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Märchenturm-Verein bereitet ein großes Fest vor

Ulbersdorf. Ein altesTrafohäuschen wird zum Treffpunkt für Kinder.

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Von János Joó

Es war einmal ein schmuckes Trafotürmchen. Das grämte sich gar sehr, als 2001 sein elektrisches Innenleben entfernt und direkt in der Nachbarschaft ein modernerer Schaltkasten errichtet wurde ...

Das klingt nach einem sehr traurigen Märchen, wenn nicht der Ulbersdorfer Roland Christoph auf den Plan getreten wäre. Der erwarb das Gebäude für den symbolischen Preis von einem Euro. Im Urlaub in Frankreich und Portugal hatte er gesehen, dass dort selbst die alten Bunker des Atlantikwalls farbenfroh bemalt waren und dachte sich: „Das machen wir beim Turm auch!“ Leuchtturm oder Disko, diese Themen verwarf der ehemalige Schuldirektor von Ehrenberg und Leiter des Pionierhauses in Sebnitz und besann sich auf sein Steckenpferd – deutsche Märchen. Mit einem Graffitikünstler wurden die Märchenmotive aufgesprüht. Innen wollte er den Turm privat nutzen. Doch der erste Platz beim sachsenweiten „Nischt los im Dorf? Dann mach was!“-Wettbewerb spornte an, noch einen Schritt weiter zu gehen. Mit dem im letzten Jahr eigens gegründeten Märchenturm-Verein, wurden Fördermitteltöpfe angezapft, um den zwölf Meter hohen Turm auch innen in einen kleinen Veranstaltungsort für Kinder zu verwandeln. Der Kindergarten Ulbersdorf, das Sebnitzer Schollheim und viele engagierte Bürger waren mit im Boot. Nachdem im März die Mittel bewilligt wurden, ist der Innenausbau durch örtliche Firmen und freiwillige Helfer voll im Gange. Eine Märchenstube, Sanitärraum, Bühnenboden und reichlich Stauraum entstehen auf den fünf Turmetagen. Vor dem Gebäude soll der Dorfbach angezapft werden und ein kleiner Märchenbrunnen entstehen.

Genutzt werden soll der Turm dann für Veranstaltungen des Vereines. Der ist übrigens auch außerhalb Ulbersdorfs unterwegs und war zum Beispiel beim Sebnitzer Buchbergfasching oder erstellte eine Bastelstraße beim Familienfest auf der Burg Hohnstein. Kindergärten und Schulen sollen den Turm auch nutzen können.

Die Bewahrung deutscher Märchentraditionen und natürlich die Bereitstellung einer Minibegegnungsstätte sollen so unter einen Hut gebracht werden.

Mittlerweile hat das ehemals anonyme Trafohäuschen sogar eine eigene Hausnummer: Dorfstraße 33a. Und weil der Ausbau zügig von statten geht, ist für den 10. Juli zur offiziellen Einweihung ein „Fest der Märchen“ geplant. Alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen sind herzlich eingeladen, wenn bei Spielen, Theater und Musik im und um den Turm gefeiert wird. Kinder sollen sich nach Möglichkeit als Märchenfiguren verkleiden. Und damit es bis dahin nicht langweilig wird, kann man ja schon mal schauen, ob alle außen am Turm versteckten Märchen gefunden werden. Die Ulberdorfer Kindergartenkinder waren schon da und konnten alle benennen. Recht einfach zu erkennen ist Rapunzel, das seinen langen Zopf herunterlässt. Der ist übrigens nicht aufgemalt, sondern ein richtiges Schiffstau – ein Fundstück von einem Strandspaziergang in Dänemark. Irgendwie märchenhaft ...