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Magie in Strumpfhosen

Der Rammenauer Faschingsclub hat einen eigenen Zauberer. Der sieht gar nicht aus wie ein Magier.

© Steffen Unger

Von Nicole Preuß

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Rammenau. Die Haut ist grün, die Mütze gehörte vermutlich einmal zu einem Wichtelkostüm und die Strumpfhosen erinnern an alles, bloß nicht an einen Zauberer. Hans-Peter Haschke ist trotzdem einer, und zwar ein sehr versierter. Der 62-Jährige ist der Haus-Magier des Rammenauer Faschingsclubs und er versteht es, das Publikum seit fünf Jahren immer wieder mit großen Bühnentricks zu unterhalten.

Das will allerdings gelernt sein.

Der einstige Dresdner hat schon in der achten Klasse mit dem Zaubern begonnen. „Mehr so für mich“, sagt er. Er war fasziniert von dem schönen Schein und der Maschinerie dahinter. Er perfektionierte mit den Jahren seine Kunst, wäre aber nicht auf die Idee gekommen, die Tricks vorzuführen, schon gar nicht auf einer großen Bühne. Karin Haschke änderte das. Die Vorsitzende des Rammenauer Faschingsclubs und seine spätere Frau holte ihn wenige Monate nach ihrem Kennenlernen 2014 zum ersten Mal auf die Karnevalsbühne der Fichtestube.

Mit Feuer im Saal

Hans-Peter Haschke entzündete damals zum Motto Olympische Spiele ein Feuer im Saal. „Wir haben damals richtiges Pyrotechnikmaterial verwendet“, sagt er. Darüber hinaus verrät er aber wenig über die Kunststücke. Zauberer-Codex, das tut man nicht. 2016 gelang ihm ein besonderer Coup. Er zauberte seiner Karin vor dem Publikum immer neue Kleider an den Körper. Das schmucke grüne, das kurze schwarze oder doch das lange Abendkleid. Innerhalb weniger Sekunden war Karin Haschke umgezogen und das Publikum jolte.

Viele Tricks kommen aus dem Zauberbedarf und werden von dem Hobby-Magier an die jeweilige Situation angepasst. Einige Utensilien für die Show baut er auch selbst. Den Schrank, der im vergangenen Jahr zum Einsatz kam, schraubte er zum Beispiel mit Helfern zusammen. Das Möbel sorgte dafür, dass die Lehrerin, die im Schulprogramm des Faschingsclubs in den Schrank gesperrt worden war, auch nach einer Drehung des Möbelstücks trotzdem wieder auf den Füßen landete.

Die Mitwisser dürfen nichts über die Funktionsweise der Tricks verraten. Es kommt aber vor, dass Hans-Peter Haschke nach dem Programmteil vom Publikum ausgefragt wird. Dann schweigt er und schmunzelt dabei vielleicht sogar ein wenig. Das Ehepaar geht auch selbst gern zu Zaubershows, zum Beispiel auf Schloss Schönfeld. Der Hobby-Magier durchschaut dann so manchen Trick. „Aber komplett alles versteht man nicht“, sagt er. Manchmal kommt er durch eine ungelöste Frage allerdings zu einer neuen Idee für das nächste Karnevalsprogramm.

Ein wichtige Kiste

In diesem Jahr wird das neugierige Mädchen, das unbedingt die Geschenke vor Weihnachten sehen wollte, in eine Kiste gesperrt. Hans-Peter Haschke wird zaubern und am Ende mit der Karnevalistin die Plätze getauscht haben. Dann sitzt er im Idealfall im Kasten und die Frau steht darauf. Der Zauberer hat die wichtige Kiste mit viel Unterstützung von Freunden und Bekannten zusammengesetzt. Das erfordert technisches Verständnis, doch das bringt er mit. Hans-Peter Haschke ist im Hauptberuf Ausbilder beim Aufzugsbauer Wittur in Dresden. So hat er seine Frau auch kennengelernt. Die ehemalige Rammenauerin Karin Haschke leitet das Bildungszentrum der Sächsischen Wirtschaft in Bischofswerda.

Das Spielen auf der Bühne war für den Dohnaer anfangs nicht leicht, schließlich ist er ein zurückhaltender Typ, hat vorher auch nicht oft Fasching gefeiert. „Man gewöhnt sich aber an das Spielen auf der Bühne“, sagt er. Und er ist damit nicht allein. Karnevalschefin Karin Haschke achtet darauf, dass alle 50 Mitglieder des Faschingsclubs auch eine Rolle im Programm bekommen. Die Mühe lohnt sich. Der Weiberfasching ist komplett ausverkauft. Wenige Restkarten gibt es noch für den 3., 9. und 10. Februar. Das Motto blickt dieses Mal rückwärts: „Wenn das 11. Lichtlein brennt, hat Rammenau Weihnachten verpennt“. Hans-Peter Haschke gibt in diesem Jahr passend dazu den weihnachtshassenden Grinch. Ein Zauberer muss flexibel sein. Frack, Zylinder und Kaninchen? Vielleicht nächstes Jahr.