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Märchenhafte Spiel-Lust

Die Weihnachtsmärchen von „immer dieselben“ gehen in die 14. Saison. Auch eine Wendeltreppe hat damit zu tun.

Von Wolf Dieter Liebschner

Die letzte Probe ist vorbei. Am kommenden Sonntag wird es ernst. Da müssen Kostüme, Text, Pointen und Bewegungen sitzen. Die Weinböhlaer Theatergruppe „immer dieselben“ tritt mit einem neuen Stück im Sörnewitzer Handwerkerhof auf. Ein naheliegendes Thema. Es geht um Weihnachten bei Oma Ottilie und deren geheimes Stollenrezept.

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„Immer dieselben“, das stimmt eigentlich so nicht. Die heute rund 35 Schauspieler starke Truppe – die Älteste ist 82 Jahre alt, der Jüngste gerade einmal sieben – besteht seit 1998. Da sind personelle Veränderungen programmiert. Von Anfang an dabei ist Bäckersfrau Sabine Kralacek. Sie hat das Heft in der Hand. Und den Stift. Alle Stücke stammen aus ihrer Feder.

1998 hat sie angefangen, Märchen zu schreiben. Die wurden im Sommer aufgeführt. „Dann habe ich mir gedacht, für die Weihnachtszeit müsste man doch auch etwas auf die Beine stellen“, sagt die 51-jährige gelernte Porzellanmalerin. Trotz Weihnachtsstress in der Bäckerei. Ihr Arbeitstag beginnt früh um vier. Stollenverkauf im Akkord. Doch was sie in die Hand nimmt, bekommt letztlich Gestalt. An diesem zweiten Advent wird das mittlerweile 14. Weihnachtsmärchen aufgeführt.

Eingebettet ist die Theatertruppe in den Fest- und Heimatverein Weinböhla. Auch jene sechs Frauen, die in ihrer Freizeit die Kostüme für die Aufführungen anfertigen. Jeden Dienstag treffen sie sich, um gemeinsam zu nähen. „Meine Nähfrauen“, sagt Sabine Kralacek stolz. Rund 400 Kostüme sind seit der Gründung der Theatergruppe entstanden.

Die Idee, Theater zu spielen, entstand in den Jahren nach der Wende. „Ich bin hier groß geworden“, erzählt Sabine Kralacek. „Ich kannte mich aus, und doch war plötzlich alles ganz anders. Die Leute hatten mit sich selbst zu tun. Was kann man machen, damit man die Leute wieder an einen Tisch bringt, hatte ich damals überlegt.“ Der Handwerkerhof wurde in diesen Jahren gebaut. Samt Wendeltreppe. Wie im Märchen. Und dann noch die Musik in der Kirche. „Das alles irgendwie zusammenbringen. Das muss doch klappen.“

Und wie das geklappt hat. Sabine Kralacek muss nachdenken, eine genaue Zahl ihrer Stücke kann sie dennoch nicht nennen. „So zwischen 40 und 50 werden inzwischen wohl zusammenkommen“, schätzt sie. Denn die Sommeraufführung behält die Truppe bei. Beim Schreiben hat Sabine Kralacek ein Prinzip: „Ich möchte Harmonie und ein Stück heile Welt auf die Bühne bringen. Da gibt es zwischen König und Bettler die ganze Vielfalt des Lebens.“

Die Aufführungen können es mit jedem Fernsehfilm aufnehmen. Sie sind alle rund 90 Minuten lang. Die Begründung liegt auf der Hand. „Wir haben so viele Schauspieler. Und jeder will doch seinen Text haben“, sagt Sabine Kralacek. Weil angesichts dieser Spieldauer die jüngsten Zuschauer zwischenzeitlich etwas müde werden könnten, wird kräftig mit Musik und Tanz aufgelockert. Das darf dann auch schon mal Rammstein sein. Da kann sich Sabine Kralacek gegen Widerstände durchsetzen. Als Mutter des Sängers der Rockband Silent Poem sind ihr die etwas kräftigeren Töne durchaus nicht unvertraut.

Wenn der Vorhang am Sonntag aufgeht, liegen zahlreiche Proben hinter den Schauspielern. Doch nicht nur auf der Bühne wird es rings um den Stollen von Oma Ottilie märchenhaft zugehen. Schon im Foyer wartet eine Weihnachtsstube auf die Besucher. Die zwei Hexen Baba und Jaga wollen sicher manchem Angst einjagen. Ein Räuber grillt Bratwürste. Das Weingut Schabehorn serviert Glühwein.

„Weihnachten bei Oma Ottilie“ am 8. Dezember jeweils 11, 13, 15 und 17 Uhr im Handwerkerhof Sörnewitz