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„Luxusresidenzen gibt es hier nicht“

Ideen fürs Senioren-Wohnen sind da, aber Angebote fehlen, sagt ASB-Landeschef Matthias Czech.

Es ist alles eine Frage des Geldes! Dr. Matthias Czech weiß das nur zu gut. Seit Jahren befasst sich der Chefarzt für Innere Medizin und Ärztlicher Direktor der Asklepios-ASB Klinik in Radeberg mit der Frage: Wohin im Alter? Er braucht ja nur einen Blick in die Patientenzimmer seiner Klinik zu werfen, um zu wissen, wie groß der Bedarf an Pflege und altersgerechtem Wohnen in der Region ist. Matthias Czech, neben seiner Arbeit ehrenamtlicher Vorsitzender des ASB-Landesverbandes Sachsen, weiß aber auch, dass der Bedarf schon heute kaum oder nur ungenügend gedeckt werden kann. Dabei gibt es bereits gute Beispiele und Ideen. Im SZ-Gespräch skizziert sie der 57-Jährige.

Herr Dr. Czech, wir hätten in dieser Serie gern ein echtes Mehrgenerationen-Haus vorgestellt, in dem Alte und Junge gemeinsam wohnen und sich gegenseitig helfen und ergänzen. Warum, glauben Sie, haben wir so ein Projekt hier im Landkreis nicht gefunden?

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Vielleicht, weil die Idee noch zu wenig im Bewusstsein ist, es keine Nachfrage und eben auch kein Angebot gibt. Obwohl Mehrgenerationenwohnen ja eigentlich gar nicht neu ist. Innerhalb der Familie funktioniert es seit Jahrhunderten. Überall dort, wo zwei oder vielleicht sogar drei Generationen einer Familie unter einem Dach wohnen, ist meistens auch die Pflege und Betreuung der Großeltern gesichert. Aber selbst die Großfamilie unter einem Dach wird immer seltener. Umso wichtiger ist es, dass wir solche Wohnformen ganz bewusst wieder etablieren. Ich sehe da tatsächlich eine große Lücke.

Was ist denn so schwierig daran, sie zu schließen?

Es ist wie bei vielem anderen eine Frage des Geldes. Der ASB-Landesverband, für den ich hier konkret sprechen kann, investiert viel in altersgerechtes und betreutes Wohnen. Auch andere Träger der Wohlfahrtshilfe und private Investoren tun das. Aber solche Projekte sind immer teurer als einfache Mietobjekte. Sie müssen sich am Ende auch refinanzieren. Wir nutzen die Fördermöglichkeiten, die es gibt. Es gibt ja für alle möglichen Investitionen Förderprogramme. Für das Mehrgenerationenwohnen gab es auch mal eins. Aber das ist alles sehr aufwendig und kompliziert. Die Politik müsste viel mehr klare Rahmenbedingungen für solche Projekte schaffen. Dann entstehen sie auch.

Gibt es denn andere Beispiele für neue, durchdachte Wohnformen?

Der ASB betreibt zum Beispiel ein Haus in Hohnstein in der Sächsischen Schweiz: Unten ist eine Kindertagesstätte, darüber wohnen Senioren in altengerechten Wohnungen. Es gibt viel Miteinander zwischen der Kita und den alten Menschen. Das ist gewinnbringend für beide Seiten. Wir versuchen auch immer, Synergien zu nutzen. In Lohmen haben wir ein Objekt in einem alten Gutshof eingerichtet. Es gibt dort altersgerechte Wohnungen, in denen optional auch alle Service- und Pflegeleistungen in Anspruch genommen werden können, es gibt Gemeinschaftsräume, eine Arztpraxis und eine Physiotherapie im Haus. Wir haben auch Objekte mit Sozialstation und Tagespflege oder mit einem Pflegeheim gleich nebenan.

Ist Betreutes Wohnen denn eine gute Alternative für ältere Menschen?

Ja, natürlich. Und da würde ich auch gar nicht warten, bis es zu Hause überhaupt nicht mehr geht. Man sollte sich schon frühzeitig entscheiden, solange man noch aktiv ist und wählen kann. Betreutes Wohnen ist sehr gefragt. Nicht nur wir haben da Wartezeiten von bis zu zwei Jahren. Wir haben kürzlich ein neues Objekt eröffnet, da hatten wir für die Wohnungen das Vierfache an Interessenten.

Es gibt ja auch tolle Seniorenresidenzen mit Cafeteria, Pool und Wellness.

Die werden Sie hier in der Region nicht finden. Natürlich könnten wir auch den größten Luxus anbieten – am Ende muss sich das aber auch jemand leisten können. Eine Luxusresidenz kann sich hier allerdings niemand leisten. Deshalb gibt es sie hier auch nicht.

Was müsste es denn auch Ihrer Sicht stattdessen hier noch geben?

Auf jeden Fall noch viel mehr Tagespflege-Angebote. Die sind eine große Hilfe und Entlastung für alle, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen. Der Bedarf kann schon jetzt nicht gedeckt werden und steigt immer weiter. Ich würde gerne auch noch viel mehr Vernetzungen aufbauen: Betreutes Wohnen – Krankenhaus – Kurzzeitpflege – ambulante Reha – Pflegeheim. Ich bin sicher, das wird in Zukunft eine immer größere Rolle spielen.

Das Gespräch führte Jana Ulbrich.