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"Was passiert ist, war nicht richtig"

Die Spendenwerber für die Malteser stehen seit dem Fall eines 87-jährigen Ebersbachers in der Kritik. Jan Kliemann von den Maltesern über Konsequenzen.

Friedbert und Hans (links) Scholz aus Ebersbach.
Friedbert und Hans (links) Scholz aus Ebersbach. © Matthias Weber/photoweber.de

Als Anfang November zwei Werber für den Malteser-Hilfsdienst vor der Tür von Hans Scholz in Ebersbach stehen, ahnen sie noch nicht, dass dieser Besuch hohe Wellen schlagen wird. Zunächst lässt sich alles gut an: Zwei Verträge über Fördermitgliedschaften von je 120 Euro im Jahr lassen sie sich vom 87-Jährigen auf dem mitgebrachten Tablett unterschreiben. Einen für sich, einen im Namen des Sohnes, der davon aber gar nichts weiß. Und der Senior fühlte sich von den beiden Werbern vor allem eines - überrumpelt.

Das Echo, dass die Berichterstattung der SZ und Reaktionen im Internet zeitigte, war auch bei den Maltesern deutlich zu spüren. Der stellvertretende Diözesangeschäftsführer des Malteser-Hilfsdienstes in Dresden, Jan Kliemann, erklärt nun im Interview, wer für die Malteser wirbt, was man gegen schwarze Schafe tut und wie der Ebersbacher Fall ausgegangen ist.

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Herr Kliemann, haben Sie klären können, was in Ebersbach bei Scholz vorgefallen ist?

Kliemann: Ja, wir haben mit dem Kollegen, der dort war, gesprochen, sein Verhalten ausgewertet und sehr deutlich sanktioniert. Was da passiert ist, war nicht richtig und nicht in unserem Sinne. Ich habe Herrn Scholz das bei einem Besuch auch persönlich gesagt und mich entschuldigt. Er hat die Entschuldigung angenommen.

Jan Kliemann ist der stellvertretende Diözesan-Geschäftsführer des Malteser e.V. in Dresden.
Jan Kliemann ist der stellvertretende Diözesan-Geschäftsführer des Malteser e.V. in Dresden. © Malteser

Was sind das für Leute, die für die Malteser unterwegs sind - sind die bei Ihnen angestellt?

Kliemann: Wir bedienen uns für die Mitgliedergewinnung einiger Unternehmen, die darauf spezialisiert sind. Das ist bei Hilfsorganisationen und bei vielen gemeinnützigen Verbänden im Sozial- und Umweltbereich durchaus üblich. Wir konzentrierten uns auf unsere soziale Arbeit in gemeinnützigen Diensten und Projekten, bei der Gewinnung von Spendern sind wir aber auf Hilfe angewiesen. Die beauftragten Firmen sind meist überregional aktiv, wir arbeiten hier mit einem Unternehmen zusammen, das seinen Sitz in Südbrandenburg hat.

Das heißt, Sie schulen die Werber nicht selbst?

Kliemann: Die grundlegende Ausbildung der Mitarbeiter findet in den Unternehmen, deren Dienste wir nutzen, statt. Aber natürlich geben wir den sogenannten Dialogern vor einem Einsatz konkrete Informationen an die Hand, beispielsweise, wo wir hier vor Ort präsent sind, was wir machen, für welche Projekte wir Spenden brauchen. Klar ist auch, dass wir auf einen Verhaltenskodex zur Mitgliedergewinnung Wert legen, den auch die Werber einhalten müssen.

Haben Sie Einfluss darauf, wenn etwas nicht nach Ihren Vorstellungen läuft?

Kliemann: Natürlich! Und ist es sehr wichtig, dass die Mitgliedergewinnung in unserem Sinne verläuft. Regelmäßig sind wir dazu mit dem beauftragten Unternehmen im Gespräch, werten die Einsätze aus und prüfen Vorfälle. Sollte ein gravierendes Fehlverhalten auftreten, sanktionieren wir dieses mit Abmahnungen und können bei Wiederholung auch den weiteren Einsatz für die Malteser verbieten.

Wie viele Menschen sind im Kreis unterwegs - und werden die nach Abschlüssen bezahlt?

Kliemann: In unserem Einzugsbereich in Sachsen bis nach Brandenburg und Ostthüringen sind es in der Regel zehn beauftragte Mitgliederwerber, die für uns regelmäßig unterwegs sind. Es handelt sich eher um junge Menschen - die Personalauswahl und Verantwortung liegt bei dem Unternehmen, das wir beauftragen. Dort wird auch die Bezahlung geregelt, ich kann dazu keine Aussagen machen. Ich weiß aber, dass die Mitarbeiter dieser Firma in der Regel Vollzeit arbeiten und mit dem Gehalt ihren Lebensunterhalt bestreiten.

Ihre Werber sind bis Ende des Jahres im Landkreis unterwegs, richtig?

Kliemann: Nein, wir haben abgebrochen. Auch als Folge Ihrer Berichterstattung nach dem von uns verursachten Fehlverhalten haben die Kollegen verstärkt Misstrauen und keine Offenheit für unsere Anliegen gespürt. Da ist es auch nicht sinnvoll, weiter an Haustüren zu klingeln. Wir wollen mit der Marke Malteser Vertrauen schaffen und brauchen die Bereitschaft zur Unterstützung - und das ist im Moment nicht möglich. Natürlich wissen wir, dass sich nicht jeder freut, wenn ein Mitgliederwerber vor der Tür steht. Aber die Skepsis und die Unsicherheit, die vor allem im ostsächsischen, aber auch generell im ländlichen Raum schon länger beobachten, ist generell stärker als in Großstädten. Das liegt ganz sicher an Erfahrungen, welche die Menschen vor Ort gemacht haben. Dennoch treffen wir überall in Sachsen viele Menschen, die bereit sind, unsere Arbeit mit einer regelmäßigen Spende zu unterstützen. Dafür sind wir sehr dankbar und freuen uns sehr über das entgegengebrachte Vertrauen.

Warum halten Sie bei so viel Skepsis an der Haustür-Werbung fest?

Kliemann: Wir nutzen natürlich auch andere Möglichkeiten, machen Mailings und schalten Anzeigen. Aber wir haben realistisch festgestellt, dass der direkte Kontakt und das persönliche Gespräch die zielführendsten Instrumente sind, um regelmäßige Spenden und Fördermitgliedschaften einzuwerben. Und ganz praktisch erschwert zum Beispiel der aktuelle Datenschutz den Versand von Spendenbriefen.

Was wären die Malteser ohne diese Spenden?

Kliemann: Ganz konkret könnten wir dann nicht mehr die Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen durch unsere Hospizdienste aufrechterhalten. Spenden sind das Fundament unserer Arbeit. Natürlich bekommen wir auch öffentliche Gelder und Zuschüsse, aber wir sind eine spendenfinanzierte Hilfsorganisation und erzielen fast die Hälfte unserer Einnahmen über Spendengelder. Dabei sind uns natürlich auch Einzelspenden lieb - aber besser planen können wir mit Dauerspenden wie eben den Fördermitgliedschaften.

Werden Sie nach dem Vorfall in Ebersbach etwas ändern?

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Kliemann: Wir haben den Vorfall mit dem beauftragten Unternehmen und dem Mitgliederwerber sehr klar besprochen und gehen davon aus, dass sich dieses Verhalten nicht mehr wiederholt. Verbessern können wir bestimmt noch die Information und Ankündigung in der Öffentlichkeit und wollen uns künftig verstärkt bei Rathäusern, Gemeinden und Polizei anmelden. Bei Unsicherheiten, Nachfragen oder Beschwerden sollte sich jede und jeder gern direkt an uns wenden, damit wir reagieren können. Vielleicht sollten wir zudem versuchen, neue Orte für unsere Werbung zu finden und beispielsweise Vereine besuchen, um unser Anliegen dort vorzutragen.

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