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Mähen wie zu Urgroßvaters Zeiten

Sense statt Rasenmäher: Wie es geht, konnten Interessierte jetzt in Neukirch lernen. Damit helfen sie auch Schmetterlingen.

© Wolfgang Schmidt

Von Wolfgang Schmidt

Neukirch. Große Resonanz fand der kürzlich vom Naturschutzzentrum „Oberlausitzer Bergland“ in Neukirch organisierte Kurs „Mähen mit der Handsense“. Fast 20 Interessenten aus Neukirch und anderen Orten waren dafür zur „Thomas-Wiese“ am Fuße des Valtenberges gekommen – mit und ohne Sense. Sie wollten das Grasmähen selbst probieren oder nur Neues darüber erfahren. Der 80-jährige Manfred Thunig aus Diehmen stand mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung den Teilnehmern mit Rat und Tat zu Seite.

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Gutes Werkzeug – halbe Arbeit: Kursleiter Manfred Thunig aus dem Gaußiger Ortsteil Diehmen prüft, ob die Sense scharf ist.
Gutes Werkzeug – halbe Arbeit: Kursleiter Manfred Thunig aus dem Gaußiger Ortsteil Diehmen prüft, ob die Sense scharf ist. © Wolfgang Schmidt

Der Kurs hatte ein doppeltes Anliegen. Zum einen bekamen die Teilnehmer praktische Tipps zum Umgang mit der Handsense. Zum anderen ist das Mähen wie zu „Urgroßvaters Zeiten“ Naturschutz pur. „Das sachsenweit durchgeführte Projekt „Puppenstuben gesucht – Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge“ fügt sich in unsere Arbeit für die Umweltbildung ein“, sagte Katrin Poike, Geschäftsführerin des Naturschutzzentrums. .

Artensterben bei Schmetterlingen

Seit über zwei Jahren werden naturinteressierte Bürger aufgerufen, blühende Wiesen zu schaffen, damit es wieder mehr Tagfalter in unserer Heimat gibt. In Sachsen wurden 125 Schmetterlingsarten nachgewiesen. Davon sind bereits 14 Prozent ausgestorben und noch einmal so viele vom Aussterben bedroht. Bei den übrigen Arten gingen in den vergangenen Jahrzehnten die Populationen durchschnittlich um 30 Prozent zurück. Da die Menschen der Meinung sind, die Umwelt in eine vermeintliche Ordnung bringen zu müssen, werden Wiesen sehr oft gemäht. Dadurch entzieht man den Tagfaltern ihre Nahrungs- und Lebensgrundlage.

Die Eier werden an Blättern abgelegt, die Raupen ernähren sich von der Pflanze, die Puppen ruhen an versteckten Orten und die Falter saugen den Blütennektar. Das ganze Jahr über leben diese Insekten in verschiedenen Entwicklungsstadien auf der Wiese. Mit dem Projekt „Puppenstuben gesucht“ wird für das Verständnis geworben, dass Wiesen so gepflegt werden, damit der Lebensraum der Tagfalter erhalten bleibt. Es soll seltener gemäht werden, auch können Teilstücke der Fläche ausgelassen werden.

Für die naturschutzgerechte Mahd eignen sich Handsense und Balkenmäher. Das Mahdgut sollte mit Rechen und Heugabel komplett entfernt werden, damit keine Streuauflage entsteht.

Vor dem praktischen Arbeiten mit der Handsense soll diese zur Körpergröße des Ausführenden passen und wenn nötig eingestellt werden. Das war einer der wichtigen Tipps von Manfred Thunig. Natürlich muss das Sensenblatt geschärft sein und wenn nötig gedengelt werden. „Beim Mähen selbst sollte das Sensenblatt immer kreisförmig, etwa einen Zentimeter über dem Gras bewegt werden“, fügte der Diehmener hinzu. Das sei optimal und sichert einen sauberen Grasschnitt.

Von Manfred Thunig und den Zaungästen beobachtet, wagten es neun Frauen und Männer das fast 20 Zentimeter hohe, niederliegende Gras auf der „Thomas-Wiese‘ zu mähen – mit mehr oder weniger Erfolg. Indes bemerkenswert, die beiden einzigen Frauen zeigten viel Geschick im Umgang mit der Handsense. Martina Helbig begründete es so: „Meine Tochter hat in Ringenhain ein großes Wiesengrundstück und oft helfe ich ihr beim Mähen.“ Martina Wagner aus Weifa mäht umweltbewusst ihre Wiesenfläche zweimal im Jahr mit der Sense. Den Rasenmäher setzt sie nur zum Grünschnitt der Wege ein.

Naturschutzzentrum pflegt Wiese

Anliegen für den Großharthauer Enrico Paul wiederum, mit der Handsense Gras zu mähen, sind seine fünf Kaninchen, die jetzt zur Familie gehören. Mit 33 Jahren war der Großharthauer der jüngster Kursteilnehmer. Und auch der aus Laußnitz angereiste Dieter Böhme – mit 78 Jahren ältester Teilnehmer – hat sein Kommen nicht bereut. „Es war sehr lehrreich und trotz meines Alters konnte ich neue Tipps im Umgang mit der Handsense erhalten“ , sagte der Senior.

Die 400 Quadratmeter große Wiese konnten die neun Aktiven während des Kurses nicht völlig abmähen. „Das erledigen unsere Mitarbeiter genauso wie das Kompostieren des Grüngutes“, sagte Katrin Poike. Im nächsten Jahr plant das Naturschutzzentrum eine weitere Veranstaltung „Mähen mit der Handsense“.