noch keinen Verdacht.“ Einmal habe er ihr gesagt, er habe einen Lamborghini gekauft und man habe sich gefragt, wie man das tiefergelegte Luxusauto unversehrt vor die Villa stellen könne. „Wir haben überlegt, Bretter auszulegen.“

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Ende März, nach knapp zwei Monaten, rief jedoch eine Frau bei der Eventmanagerin an und berichtete, S. sei ein verurteilter Betrüger, der seine Rechnungen nie zahle. Er sei auch gewalttätig. Das war die Stunde von Wolfgang S., dem Inhaber der Villa. Mit Verstärkung stattete er dem Gast einen Besuch ab, fragte, ob er denn mal zu zahlen gedenke. Fabian S. sagte sofort zu, ging los – und wurde nicht mehr gesehen.

Viele Vorstrafen

Am Dienstag gab es ein Wiedersehen im Amtsgericht Dresden. Nach vier Jahren. Die 34-jährige Zeugin berichtete, S. habe das Appartement für 3 000 Euro pro Monat erhalten, Nebensaison. „2 500 Euro!“, rief der Eigentümer aus den Zuschauerreihen in den Saal. „Sehen Sie“, sagte die Frau, „da waren wir sehr großzügig!“ Die beiden sind Zeugen im Prozess gegen Fabian S., ein gelernter Schlosser. Es war nicht der erste Anlauf der Justiz, ihn zur Verantwortung zu ziehen. Doch der 34-Jährige war lange untergetaucht, dann krank – auch am Dienstag klagte er, kaum sitzen zu können. Mit der gleichen Begründung platzte erst im Dezember auch ein Betrugsprozess in Frankfurt am Main – auch vor einem Schöffengericht. In Chemnitz wurde er zu eineinhalb Jahren ohne Bewährung verurteilt.

Die Staatsanwaltschaft hat nun drei weitere Anklagen gegen S. verlesen: Allein in der Loschwitzer Villa habe er einen Schaden von 5 000 Euro verursacht. Auch im Steigenberger, im Hotel an der Rennbahn und im Hotel am Blauen Wunder habe der Deutsche 2015 für je eine Woche umsonst residiert, gespeist und Minibars geleert. Heftiger jedoch sind Vorwürfe, bei denen S. sich offensichtlich stets alleinerziehende Mütter als Opfer ausgeguckt hatte. 2017 soll er eine Dresdnerin, mit der er Beziehung hatte gewürgt und geschlagen haben. 

Als er für eine Freundin ein Auto kaufen sollte, habe er sich mit dem Seat aus dem Staub gemacht – 1 200 Euro Schaden. In Wehr/Baden-Württemberg habe er für ein paar Tage bei einer anderen Frau gewohnt, sie mit ihrem Auto immer zur Arbeit gefahren und nach ein paar Tagen den Nissan Micra mit allen Papieren einem Autohändler verkauft. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. Der Prozess wird fortgesetzt.