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Männlich, jung, ledig, sucht ...

Warum es manchen Herren so schwer fällt, eine Partnerin zu finden und wie es doch klappen kann.

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© dpa

Von Daniela Pfeiffer

Auf jeden Topf passt ein Deckel. Das sagt sich schön. Wer verliebt, verlobt, verheiratet ist, der mag das auch glauben. Doch es gibt viele, denen angesichts solcher Weisheiten nur ein sarkastisches „Pfff!“ entfährt. Denn sie suchen und suchen, doch es findet sich kein Deckel. In einem Landkreis, in dem es mehr junge Männer als Frauen gibt, können besonders Single-Männer davon ein Lied singen.

Sandro* aus Görlitz zum Beispiel. Obwohl Görlitz mit einem leichten Frauenüberschuss die Ausnahme im Landkreis ist, findet er keine neue Partnerin. Er sucht etwa seit einem halben Jahr – seit seine Frau ihn verließ. Sandro ist Anfang 30 und einsam. Wo er eine neue Partnerin kennenlernen soll, ist ihm ein Rätsel. „Ich war ein paarmal in der Disko, aber wenn man niemanden kennt, ist es nicht einfach, auf jemanden zuzugehen. Ich habe auch keine Frau gesehen, die ich angesprochen hätte. Man hat ja gewisse Vorstellungen.“ Sandro hat schon eigene Kinder und sucht deshalb eine „bodenständige Frau, die im Leben steht.“ Ein bisschen jünger darf sie sein.

Seine Suche beschränkt sich im Moment auf einige flüchtige Kontakte auf der Internetplattform Facebook. Auch die Kontaktanzeigen in der Zeitung hat er sich der Neugier halber angeschaut und sogar einer Frau geschrieben. „Aber ich glaube nicht, dass daraus was wird.“ Jetzt hofft er, vielleicht im Fitnessstudio, das er seit Kurzem besucht, jemanden kennenzulernen. „Da sieht man schon auch die eine oder andere, die einem gefallen könnte.“

Ein Görlitzer Facebook-Nutzer hat ebenfalls seine liebe Not damit, die Richtige zu finden. „Der Mangel an jungen Frauen in der Region kann nicht durch die zarten Sozialarbeits-Studentinnen in Görlitz kompensiert werden“, schreibt er in einer Diskussion zum Thema auf der Facebookseite der Görlitzer SZ. Und er fällt für sich ein vernichtendes Urteil: „Ich erfahre das Problem am eigenen Leib. Es ist ganz schwer, in unserer Region eine ordentliche Partnerin zu finden. Das Angebot an Single-Frauen im Bereich zwischen 20 und 30 Jahren zeichnet sich durch folgende Merkmale aus: Unattraktiv, ungepflegt, ungesund, alleinerziehend, arbeitslos und ein niedriges charakterliches Gesamtniveau.“

Partneragenturen sind scheinbar auch kein guter Tipp für Singlemänner im Landkreis. Denn es gibt weit und breit keine einzige Agentur, die vor Ort ihr Büro hat. Uta Beck, die in Dresden die Agentur „My Schatz“ betreibt, erklärt, warum das so ist: „Ostsachsen ist für uns ein schweres Gebiet“, sagt sie. „Das Klientel dort ist ganz schwierig. Schon allein, weil die finanziellen Voraussetzungen oft nicht gegeben sind. Die Arbeitssituation in Ostsachsen ist nun mal kritisch.“ Aber gute Leistung – sprich vernünftige Partnerangebote – kosten eben gutes Geld. Trotzdem klingt auch ein wenig Resignation mit, wenn es um die Region Görlitz geht. „Auch wir können uns eben keine Partner aus den Rippen schneiden, wo es keine gibt. Die Fluktuation der jungen Leute ist in der Region ja besonders hoch.“ Wer dann übrig bleibt, für den sei es schon schwer, die Liebe zu finden. Deshalb ist es ratsam, sich nicht auf die unmittelbare Region zu versteifen, sondern offen für Angebote zu sein, die ein paar Kilometer weg sind. Wer das möchte, dem will Uta Beck natürlich gern helfen. Leuten, die sich keine klassische Partnervermittlung leisten können, empfiehlt sie die Online-Partnerbörse ihrer Agentur. „Die haben wir extra eingerichtet, weil sie mit 9,90 Euro im Monat erschwinglicher ist.“

Doch auch den ganz klassischen Schritt auf dem Weg zum neuen Partner gehen im Landkreis Görlitz noch viele: über eine Kontaktanzeige. Ein großer Teil kommt da an Sabine Meier und ihren Kollegen vom SZ-Treffpunkt im Görlitzer City-Center nicht vorbei. Obwohl sie weiß, dass es früher doch noch wesentlich mehr Kontaktanzeigen gab, seien die Seiten immer noch gut gefüllt mit Inseraten. Auch wenn das Hauptklientel hier erst ab etwa Mitte 30 beginnt und vor Mitte 80 kaum haltmacht, gibt es hin und wieder Jüngere. Wie die Görlitzerin, Ende 20, die beruflich sehr eingespannt ist und einfach keinen Mann findet. Ein Discotyp ist sie nicht, dort würden die jungen Männer ohnehin immer nur auf eine Nacht aus sein. Was fürs Leben findet Frau dort nicht. „Diese junge Dame hatte auf ihr Inserat hin sofort mehrere Zuschriften“, erinnert sich Sabine Meier. Der Traummann war aber nicht dabei.

Die Frauen vom SZ-Treffpunkt hören oft ganze Lebensgeschichten, sind manchmal Seelentröster. „Manche bekommen leider überhaupt keine Zuschriften. Wir raten dann, sich davon nicht entmutigen zu lassen und es einfach immer wieder zu versuchen.“ Ganz entscheidend ist der Inhalt der Anzeige. Pfiffig und locker sollte der sein. „Wer entspannt und witzig rüberkommt und sich selbst nicht zu ernst nimmt, bekommt erfahrungsgemäß die meisten Zuschriften“, sagt Sabine Meier. Sie rät vor allem, das Alter nicht einzugrenzen. Das schreckt viele ab.

Neue Wege der Partnersuche bietet seit einigen Jahren das Internet. Auf Singlebörsen wie Neu.de, Elitepartner, Parship oder Friendscout sind auch Jüngere schon registriert. Dass hier durchaus die wahre Liebe lauern kann, zeigt das Beispiel von Catharina* aus Görlitz und Dirk* aus einem Dorf bei Zittau. Beide sind Mitte 30 und hatten bereits gescheiterte Partnerschaften hinter sich, als sie sich anmeldeten. „Ich habe als Suchumkreis 50 Kilometer eingegeben und bin jetzt glücklich verliebt“, sagt die zweifache Mutter Catharina. „Man will ja nicht meilenweit zum Liebsten reisen, falls denn mal einer gefunden ist, aber diese Entfernung war noch im Rahmen.“ Auch ein Foto hat sie auf ihrem Profil eingestellt. Das erhöhe die Chancen doch um einiges, sagt sie. „Fündig werden“ kann man mit Geduld und sicher auch der richtigen Einstellung. „Klar, es gibt auch Leute, die nur jemanden zum Spaß haben suchen. Da muss man aufpassen, bevor man sich traut, beim Chat oder per privater Profil-Nachricht seinen richtigen Namen, E-Mail-Adresse oder gar Telefonnummer herauszurücken.“ Der Großteil sei aber schon auf ernsthafter Partnersuche.

So wie Dirk. Vor sechs Jahren hatte er bereits seine damalige Partnerin und spätere Mutter seines Sohnes übers Internet kennengelernt. „Ich bin eher ein zurückhaltender Typ, kein Draufgänger, der beim Tanzen die Frauen anspricht. Für mich war das Internet eine bessere Möglichkeit, in Ruhe jemanden zu suchen. Und jetzt hat es sich ein zweites Mal richtig gelohnt.“ (*Namen sind der Redaktion bekannt)