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Mäßiger Erfolg für die Brunnengebühr

Nach drei Jahren zieht der Wasserversorger eine Zwischenbilanz. Sie fällt durchwachsen aus.

Von Matthias Weigel

Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Korrekturen, Kontrollen und Klagen: Mit den drei Stichworten lässt sich in etwa eine Bilanz der „Brunnengebühr“ nach drei Jahren ziehen. Die Wasserversorgung Weißeritzgruppe (WVW) hatte 2011 das neue „Bereitstellungsentgelt“ vorgestellt und trotz heftigem Aufschrei der Betroffenen 2012 eingeführt. Kunden müssen seither für die Nutzung von Brunnen- bzw. Regenwasser in den Wohngebäuden – beispielsweise für Toilette oder Waschmaschine – zahlen. Das soll den ohnehin hohen Wasserpreis für alle anderen Kunden stabilisieren. Fällig sind 1,35 Euro pro Kopf und Monat – also 16,20 Euro jährlich.

Korrekturen: Nicht alle potenziellen Kunden betreiben Hausbrunnen

Weil die WVW nur von den wenigsten wusste, die solche Anlagen haben, wurde Ermittlungsarbeit geleistet. Die WVW glich den Verbrauch je Anschluss mit den Daten der Müllentsorgung ab – dort ist registriert, wie viele Leute an der Adresse wohnen. So konnte man mit der internen Abrechnung alle Haushalte herausfiltern, die weniger als 20 Kubikmeter pro Jahr und Bewohner verbrauchen. Die wurden angeschrieben – rund 3 000 Grundstücksbesitzer in der Weißeritzregion. Laut WVW-Chef Frank Kukuczka hätten sich die meisten ehrlich geäußert, wenn auch nicht immer ganz freundlich. Es zeigte sich aber, dass die Mülldaten zum Teil von der Zeit überholt waren – die Kinder zum Studium, der Vater Pendler oder die Oma längst im Pflegeheim. Der niedrige Verbrauch war dort also plausibel. Andere wiederum bauten mit der neuen Gebühr ihre Pumpen ab oder wiesen nach, das Wasser nur für den Garten zu nehmen.

Kontrollen: Böse Überraschungen

in einigen Kellern entdeckt

In 390 Fällen führte die WVW schließlich Kontrollen durch. Laut Kukuczka erwischte man dabei gut 20 bis 25, die geschwindelt hatten. Und alle, die bisher nicht erwischt wurden, mahnt der Geschäftsführer: „Alle sechs Jahre kommen wir zum Zählerwechsel in die Häuser. Spätestens dann wissen wir die Wahrheit.“ Dann werde man das aber als Betrug anzeigen.

Bei den Kontrollen kamen den Mitarbeitern der WVW auch noch ganz andere Dinge vor die Augen. „Wir haben beispielsweise Verbindungen zwischen Brunnen oder Regentonnen mit dem öffentlichen Netz entdeckt“, sagt Kukuczka. Für ihn ist das sträflich – nicht nur, weil es verboten ist. Man sorge mit hohem Aufwand dafür, das Lebensmittel Nummer eins in bester Qualität bis ans Haus zu bringen. Und dann riskierten die Verursacher mit ihren Basteleien eine Verschmutzung oder Verkeimung, die böse Folgen haben kann. Im dümmsten Fall zöge oder drücke es die Brühe bis ins öffentliche Netz – mit möglicherweise verheerenden Folgen. Der Rückbau bei den entdeckten Verbindungen sei obligatorisch. Eine Strafe blieb offen.

Klagen: Musterverfahren gegen Zahlungsverweigerer läuft an

Letztlich verschickte die WVW nach den Erhebungen 840 Rechnungen. 125 000 Euro, so die Bilanz, nahm man in drei Jahren ein. Nicht gerade viel bei jährlich 14 Millionen Euro Haushaltsvolumen. Das Entgelt soll aber ein symbolischer Beitrag sein. Denn in der Vergangenheit wurden im Osterzgebirge viele Brunnendörfer für viel Geld an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Der Wasserverbrauch sinkt aber dort. Etliche Kunden nutzen im Alltag Brunnenwasser, dennoch muss die WVW ständig ausreichend Wasser in Top-Qualität vorhalten. Sie kann so ihre hohen Fixkosten aber nicht decken. „Normale“ Kunden müssen das über den hohen Wasserpreis mittragen. Tatsächlich kommen die meisten Brunnennutzer aus Orten wie Colmnitz, Reichstädt, Schellerhau, Pretzschendorf, Höckendorf, Oberfrauendorf, Liebenau oder Luchau. Es gibt aber auch einige in Freital und Dipps.

Letztlich haben fast alle bezahlt. Zwölf Kunden verweigern das Entgelt. Einfach durchgehen lassen will das die WVW nicht. Wegen des Aufwands wird ein Musterverfahren vorbereitet. Das soll am Ende Klarheit schaffen für ein Entgelt, dass – auch juristisch – im Vorfeld nicht unumstritten war und vergleichbare Urteile in Deutschland unterschiedlich ausfielen. „Einem Konflikt aus dem Weg zu gehen, wäre aber das falsche Signal“, sagt Kukuczka. Selbst auf die Gefahr hin, dass ein Gericht die Gebühr kippen würde. Bis eine Entscheidung fällt, wird es dauern – die WVW konzentriert sich derzeit klar auf ihr neues Preismodell, das 2015/16 kommen und von Haus aus die Fixkosten besser abbilden soll.

Fazit: Der große Wurf war es

angesichts des Aufwandes nicht

„Uns ging es um ein Signal für die Solidargemeinschaft , weniger ums Geld“, sagt Kukuczka. Er räumte ob der eher symbolischen Einnahmen ein, dass es insgesamt kein Knaller ist. Aufwand und Ärger verlangten dem Personal einiges ab. Wie es – auch angesichts des neuen Preismodells – mit dem Entgelt weitergeht, ist offen. „Wir werden das zu entsprechender Zeit prüfen und diskutieren“, sagt Kukuczka.

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