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Mahnende Worte 

Im King-Haus wurde mit einer Veranstaltung der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

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Schüler des Johanneums sangen während der Gedenkveranstaltung, begleitet wurden sie von ihrem Musiklehrer Matthias Höll.
Schüler des Johanneums sangen während der Gedenkveranstaltung, begleitet wurden sie von ihrem Musiklehrer Matthias Höll. © Foto: Katrin Demczenko

Von Katrin Demczenko

Hoyerswerda. Zehntklässler der Christlichen Schule Johanneum sangen „Imagine“ (Stell Dir vor) von John Lennon während der gestrigen Veranstaltung zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus im Martin-Luther-King-Haus. Im Lied heißt es, alle Menschen sollen dieselbe Chance haben und dass es keine Gründe mehr geben möge, für die sich das Töten lohnt. Dieses Miteinander auf der Welt ist noch heute nur eine Vision und besonders die Nationalsozialisten handelten dieser von 1933 bis 1945 zuwider.

Ihr Massenvernichtungslager Auschwitz/Birkenau wurde am 27. Januar 1945 von der Roten Armee befreit. Sie hat 5.800 schwerkranke Häftlinge, Millionen Kleidungstücke und mehrere Tonnen Menschenhaar vorgefunden. 1,1 Millionen Deportierte, davon 960.000 Juden, wurden allein in diesem KZ fabrikmäßig in je vier Gaskammern und Krematorien ermordet, sagte Silvio Lang, erster Sprecher der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten Sachsen. Heute, 75 Jahre oder ein Menschenleben später, wird der Holocaust allzu oft vergessen oder gar geleugnet. „Wir alle sind angesichts der stetigen Verschiebung des Sagbaren nach Rechts nachlässig geworden“, formulierte Silvio Lang. Immer wieder muss deshalb jeder Mensch überall daran erinnern, dass der Holocaust real war und nicht von den Siegermächten des Zweiten Weltkrieges erfunden worden ist.

Noch können Neunt- und Zehntklässler aus Hoyerswerda von ehemaligen Häftlingen direkt erfahren, wie grausam das Leben im KZ war. Schüler des Lessing-Gymnasiums zeigten während der Gedenkveranstaltung ein selbst geführtes Interview mit der Kommunistin Elisabeth (Lisl) Jäger aus Wien. Sie wurde 1941 mit 16 Jahren wegen Hochverrat zu drei Jahren Gefängnis verurteilt und war danach bis 1945 im Frauen-KZ Ravensbrück eingesperrt. Nur solche Tondokumenten und der Besuch von Gedenkstätten können künftigen Generationen helfen, sich ein ehrliches Bild von der Zeit des Nationalsozialismus zu machen, sagte Silvio Lang. Das deutschlandweit einzigartige Projekt „Wider das Vergessen“ lobte er und forderte, dass es im ganzen Land Initiativen mit solchen Inhalten geben müsse. Das trägt dazu bei, dass sich Verbrechen wie in Auschwitz nie wiederholen.