SZ +
Merken

Mäßiges Zeugnis für den Landkreis

Der Bildungsbericht zeigt Entwicklungen in den vergangenen zehn Jahren. Ein Trend ist alarmierend.

Von Maximilian Helm
 5 Min.
Teilen
Folgen
Der aktuelle Bildungsbericht für Sachsen prognostiziert eine Verschärfung des Lehrermangels. Es gibt aber auch gute Nachrichten.
Der aktuelle Bildungsbericht für Sachsen prognostiziert eine Verschärfung des Lehrermangels. Es gibt aber auch gute Nachrichten. © dpa

Der aktuelle Bildungsbericht des Leibniz-Instituts liest sich im Allgemeinen sehr positiv für Sachsen: Es gibt mehr Abiturienten, mehr Personal in der Kindertagesbetreuung und weniger Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Der Bericht vergleicht die Zahlen der letzten zehn Jahre miteinander. Doch während manche sächsische Regionen gut abschneiden, bleibt der Kreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in einigen Punkten zurück. Das sind die fünf wichtigsten Erkenntnisse:

Erkenntnis 1: Mehr Schüler, weniger Lehrer

Es gibt mehr Schüler im Landkreis. Lernten vor zehn Jahren noch 18 960 Kinder und Jugendliche an den hiesigen Schulen, waren es im vergangenen Schuljahr 22 710 Schüler, was einem Anstieg von gut 17 Prozent entspricht. Das wäre ein Grund zur Freude, wenn nicht die Zahl der Lehrer seit Jahren sinken würde, im selben Zeitraum von 2 080 auf 1 940. Knapp vier Fünftel sind weiblich. Im Bericht heißt es: „Die Personalsituation wird sich nicht zuletzt durch die große Zahl älterer Lehrerinnen und Lehrer weiter verschärfen.“ Zwar habe sich der Anteil der unter 35-jährigen Lehrkräfte in Sachsen verdreifacht, das ändere jedoch nichts an dem Problem.

Doch zumindest bei der Schülerzahl gibt Stefan Kühne, einer der Hauptautoren der Studie, Entwarnung: „Der Geburtenanstieg hat einen Zenit erreicht, sodass sich auch die Schülerzahl in den kommenden Jahren nicht mehr erhöhen wird.“ Die Prognose für die Lehrkräfte fällt hingegen düster aus. Bis 2030 gehen knapp die Hälfte der derzeitigen Lehrer in den Ruhestand. „Wir weisen seit 2006 auf diesen Zustand hin, das ist ein politisches Versäumnis. Kinder werden genauso wenig überraschend schulpflichtig, wie Lehrer in den Ruhestand gehen.“, sagt Kühne. Abhilfe sollen nun Seiteneinsteiger schaffen, bei deren Beschäftigung Sachsen bundesweiter Spitzenreiter ist.

Erkenntnis 2: Weniger Kinder besuchen das Gymnasium

An den Schulen hat sich wenig geändert. Im Landkreis gibt es noch immer 58 Grundschulen, 23 Mittel- und Oberschulen und sieben Gymnasien. Vor zehn Jahren war das sehr ähnlich, in der Zeit ist nur das evangelische Schulzentrum in Pirna mit einer Ober- und einer berufsbildenden Schule dazugekommen.

An Beliebtheit eingebüßt hat das Gymnasium. 673 Neu-Gymnasiasten gab es vergangenes Jahr, das sind 36 Prozent aller Fünftklässler. Vor zehn Jahren waren es 40,5 Prozent. Der Landkreis liegt damit weit unter dem sächsischen Durchschnitt, der allerdings fast ausschließlich von den Ballungszentren Dresden, Leipzig und Chemnitz hochgehalten wird, wo die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen die Gymnasien besuchen. Diese Entwicklung ist der Strategie des Landes geschuldet, die Oberschulen gezielt zu stärken und in diese zu investieren. „Auffällig ist der hohe Anteil an leistungsstarken Oberschülern in Sachsen, die in anderen Ländern eher das Gymnasium besuchen würden“, sagt Kühne. Als Folge daraus sank auch der Anteil an Schulabgängern mit allgemeiner Hochschulreife in den letzten zehn Jahren um 1,3 Prozent.

Erkenntnis 3: Mehr Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss

Jeder zehnte der 1 800 Abgänger hat die Schule letztes Jahr ohne Abschluss verlassen, ein Anstieg von 1,5 Prozent innerhalb von zehn Jahren. Der Wert im Landkreis ist damit nach Chemnitz der zweithöchste in ganz Sachsen. Nach Stefan Kühne würden unter anderem die vielen Förderschulen im Kreis für einen Anstieg der Zahl sorgen. Denn in einigen dieser Einrichtungen ist es für die Lernenden nicht möglich, überhaupt den Hauptschulabschluss zu machen. In diesem Fall gibt es einen eigenen Abschluss, der unter dem Bildungsniveau der Sekundarstufe 1 liegt. Sechs Prozent der Schüler im Landkreis besuchen eine Förderschule, der Landkreis verfügt über eine vergleichsweise dichtes Netz.

Deutschlandweit lässt sich auch ein weiterer Trend beobachten: In Regionen mit viel Migration steigt der Anteil der Abgänger ohne Hauptschulabschluss besonders schnell. „Das liegt daran, dass Kinder von Migranten zunächst in Schulen kommen, dann vielleicht doch beginnen zu arbeiten und dabei statistisch erfasst werden.“, sagt Kühne. Der Bildungsbericht warnt davor, die Schule ohne Abschluss zu verlassen: „Diese Gruppe ist von zunehmenden Übergangsschwierigkeiten in Ausbildung und Arbeitsmarkt bedroht.“, heißt es da. In vielen Fällen würden die Schulabschlüsse zwar nachgeholt, in Sachsen ist die Quote auffällig hoch, dennoch sei die Entwicklung problematisch.

Erkenntnis 4: Vorreiter bei frühkindlicher Bildung

Deutlich positiver als bei der Schulbildung fällt die Beurteilung der Leistung bei der frühkindlichen Bildung aus. Inzwischen werden im Landkreis mehr als die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren betreut, bei älteren Kindern sind es sogar 95 Prozent. Das liegt vor allem an den mehr als 3 000 Kitaplätzen, die in den vergangenen zehn Jahren geschaffen worden sind. Zudem wurden deutlich mehr Pädagogen eingestellt, was der Betreuung zugutekommt. Kamen 2009 im Durchschnitt noch 13 Kinder auf einen Erzieher, sind es inzwischen nur noch zwölf. „Dennoch liegen die Betreuungsschlüssel noch weit von den fachlich empfohlenen Werten entfernt“, schreibt Kühne in seiner Studie. Trotzdem sei ein positiver Trend erkennbar.

Erkenntnis 5: Weiterhin kaum Kinder mit Migrationshintergrund

Von rund 22 700 Schulkindern kommen nur 550 nicht aus Deutschland – das sind 2,5 Prozent. Der überwiegende Teil stammt aus Europa, darüber hinaus kommen 122 Kinder und Jugendliche aus Syrien und 45 aus Afghanistan. Im Bildungsbericht wird auch erwähnt, dass zwar insgesamt mehr Menschen in den Landkreis ziehen, der Anteil an Migranten aber leicht rückläufig ist. Die Gründe dafür sieht der Bericht in der Attraktivität der Großstädte, weshalb der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund im ländlichen Raum voraussichtlich auch in Zukunft kaum ansteigen wird.


Der Bildungsbericht

Im Auftrag des sächsischen Kultusministeriums erstellt das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation alle zwei Jahre einen Bericht für das gerade abgelaufene Schuljahr. Diese nunmehr siebte Studie soll Bund und Ländern als Grundlage für Diskussionen und Entscheidungen dienen. 2019 legten die Autoren besonders viel Wert auf die unterschiedlichen Zusammensetzungen der Schülerschaften und auf die Unterschiede zwischen Leistungsspitze und Bildungsbenachteiligten. Grundlage sind Daten der statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

Den kompletten Bildungsbericht finden Sie hier.

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/pirna und in unseren anderen Online-Ausgaben für Freital, Dippoldiswalde und Sebnitz vorbei.

Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.