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Radebeul

„Mädchen haben kein Rosa-Gen“

Katja Kulisch ist die neue Gleichstellungsbeauftragte. Auch Männer brauchen manchmal noch Hilfe.

Seit 1. März ist Katja Kulisch Gleichstellungsbeauftragte für Radebeul und Coswig.
Seit 1. März ist Katja Kulisch Gleichstellungsbeauftragte für Radebeul und Coswig. © Norbert Millauer

Coswig/Radebeul. Männer und Frauen sind gleichberechtigt. So steht es seit 70 Jahren im Grundgesetz. Doch noch immer ist dieser Grundsatz nicht in allen Köpfen angekommen. Seit März kümmert sich Katja Kulisch (39), Diplom-Soziologin, in Radebeul und Coswig um die Gleichstellung der Geschlechter.

Gleichstellungsbeauftragte: Da denken viele an „Emanze“ und Alice Schwarzer.

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Während meines Studiums habe ich tatsächlich ein Praktikum bei „Emma“ gemacht. Mit gewissen Positionen von Alice Schwarzer kann ich mich identifizieren, aber nicht mit allen. Ich bin keine Emanze, sondern feministisch denkend.

Würden Sie sich als emanzipiert bezeichnen?

Wenn damit gemeint ist, frei und eigenständig zu leben und handeln, dann ja.

Was genau sind Ihre Aufgaben?

Ich bin Ansprechpartnerin für die Bürger der beiden Städte Coswig und Radebeul, sowie für die Mitarbeiter. Um die Gleichstellung vor Ort voranzubringen, arbeite ich mit Vereinen, Initiativen und Netzwerken zusammen, die sich genderpolitisch engagieren. Bei Problemen versuche ich, die entsprechenden Akteure und Entscheidungsträger an einen Tisch zu bekommen. Es ist meist eine recht unsichtbare Arbeit, die Gleichstellungsbeauftragte leisten. Wir drehen an verschiedenen Schrauben, um dem Ziel näherzukommen.

Die Gleichstellung von Mann und Frau sollte doch unterdessen in allen Köpfen angekommen sein. Warum brauchen wir Sie trotzdem noch?

Das Thema ist präsenter. Das stimmt. Wenn auf einem Foto der Chefetage nur Männer zu sehen sind, fällt das mittlerweile auf. Aber es bringt nicht mehr Frauen in diese Positionen. Deshalb finde ich die Frauenquote hilfreich und befürworte sie als Hilfsmittel, bis es sich selbst reguliert.

In welchen Bereichen gibt es noch die größten Unterschiede?

Frauen leisten noch immer deutlich mehr Familienarbeit und Sorgearbeit. Die Männer werden zwar mit einbezogen, aber häufig nicht zu gleichen Anteilen. Aus diesem Grund gehen Frauen auch öfter in Teilzeit arbeiten. Dass der Mann zuhause bleibt, ist eher selten, was auch daran liegt, dass die Branchen, in denen Männer arbeiten, besser bezahlen. Aber das lasse ich als einziges Argument nicht gelten.

Können Sie nachvollziehen, dass manche Frauen lieber Hausfrau und Mutter sind, statt berufstätig zu sein?

Natürlich. Mir geht es nicht um eine Bewertung, sondern dass alle frei entscheiden und so leben können, wie sie möchten. Gleichstellung bedeutet für mich, dass dafür die Strukturen gesellschaftlich vorhanden sind.

Viele Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind sozial konstruiert. Mädchen sollen immer brav und leise sein, Jungs werden animiert zum Toben. Mädchen haben kein Rosa-Gen. Die Industrie gibt das vor. Dabei war Rosa jahrhundertelang die Farbe der kleinen Jungen. Rot galt als Signalfarbe der Männlichkeit, Rosa ordnete man den Knaben zu. Mädchen zog man blau an, weil Blau die Farbe der Jungfrau Maria war. Die heutige Farbregelung kam erst in den 1940er-Jahren auf.

Denken Sie bei Ihrer Arbeit auch an die Männer?

Ja, natürlich. Auch da hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Beispielsweise, dass Männer zwei Monate Elternzeit nehmen, ist schon fast normal. Längere Zeiträume sind gesellschaftlich und auch in manchen Firmen jedoch noch nicht akzeptiert.

Wie steht es um die Frauenquote in den Rathäusern und Stadträten?

Die Verwaltungen in beiden Städten sind recht modern aufgestellt. Etwa zwei Drittel der Mitarbeiter sind Frauen. Aber es gibt noch Spielraum nach oben, besonders in den Stadträten.

Das Gespräch führte Peggy Zill.