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Malwagen für Migrantenkinder

In einer Micktener Kita sind 14 verschiedene Sprachen zu hören. Bei einem neuen Projekt sind aber keine Worte nötig.

© Anja Schneider

Von Sarah Grundmann

Emsig schleifen Helena, Gabriel und Joao an dem neuen Malwagen. Sie wissen auch wofür. Denn wenn die Einzelstücke aus Holz fertig sind, können die Kleinen in ihrer Kita „Lommi Kids 85“ jederzeit malen. Die Erzieher der Einrichtung in der Lommatzscher Straße 85 müssen dann nicht mehr gefragt werden. Das ist für manche der Kinder besonders wichtig. Denn etwa 30 Prozent der Kleinen kommen aus Familien mit Migrationshintergrund.

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„Zurzeit werden bei uns 14 verschiedene Sprachen gesprochen“, sagt Kita-Leiterin Andrea Beger. „Das ist eindeutig ein Gewinn für das soziale Miteinander und die kulturelle Vielfalt. Aber auch eine Herausforderung.“ Denn gerade in dem ersten Jahr fällt die Verständigung oft schwer. „Da fühlen unsere Erzieher dann immer sehr mit“, so Beger. Darum hat das Team nach einem Projekt gesucht, das auch ohne viele Worte funktioniert. Wichtig war ihnen außerdem, dass die Kinder dabei richtig mitmachen können. Denn bei den „Lommi Kids 85“ werden die Kleinen nach der sogenannten Freinet-Pädagogik erzogen. „Deren Motto ist, den Kindern das Wort zu geben“, erklärt die Leiterin.

Schnell war da die Idee geboren, Malwagen zu basteln. Dafür hat die Einrichtung 600 Euro Fördergeld vom Stadtteilzentrum Emmers in der Bürgerstraße bekommen. „Auch Malen ist eine Form von Ausdruck“, sagt Beger. Und der funktioniert ganz ohne Worte. Insgesamt werden sechs rollbare Möbel gebaut. Die großen Teile setzt der Hausmeister zusammen, die Krippenkinder schleifen sie dann mit dem Schleifpapier ab. Die Kindergartenkinder dürfen sogar schon zur großen Schleifmaschine greifen und schrauben die Räder an.

Helena, Gabriel und Joao hatten beim Zusammenbau des ersten Wagens sichtlich Spaß. Und sie haben auch gezeigt: Worte sind nicht nötig, um zusammenzuarbeiten. Dabei ist die Verständigung bei den dreien mittlerweile kein Problem mehr. Zwar kommen Gabriels Eltern aus Portugal und Joaos Wurzeln liegen in Gambia und Angola. Beide wurden aber in Deutschland geboren und sprechen gutes Deutsch. Das war allerdings nicht immer so. Gerade Joao hatte am Anfang Probleme, redete deshalb kaum ein Wort. Nach etwa einem Jahr hat sich das aber gelegt. „Solche Erfolge sind schön mit anzusehen“, sagt Beger.