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Märchenzeit im Theaterzelt in Rathen

Die Landesbühnen Sachsen starten nun doch in die Sommersaison. Daran hat vor allem einer fest geglaubt.

Sie freuen sich über das Theaterzelt am Elbufer in Kurort Rathen (von links): Zirkusdirektor André Sarrasani, Manuel Schöbel, Intendant der Landesbühnen Sachsen, Rathens Bürgermeister Thomas Richter und Operndirektor Sebastian Ritschel.
Sie freuen sich über das Theaterzelt am Elbufer in Kurort Rathen (von links): Zirkusdirektor André Sarrasani, Manuel Schöbel, Intendant der Landesbühnen Sachsen, Rathens Bürgermeister Thomas Richter und Operndirektor Sebastian Ritschel. © Thomas Morgenroth

Tritt ein in den Dom: Ein sichtlich gut gelaunter Manuel Schöbel verschwindet im Halbdunkel des grünen Theaterzeltes, das seit gut einer Woche am linksseitigen Ufer der Elbe in Kurort Rathen steht. Der Intendant der Landesbühnen Sachsen ist seitdem beinahe täglich in der neuen Spielstätte, um den Fortschritt des Aufbaus von Bühne, Technik und Zuschauerplätzen zu begutachten. Schöbel hat allen Grund zur Freude: Mit dem Märchen „Der gestiefelte Kater“ beginnt am 20. Juni nun doch die Sommersaison des Radebeuler Reisetheaters in der Sächsischen Schweiz.

Auf Abstand: Schauspieldirektor Peter Kube (r.) und Choreograph Till Nau.
Auf Abstand: Schauspieldirektor Peter Kube (r.) und Choreograph Till Nau. © Thomas Morgenroth

Die Einweihung der Ersatzspielstätte für die Felsenbühne, die wegen umfangreicher Bauarbeiten zwei Jahre nicht zur Verfügung steht, stand wegen der behördlichen Verbote im Zuge der Corona-Pandemie lange Zeit auf der Kippe. Schöbel aber hielt unbeirrt an dem Theaterzelt fest, auch, als schon zwei Premieren ausgefallen waren, „Peter Pan“ und Kiss Me Kate“. Nun steht es und ist ein Hingucker, besonders von der gegenüberliegenden Bastei aus.

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So ganz selbstverständlich ist es freilich nicht, mitten im Nationalpark ein fast zwanzig Meter hohes Zelt mit 1.000 Quadratmetern Grundfläche aufbauen zu dürfen. Das sei nur mit viel gutem Willen und Entgegenkommen auf allen Seiten gelungen, sagt Schöbel. „Wer sich nicht bemüht, wird nichts erreichen“, sagt Rathens Bürgermeister Thomas Richter, der die Vorhaben der Landesbühnen von jeher unterstützt. Die Gemeinde stellt die Wiese zur Verfügung, die sonst an die Agrargenossenschaft Struppen verpachtet ist.

Grün wie die Landschaft

Die Landesbühnen können zudem auf weitere lokale Partner zählen. Wie die Lebenshilfe Pirna-Sebnitz-Freital, auf deren Grundstück nebenan Sanitärcontainer aufgestellt werden. „Wir haben außerdem zwei Wohnungen und eine leerstehende Pizzeria angemietet“, sagt Schöbel. Und Walter Matzke vom Gasthof Obervogelgesang stellt einen Lagerraum in Rathen zur Verfügung. Selbst der nahe Bahnhof wird zum Partner: Mit der Bahn ist das Theaterzelt kostenfrei zu erreichen – die Eintrittskarte gilt als Fahrausweis auf den Strecken des Verkehrsverbundes Oberelbe.

Die Nationalparkverwaltung wiederum genehmigte den Aufbau des Zeltes unter anderem mit der Auflage, dass dieses außen grün zu sein hat, um sich besser in die Landschaft einzufügen. „Wir hatten aber kein grünes Zelt“, sagt André Sarrasani, der mit seiner Entertainment GmbH von den Landesbühnen mit dem Projekt beauftragt wurde. Der Dresdner Zirkusdirektor stellte bei Recherchen allerdings fest, dass der Zirkus Sarrasani in den Fünfzigerjahren tatsächlich ein grün-weißes Zelt hatte, in den sächsischen Landesfarben. Es war eine Erinnerung an die alte Heimat, in die das traditionsreiche Unternehmen erst nach der Wende zurückkehren durfte.

André Sarrasani freute sich über den Auftrag, schließt sich doch so in gewisser Weise der Kreis: Der Zirkus stellte schon vor achtzig Jahren bei den Karl-May-Spielen auf der Felsenbühne ein Zelt zur Verfügung. Wegen der Corona-Krise hätte es allerdings das grüne Theaterzelt beinahe nicht gegeben. Sarrasani wollte die 2.000 Quadratmeter große Plane dafür im März in Norditalien nähen lassen – da kamen die Ausgangssperren. „Zum Glück bekamen wir eine Sondergenehmigung“, sagt er.

Michael Berndt-Cananá ist in Rathen der gestiefelte Kater.
Michael Berndt-Cananá ist in Rathen der gestiefelte Kater. © René Jungnickel

Der 47-Jährige ist ein bisschen stolz auf das Theaterzelt, das freitragend ist und deshalb innen ohne störende Stützen und Abspannungen auskommt. Bis Ende August, da endet die Genehmigung durch den Nationalpark, wird es in Rathen stehen und dann anderweitig vermietet. Im kommenden Mai soll es erneut für vier Monate an der Elbe aufgebaut werden.

„Ich finde das Zelt großartig“, sagt Schauspieldirektor Peter Kube, der in dieser Woche die Spielstätte besichtigte. Einmal mit dem Choreographen Till Nau, der bei „Kiss Me Kate“ für die Tanzszenen zuständig ist, und einmal mit Tom Pauls, seinem Kollegen vom Zwinger-Trio. Dritter in diesem Bunde ist Jürgen Haase, der in dem Stück „Pettersson und Findus“ die Rolle des kauzigen Alten übernehmen wird. Die Premiere im Theaterzelt soll am ersten Ferienwochenende sein. Intendant Schöbel hofft nun, dass er das Zwinger-Trio noch für einen Auftritt begeistern kann.

Zunächst aber kommen im Juni mit „Der gestiefelte Kater“ und „Der Frosch muss weg“ zwei Inszenierungen nach Märchen der Gebrüder Grimm auf die Bühne im Theaterzelt, außerdem gibt es ein Wunschkonzert mit Thomas Gläser am Piano. Mit gehörigem Abstand zwischen den Akteuren und den Zuschauern. Statt der geplanten 600 dürfen deshalb aktuell nur 220 rein. Was Manuel Schöbel nicht die Laune vermiest. Er breitet die Arme aus und sagt: „Kommt, lasst uns das Zelt erobern!“

Der Juni im Theaterzelt: 20., 28.6., „Der gestiefelte Kater“; 21.6. „Der Frosch muss weg“, jeweils 16 Uhr, 27.6., Wunschkonzert, 19 Uhr; Tickets gibt es ab Montag. www.landesbuehnen-sachsen.de

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