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Mahlen und sägen wie der Urgroßvater

Die Bähr-Mühle Bad Gottleuba ist funktionstüchtig wie vor hundert Jahren. Dank einer begeisterten Familie.

© Norbert Millauer

Von Heike Sabel

Diesmal ist es nicht die Mühle, die klappert. Es sind die Gerüstteile, die abgebaut werden. Die Fassade und das Dach der Bähr-Mühle sind saniert. Das sollen die Besucher am Sonntag und Montag sehen. Martin Mäke hat extra Urlaub genommen. Auch seine Eltern sind jeden Tag nach der Arbeit vor Ort. Die Bähr-Mühle im Gottleubatal ist Familiensache, Familienhobby, Familienerbe.

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Während Sohn Martin mit Vater Klaus und Bruder Christoph die Plane für das Festzelt aufziehen, macht Mutter Nora Mäke, was sie oft macht: Sie zeigt die Mühle. Die ist mit den alten Maschinen voll funktionstüchtig. An der Technologie hat sich nicht viel geändert. Wohl aber an der Technik. Reizvoll ist das Müllerhandwerk für die Mäkes wie vor hundert Jahren. Weil man damit aber kein Geld verdienen kann, ist die Mühle Hobby. Das Geld dafür verdient Klaus Mäke bei Eloma in Berggießhübel, Nora Mäke im Sachsenforst und Martin Mäke bei Habema. Er wollte Müller werden seit er elf, zwölf Jahre alt war. Heute hängt sein Meisterbrief im Contor.

Technikbegeisterte kommen in der Bähr-Mühle auf ihre Kosten. Gekreuzte Riemen, Kettengestänge, Sackklopfmaschine, Grießputzmaschine – und der Fahrstuhl, alles wird in Gang gesetzt. Der Fahrstuhl hat eine Tragkraft von 150 Kilogramm – „einschließlich Führer“, steht auf dem Schild. „Wenn es hier auf den Böden leiert und wackelt, sind die Leute begeistert“, sagt Nora Mäke und ist es selbst auch immer noch. Sie ist die Urenkelin von Max Bähr, dem Namensgeber der Mühle, der 1895 in die Familie eingeheiratet und den Mühlenbetrieb übernommen hatte. 2004 übernahm Nora Mäke die Mühle.

In der mittleren Etage ist ein Raum als Museum eingerichtet, mit alten Mühlen- und sonstigen Sachen. Auf einem Tisch stehen Sammeltassen, auf einem anderen DDR-Produkte, von Fliegen-Ex über Rührgeräte bis zu Brandteigpulver, in einem geöffneten Schrank liegen alte Leinentücher. Wenn Nora Mäke ihre Besucher hierher führt, hört sie viel „gucke mal und „weeste noch“. Der jüngste Eintrag im Gästebuch vom 29. Mai ist von einem Engländer. „Der war auch von unserer Sägemaschine ganz begeistert.“ In der Bähr-Mühle wird nämlich auch gesägt. Es riecht nach frischem Holz. Geschnitten für „kleine Balken von neun Metern“ unterm Dach.

Für Stuten und Hengste

Der Müllerbrunnen am Haus unterm Baum vereint alle Tiere, die es auf dem Hof mal gab. Kuh, Pferd, Hahn, Schwalben – ein Schwein fehlt. Dafür steht auf dem Sack, den der Müller auf den Schultern trägt, „steuerfrei“.

Am Eingang zum Hof wachen oben an den Hausecken zwei Bären. Der eine hält einen Zunft-, der andere einen Mühlstein. In dem Gebäude rechts befand sich oben der Getreidespeicher, in der Mitte wohnte der Besitzer, unten war der Pferdestall. Dort, wo jetzt die Toiletten für die Besucher sind – für Hengste und Stuten.

Es sind die Details, die jede Mühle unverwechselbar und zu etwas Besonderem machen. Dieser Reiz ist es, der allen Mühlen zum jährlichen Mühlentag viele Besucher beschert. Die Mäkes rechnen am Sonntag und Montag mit jeweils um die 1 000 Besuchern. Die Handballer und Kegler helfen, auch beim Kuchenbacken.

Die Familie der Bähr-Mühle ist größer als die Mäke-Familie. Till, der kleine Sohn eines Freundes und Helfers, gehört auch dazu. Er träumt von einer Seilbahn von einem Haus zum anderen …