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Corona: Malen für einsame Senioren

Jacqueline Walsdorf aus Zittau will mit selbst gemalten Bildern und netten Briefen ältere Menschen in der schweren Zeit erfreuen. Sie hofft auf viele Unterstützer.

Von Jan Lange
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Die Geste zählt: Statt großer Präsente kann man einsame Senioren auch mit selbstgemalten Bildern erfreuen.
Die Geste zählt: Statt großer Präsente kann man einsame Senioren auch mit selbstgemalten Bildern erfreuen. ©  Rafael Sampedro

Besuche in Altenheimen sind aufgrund der Corona-Pandemie derzeit verboten. Für viele Senioren ist das eine große Belastung. Jacqueline Walsdorf erlebt das tagtäglich bei ihrer Arbeit. Seit 2009 ist sie beim Deutschen Roten Kreuz tätig, arbeitet als Pflegefachkraft in der Tagespflege.

"Man merkt schon, dass das Besuchsverbot den älteren Menschen zusetzt", sagt sie. Deshalb machte sich die 40-Jährige Gedanken, wie man den Senioren in dieser Zeit etwas Gutes tun kann, um ihre Einsamkeit "einzudämmen". "Lasst uns mit unseren Kindern Bilder malen, etwas basteln, ein paar liebe Zeilen schreiben und diese an die Altenheime schicken", so ihr Vorschlag.

Es müssen nicht immer große Präsente sein, meint sie. Auch mit Kleinigkeiten könne man die Senioren erfreuen. Und erzählt beispielhaft von Seniorin Helga. Jacqueline Walsdorfs Sohn hatte ihr ein Bild gemalt und "für meine Helga" darauf geschrieben. Die ältere Dame war von dem Bild und den Worten so gerührt, dass sie sogar Tränen in den Augen hatte. Das Bild habe sie nun auf ihrer Schrankwand stehen. Man müsse nicht viel Geld ausgeben, um die Senioren glücklich zu machen, findet die Pflegefachkraft. Es sei die Geste, die zähle.

Sie selbst erlebt es immer wieder, wie groß die Freude ihrer Eltern ist, wenn die Enkel ihnen etwas basteln. Die Großeltern wissen, dass es von Herzen kommt.

Auch Freunde aktiviert

Jacqueline Walsdorf hat bereits Freunde, von denen einige momentan auch zu Hause sind, aktiviert, dass sie bei der Aktion mitmachen. Sie will auch noch bei der Lebenshilfe um Unterstützung werben, da ihre eigene Tochter auch behindert ist. Freuen würde sie sich auch, wenn sich Kitas beteiligen. Es wäre doch eine schöne Aufgabe für die derzeitige Notbetreuung.

Die Idee sei anfangs nicht nur auf Zustimmung gestoßen, berichtet die Pflegefachkraft. Einige hätten Bedenken gehabt, dass sich der Virus auf dem Papier absetzt und dann ins Heim eingeschleppt wird. Laut Medizinexperten bestehe diese Gefahr aber nicht. Denn auch sonst werden ja Briefe, Zeitungen und Pakete weiterhin verteilt.

Wunsch nach mehr Menschlichkeit

Wer ebenfalls mit einer schönen Zeichnung oder ein paar netten Zeilen Senioren überraschen will, kann sich gern über Facebook bei Jacqueline Walsdorf melden, damit die "Werke" an Heime und Senioreneinrichtungen verteilt werden. "Natürlich kann auch jeder selbst die Bilder und Briefe an das nächste Heim um die Ecke schicken", sagt die 40-Jährige. Auch wenn dort keine Besucher empfangen werden dürfen, könne man die "Werke" mit dem Hinweis "für die Bewohner" in den Briefkasten stecken.

Die Bilder und Briefe können den persönlichen Besuch natürlich nicht ersetzen. Aber sie seien zumindest eine kleine Hilfe, steht für Jacqueline Walsdorf fest. Sie hofft, dass die Gesellschaft durch die aktuelle Krise wieder näher zusammenrückt. Und dass es wieder mehr Menschlichkeit gibt. Ein Bild oder ein paar nette Zeilen für einen älteren Menschen kann dabei ein erster Schritt sein.

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