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„Man braucht mehr Vertrauen als Mut“

Volkmar Elfert bildet seit 26 Jahren Taucher aus. Ab Steg gilt: Was er sagt, wird gemacht, wie er im Interview erklärt.

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© Matthias Weber

Herr Elfert, muss man eigentlich mutig sein, um zu tauchen?

Nicht unbedingt. Man muss seinen inneren Schweinehund überwinden. Viel wichtiger aber ist es, Vertrauen mitzubringen. Die Leute haben heute ein sehr großes Sicherheitsbewusstsein. Manchen fällt es dann schwer, loszulassen und sich unter Wasser anleiten zu lassen. Sie haben es ja selber erlebt. In dem Moment, in dem ich mit einem Tauchschüler den Steg betrete, gilt: Ab jetzt wird gemacht, was ich sage. Für manche ist es schwer, dieses Vertrauen aufzubringen.

Was sind die häufigsten Befürchtungen oder Ängste, wenn jemand zum ersten Mal tauchen geht?

Angst ist das falsche Wort. Die meisten machen es ja, um Grenzen auszutesten. Aber es gibt zwei erste Fragen, die die Kunden mir oft stellen. Die, die eher vorsichtig sind, fragen: Wie tief ist das Wasser? Die anderen fragen: Was gibt es da unten denn alles so zu sehen?

Was muss man zum Schnuppertauchen außer Vertrauen noch mitbringen?

Eigentlich nur einen Badeanzug oder eine Badehose und ein Badetuch. Und Wissen.

Sie meinen die physikalischen und medizinischen Grundregeln?

Genau. Es geht nie sofort ins Wasser, auch beim Schnuppertauchen nicht. Wie mache ich einen Druckausgleich, was sind die wichtigsten Handzeichen, welche physikalischen Grundgesetze muss ich beachten? Das muss man vorher wissen. Für die, die einen Tauchschein machen, gibt es bei mir sogar mehr Theoriestunden als praktische Tauchgänge.

Kann denn jeder tauchen oder gibt es Ausschlusskriterien?

Es gibt ganz klare Regeln: Menschen mit starkem Übergewicht, Epileptiker, Diabetiker, Menschen mit Blutdruck- und Kreislaufbeschwerden und Schwangere dürfen nicht tauchen. Manche Tauchschulen lassen auch Menschen mit psychischen Störungen nicht zu. Ich sehe das anders. Nach meiner Erfahrung kann Tauchen für Menschen mit psychischen Problemen in Begleitung sehr entspannend sein. Und wer einen Taucherschein machen will, muss ohnehin ein ärztliches Attest vorlegen.

Im Garten Ihrer Tauchschule steht ein großes Planschbecken. Lernen dort die Kinder tauchen?

Ja, sie bekommen eine ähnliche Ausrüstung wie Erwachsene und üben erst mal im flachen Wasser. Alles, was sie dort sehen, sind höchstens die Füße der anderen Kinder. Das wird schnell langweilig. Nach meiner Erfahrung sind die meisten Kinder sehr neugierig. Sie wollen dann schnell in den Steinbruch.

Ab wann kann man wirklich tauchen?

Meine Meinung: ab 50 Tauchgängen.

Wie viele haben Sie?

4600 sind es jetzt.

Das Gespräch führte Susanne Sodan.