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Machtkämpfe um Meissener Manufaktur

Sachsen verweigert dem Luxus-Konzern neues Geld. Aufsichtsratschef Kurt Biedenkopf setzt alles auf eine Karte.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Die Manufaktur arbeitet seit Monaten im Sparbetrieb. Nicht einmal mehr Kartons dürfen gekauft werden, um das Porzellan zu verpacken. Über zwölf Millionen Euro würden benötigt, um den Umbau des Unternehmens zu einem Luxuskonzern mit umfassendem Warenangebot voranzutreiben. Doch das Dresdner Finanzministerium will keine staatlichen Mittel mehr zuschießen.

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Nach SZ-Informationen soll am Donnerstag ein Versuch gestartet werden, den Konflikt zu lösen. Im Finanzministerium versammeln sich die Vertreter des Gesellschafters. Zudem ist eine Sitzung des Aufsichtsrats geplant. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Manufaktur und frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) geht mit diesem Schritt auf Konfrontation zu Stanislaw Tillich (CDU).

Sachsen Regierungschef ist nach SZ-Informationen zusammen mit seinem Finanzminister Georg Unland (CDU) nicht länger gewillt, den Expansionskurs von Geschäftsführungsvorstand Christian Kurtzke finanziell zu unterstützen. Offiziell hieß es gestern, „zur Finanzierung der Wachstumsstrategie stimmen sich die Unternehmensorgane eng ab. Die Risiken werden im Zuge der Umsetzung der Strategie an den Ergebnissen gespiegelt und bewertet.“ Tillich und Unland liegt ein kritischer Bericht des Sächsischen Rechnungshofes vor. Dieser gibt offenbar Anlass zu Sorge, dass Kurtzkes risikoreicher Kurs den Freistaat teuer zu stehen kommen könnte.

Der smarte Manager arbeitet seit 2008 mit ausdrücklicher Unterstützung Biedenkopfs daran, den Porzellanbetrieb zur weltweit führenden deutschen Luxusmarke auszubauen. Die gekreuzten Schwerter finden sich mittlerweile auf Möbeln, Kleidern und Ringen wieder. Hergestellt werden diese durch die Tochtergesellschaft Meissen Italia. Der Aufbau der neuen Produktpalette hat bislang jährlich rund drei Millionen Euro an Steuermitteln verschlungen. Jetzt wird weiteres Geld benötigt, um den Markt in den USA sowie Frankreich zu erschließen. Mit Partnern in China und Aserbaidschan wurden jüngst Lieferverträge über insgesamt neun Million Euro abgeschlossen. Zudem stehen Investitionen in neue Öfen im Triebischtaler Stammhaus an.

Einige Insider vermuten, dass die Blockade des Landes das Ziel verfolgt, den unliebsamen Meissen-Chef loszuwerden. Bleiben die Zuschüsse aus, dürften ehrgeizige Projekte wie der Aufbau des China-Geschäfts platzen. Damit wäre der Umbau zu einem Luxus-Kaufhaus gescheitert. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass Sachsen die Vergabe weiterer Millionen mit einer verstärkten Kontrolle der umstrittenen Geschäftsgebaren Kurtzkes verbindet.