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Mal so richtig abhängen

Ein Zirkus hat an der Elbe aufgebaut. Sämtliche Artisten kommen aus Meißen.

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© hübschmann

Von Peter Anderson

Henryk Hambsch kennt keine Angst. Oder zeigt er sie nur nicht? Wieder wirbelt ein Messer auf den Leiter der Meißner Afra-Grundschule zu und bohrt sich knapp neben seiner Hand ins Holz. Hambsch steht an einem großen Brett in der Manege. 300 Augenpaare sind an diesem Vormittag auf ihn gerichtet. Die Messerwerfer-Nummer ist ein kleines Dankeschön des Ostdeutschen Projektzirkus André Sperlich für den Schulleiter. „Wir freuen uns sehr, nach fünf Jahren wieder in Meißen sein zu dürfen“, sagt Marko Sperlich. Er ist der Chef des seit dem Wochenende auf dem Festplatz gastierenden Unternehmens. Zusammen mit seinen beiden Brüdern schickt er alljährlich drei Zelte für Unterrichtsprojekte durch Deutschland. Anfragen kommen selbst aus Tschechien oder der Schweiz. Aber Sperlich will nicht so weit reisen.

Der erste Tag nach dem Zeltaufbau in Meißen beginnt mit Ausschnitten aus dem späteren Programm. Dunkel wird’s in der Manege. Eine Flamme züngelt empor. Steven schluckt Feuer, spuckt Feuer und lässt – ohne mit der Wimper zu zucken – Flammen um seine Arme spielen. Mucksmäuschenstill ist es auf den Rängen. Die rund 280 Kinder der Afra-Grundschule vergessen in diesem Moment sogar, mit ihren Freunden über die Abenteuer in den Februarferien zu tratschen. „Ob wir das auch machen dürfen?“, fragt sich mancher Junge im Stillen. „Oder vielleicht sogar die Messerwerfer-Nummer?“

Ein Zirkusmarsch ertönt. Steven räumt das Feld für Vivian. Als gäbe es keine Schwerelosigkeit, ringelt sie sich um die Trapezstange. „Ob ich dann auch so ein fesches grünes Kostüm tragen darf?“, fragt sich manches Mädchen im Stillen. „Oder ist die Dressurnummer mit den niedlichen Pferden doch besser?“

Die Zirkusleute setzen dem Rätselraten ein Ende. In zwei großen Gruppen von jeweils 140 Schülern werden die Erst- bis Viertklässler in den nächsten Stunden mit den Proben zu insgesamt elf Nummern beginnen. Lauter Jubel braust in den Ecken des Zeltes auf, wo Gruppen direkt im Zirkus üben dürfen. Die anderen müssen sich für heute auf Klassenräume und die Turnhalle verteilen. In den nächsten Tagen wird gewechselt. „Wir möchten den Kindern mit dem Zirkusprojekt ein Erfolgserlebnis vermitteln“, sagt Schulleiter Hambsch. Der Einzelne soll sich an seiner Leistung erfreuen und gleichzeitig merken, wie wichtig die Arbeit im Team ist. Am Donnerstag und Freitag, jeweils um 17 Uhr, sowie am Sonnabend, um 10 Uhr und 14 Uhr, können Eltern, Verwandte und Freunde die Künste der Afra-Kinder im Zirkus bestaunen. Die Eintrittskarten für die Eltern sind frei. Zusätzliche Gäste erhalten ihre Tickets eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn direkt am Zirkuszelt.

www.projektcircus.de