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Mal eine etwas andere Kirmes

Die Mitgliedergruppe der Urania veranstaltet nach 2011 wieder ihr Kirmesfest. Nicht fehlen darf ein besonderer Kuchen.

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Von Hans-Werner Gebauer

Wer Kirmes hört, denkt vielleicht an Jahrmarktbuden. Auch das gehörte dazu. Vor hundert Jahren wurde sie groß gefeiert. Damals wurden am Sonntag und Montag allein 2632 Fahrkarten von und nach Langebrück verkauft. Viel war 1912 im Ort los. Mittlerweile ist das Kirmesfest so gut wie in Vergessenheit geraten. Nicht so in Langebrück. Hier hat die Mitgliedergruppe der Urania mal wieder ein etwas anderes organisiert.

Gleich zweimal kamen die Besucher in den Kirmesgenuss. Bei der Kaffee-Kirmes und am Abend bei Frivolem, Amüsantem, Seltenem und Skurrilem – kurz FASS. Letztere ist eine beliebte Reihe, die Regionalhistoriker Hans-Werner Gebauer ins Leben rief. Gemeinsam mit den Dresdnern Gernot und Tiago gestaltete er beide Veranstaltungen. Dabei spielte Tiago portugiesische Klänge, die im Langebrücker Bürgerhaus eher selten zu hören sind. Neben den musikalischen Klängen konnten sich die Besucher auf historische Begebenheiten, Gedichte, Aphorismen und über in früherer Zeit verfasste Aufsätze freuen. Besonders ein Gedicht sorgte beim Referent und den Zuhörern für Lacher: „Tapezieren ist schwer!“ aus dem Jahre 1912.

Und es wurde an dem Tag viel gelacht. Bildhaft konnte sich das Publikum die Scharade vom Schneider Fleck, der ob seines unvollkommenen Lehrlings Sepp schließlich die eigene Frau mit dem Bügeleisen traf, ausmalen. Oder wie die Küche aussieht, wenn die Ehefrau nicht zu Hause ist. Dabei verwies Hans-Werner Gebauer in seinen historischen Ausführungen auf den Umstand, dass solche und ähnliche Gedichte, selbst gespielte Sketche, damals die Kirmes begleiteten. Sie zu einem Ereignis machten, zu dem auch die Bürger aus den umliegenden Gemeinden, wie Grünberg, Seifersdorf und Schönborn, kamen. „So dürften durchaus über 4000 Leute Langebrück zur Kirmes 1912 bevölkert haben“, so der Referent. Dabei war die Kirmes die umsatzstärkste Jahresveranstaltung. Markenzeichen neben dem Kulturangebot war der selbst gebackene Kirmeskuchen zum nachmittäglichen Kaffeetrinken. Hieran knüpften Langebrücks Urania-Kirmes-Enthusiasten an. Zur Kaffee-Kirmes gab es einen Kirmeskuchen der Langebrücker Bäckerei Mueller. Der Reinerlös aus dem Kuchenverkauf wird dem örtlichen Schulhort für die Tagesbetreuung gespendet.