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Mahnung für Raser

Die Tzschirnerstraße ist 30er-Zone, doch längst nicht jeder hält sich daran. Dagegen wird jetzt etwas unternommen.

© Uwe Soeder

Von Franziska Springer

Bautzen. Der Selbstversuch zeigt: Im Stoßverkehr kann es trotz Verkehrsinsel durchaus zum Abenteuer werden, die Tzschirnerstraße aus der Seminarstraße kommend zu queren, um die Montessori-Grundschule auf der anderen Straßenseite zu erreichen. Zu dicht ist der Verkehr, der sich täglich durch die wichtige Trasse schiebt. Und zu oft sind die Autofahrer trotz 30er-Zone viel zu schnell unterwegs.

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Besonders schlimm sei das Verkehrsaufkommen geworden, seit im Frühjahr 2016 die Bagger anrückten, um die Bahnbrücke an der Zeppelinstraße neu zu bauen, berichtet Sabine Marschner, deren zwei Kinder die Montessori-Grundschule besuchen. Seither dient die Tzschirnerstraße als Umleitungsstrecke. „Schon wir Erwachsenen können kaum ohne Angst über die Straße gehen, für die Kinder ist das noch schwerer“, pflichtet Katja Baumann bei und hat beobachtet: „Wenn die Kinder nach Schulschluss in die Musikschule gehen, gibt es immer einen Elternteil, der die Gruppe sammelt und dann gemeinsam mit ihr die Straße überquert.“ Eine befriedigende Lösung ist das nicht. Die braucht es aber, denn die Bauarbeiten an der Zeppelinstraße sollen erst im Herbst nächsten Jahres beendet sein. Also beschloss der Elternbeirat des Katholischen Kinderhauses vor zwei Jahren, selbst aktiv zu werden. Ihre Idee: Mit einem Geschwindigkeitsdisplay sollen Raser dazu animiert werden, künftig langsamer zu fahren. „Die psychologische Wirkung solcher Maßnahmen ist belegt“, weiß Katja Baumann und ist guter Dinge, dass sich der gewünschte „Fuß vom Gas“-Effekt tatsächlich einstellt.

Die einzigen im Stadtgebiet

7 000 Euro kosten die beiden Displays, die die Geschwindigkeit vorbeifahrender Autos anzeigen. Betrieben werden sie mit Solarenergie. Und: Sie sind einzigartig im Stadtgebiet. Ein weiterer Standort solcher Geschwindigkeitsanzeigen sei ihm in Bautzen nicht bekannt, teilt Stadtsprecher André Wucht mit. Um das Geld zusammenzutragen, packten alle mit an, schwärmt Baumann: „Gemeinsam mit den Kindern haben wir gebastelt und die selbst hergestellten Kleinigkeiten verkauft.“ Durch die Spenden weiterer Unterstützer konnten die Anzeigen schließlich gekauft werden. Seit Anfang Mai hängen sie, eine in jede Richtung, und verzeichnen erste Erfolge: „Ein Bekannter rief an und sagte: ‚Das Ding funktioniert ja echt!‘“, lacht die 46-Jährige. – Die Wirkung der Maßnahme scheint belegt, doch bei der Installation einer solchen Anzeige muss einiges beachtet werden: „Wenn sie im öffentlichen Straßenraum angebracht werden soll, benötigt man eine Sondernutzungserlaubnis“, erklärt André Wucht. „Auf privaten Grundstücken braucht man an sich keine Genehmigung. Es dürfen aber keine Verkehrszeichen abgebildet sein.“ Die Elterninitiative vom Katholischen Kinderhaus bekam die Erlaubnis zur Sondernutzung prompt: „Die Zusammenarbeit mit der Stadt hat wunderbar geklappt“, freut sich Katja Baumann. „Bei einer Begehung vor Ort konnten wir außerdem darauf hinweisen, dass das Schild auf der Verkehrsinsel viel zu hoch war. Die Kinder konnten darüber hinweg den Verkehr nicht sehen.“ Glücklicherweise sei auch dieser Missstand nun behoben.

Auch Elternbeirat will Dialog

Solcherart Dialog mit den Bürgern schätzt auch die Stadtverwaltung: „Letztlich sind alle verkehrsberuhigenden Maßnahmen zwischen Neusalzaer Straße und dem Rathenauplatz ein Stück weit auf das Engagement Betroffener zurückzuführen“, sagt André Wucht. Vorschläge müssten dann aber stets mit Polizei und Kreisverkehrswacht geprüft werden. „Leider ist das Ergebnis nicht immer im Sinne der Antragsteller, was allerdings weniger an der Verwaltung, als an der Rechtssprechung liegt.“

Einen Dialog über die Verkehrssituation wünscht sich auch der Elternbeirat der Montessori-Grundschule. Ihn beschäftigt die gestiegene Schadstoffbelastung auf der Straße: „Die wahrgenommene Luftverschmutzung ist ja immer subjektiv“, ist sich Sabine Marschner bewusst. Aber inzwischen gebe es Eltern, die ihren Kindern empfehlen, besser hinter der Schule zu spielen. Mit den Ergebnissen zweier Schadstoffmessungen wollen sie sich in einer Petition an den Stadtrat wenden. Ihr Anliegen: Durch geeignete Maßnahmen soll die Feinstaubbelastung verringert werden: „Müssen Lkws unbedingt hier die Umleitung passieren?“, fragt Marschner etwa.

Für Wucht ist das Problem ein temporäres: „Uns ist klar, dass die Situation gerade im Bereich der Schule und der Kindergärten nicht befriedigend ist“, gibt er zu. „Wir gehen aber davon aus, dass sich nach Abschluss der Bauarbeiten wieder die vor der Umleitungssituation bestehende Verkehrsmenge einstellt.“ 7 500 Fahrzeuge passierten damals täglich die Tzschirnerstraße.