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Über Nacht überrascht

Geert Mackenroth hatte sein Mandat schon abgeschrieben. Erst am Morgen danach stellte er fest: Es reicht doch noch.

Ganz vorbildlich direkt nach der Wahl hatten CDU-Helfer Plakate von Geert Mackenroth abgenommen. Der ist jetzt zwar doch noch in den Landtag gekommen, will sich aber nicht mehr um Riesaer Themen kümmern.
Ganz vorbildlich direkt nach der Wahl hatten CDU-Helfer Plakate von Geert Mackenroth abgenommen. Der ist jetzt zwar doch noch in den Landtag gekommen, will sich aber nicht mehr um Riesaer Themen kümmern. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Was für eine Nacht! Am Abend des Wahlsonntags war Geert Mackenroth enttäuscht ins Bett gegangen. Da war der CDU-Landtagsabgeordnete noch davon ausgegangen, am Montag sein Leben als Ruheständler zu beginnen. „Aber als ich morgens aufgestanden bin, war mein Handy voller Glückwunsch-Nachrichten“, sagt der 69-Jährige. Erst spät in der Nacht hatte es sich herausgestellt, dass sein aussichtsloser scheinender Platz 17 auf der CDU-Liste doch noch für einen Landtagssitz reicht: „Ich bin als Letzter auf der Liste noch reingerutscht“, freut sich der Radebeuler.

Dennoch kündigt Mackenroth an, in Riesa seinem erfolgreichen Konkurrenten Carsten Hütter von der AfD das Feld zu überlassen. „Als über die Liste gewählter Abgeordneter bin ich allen Wählern im Freistaat verpflichtet. Meine Arbeit als regionaler Wahlkreis-Abgeordneter für Riesa ist damit beendet.“

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Mit regionalen Anliegen sollten sich die Bürger im Wahlkreis Riesa künftig an Carsten Hütter wenden. „Ich werde auch mein Wahlkreis-Büro an der Riesaer Hauptstraße zum Ende des Monats schließen“, sagt Mackenroth. Ob Thomas de Maizière das Büro allein weiter betreibt, ist noch offen.

Dabei hatte Geert Mackenroth in den vergangenen zweieinhalb Jahren eine ungewöhnliche Präsenz in Riesa entwickelt: Er etablierte eine regelmäßige Talkrunde im Olympia, initiierte einen Kriminalpräventiven Rat, schaltete sich immer wieder in kommunalpolitische Debatten ein.

Künftig werde der CDU-Politiker in der Region lediglich noch Projekte zu Ende führen, die er bereits angefangen habe – etwa mit dem Riesaer Krankenhaus oder einem Strehlaer Generationenverein. „Wie weit ich mich noch mit dem Thema Hochwasserinitiativen beschäftige, überlege ich noch“, sagt Mackenroth.

Der neue Wahlkreisabgeordnete Carsten Hütter möchte die Rolle des ersten Ansprechpartners für die Region Riesa gern übernehmen. „Ich lade auch diejenigen Einwohner in meine Bürgersprechstunde ein, die mich nicht gewählt haben“, sagt der AfD-Mann. Und er stehe auch den Vereinen als Gesprächspartner zur Verfügung, die bislang offenbar ein Problem mit der AfD gehabt hätten. „Ich bin gespannt, ob die jetzt auf mich zukommen“, sagt der 55-Jährige. 

„Ich gehe neutral an die Themen ran und wäre der Letzte, der sich etwa beim Hochwasserschutz drückt.“ Auch mit dem Wirtschaftsforum Riesa – bislang eine von CDU-Politikern dominierte Domäne – würde der Kfz-Meister gern ein Kennenlerngespräch führen. „Ich bin seit 25 Jahren selbstständig und kenne die Nöte von Unternehmern“, sagt der Betreiber eines Autohauses in Marienberg/Erzgebirge.

Dort dürfte Hütter künftig nicht mehr so regelmäßig anzutreffen sein: Nach seinen Angaben hat er eines seiner Wahlversprechen bereits wahr gemacht und sich einen zweiten Wohnsitz im Wahlkreis Riesa genommen. „Ich beziehe gerade eine Wohnung im Raum Hirschstein und melde mich dort auch zeitnah an.“

 Ziel sei es, im Schnitt vier Tage pro Woche im Wahlkreis zu verbringen. Auch die Öffnungszeiten des Wahlkreis-Büros an der Langen Straße sollen noch diesen Monat ausgeweitet werden – auf vier Tage die Woche 10 bis 18 Uhr. Den Tag der Sachsen in Riesa verbringe Hütter am Stand der AfD.

Am Wahlabend hatten sich Carsten Hüter und Geert Mackenroth gegenseitig bescheinigt, einen fairen Wahlkampf geführt zu haben. Dass beide im Landtag bleiben, war da noch nicht abzusehen gewesen.

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