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Man darf ja noch träumen

Der Tourismus in Sachsen liegt am Boden. Und doch gibt es Ideen, die Hoffnung machen, sagt Tourismuschefin Veronika Hiebl im Interview.

enn man da keine Sehnsucht bekommt: Mit diesem Motiv wirbt Sachsen um Gäste – nach Corona.
enn man da keine Sehnsucht bekommt: Mit diesem Motiv wirbt Sachsen um Gäste – nach Corona. © TMGS/Wolfgang Schmidt

Urlaub in der Ferne? Undenkbar. Ferien in Deutschland? Vielleicht schon bald wieder möglich. Das hofft auch Veronika Hiebl, Geschäftsführerin der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen. Im Gespräch mit der Sächsischen Zeitung berichtet sie, wie es dem Tourismus im Freistaat geht – und warum man nicht nur nach Geld ruft.

Frau Hiebl, die Hotels müssen auf unbestimmte Zeit weiter geschlossen bleiben. Viele Menschen sind jetzt enttäuscht. Hatten Sie sich mehr erhofft?

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Die Corona-Krise trifft die Tourismusbranche in ganz besonderem Maße. Und da diese Branche sehr stark geprägt ist von klein- und mittelständischen Betrieben, sind auch die Reserven meist nicht sehr groß. Deshalb hat insbesondere das Gastgewerbe auf Lockerungen gehofft. Fakt ist aber, dass das Leben und die Gesundheit der Menschen immer oberste Priorität haben. Je strikter wir alle die Regeln der Ausgangs- und Reisebeschränkungen befolgen, umso schneller können wir zur Normalität zurückkehren.

Wie viele Absagen gab es bisher?

Das Reisen fiel schlichtweg aus, der Tourismus ist komplett zum Erliegen gekommen. Im April werden die Übernachtungszahlen vermutlich gegen Null gehen. Zum Vergleich: Im April 2019 übernachteten 1.664.434 Millionen Gäste in Sachsen. Positiv stimmt uns aber der Blick auf die Sommerferienmonate, denn für diese Zeit haben wir bisher noch keine Kenntnis von massiven Stornierungen.

Die Urlauber wollen gern kommen und warten daher die Entscheidungen der Regierung ab. Was uns freut: Viele Menschen lassen sich unsere Prospekte und Urlaubskataloge schicken, besuchen unsere Internetseite und folgen uns auf den sozialen Kanälen.

Veronika Hiebl hat Tourismusbetriebswirtschaft an der Fachhochschule Heilbronn studiert. Seit Mai 2019 ist sie Geschäftsführerin der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH.
Veronika Hiebl hat Tourismusbetriebswirtschaft an der Fachhochschule Heilbronn studiert. Seit Mai 2019 ist sie Geschäftsführerin der Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen mbH. © Egbert Kamprath

Auf absehbare Zeit bleibt Reisen weiterhin tabu.

Richtig, das Bangen um die Existenz geht zunächst weiter – für viele Unternehmen der sächsischen Tourismusbranche und die, die darüber hinaus vom Tourismus leben. Die Folgen sind aktuell noch nicht abschätzbar.

Wie lange stehen die touristischen Betriebe in Sachsen das noch durch?

Das kann man so pauschal nicht beantworten, da jeder Betrieb anders aufgestellt ist. Wir hören jedoch von vielen Betrieben, dass sie bereits jetzt vor der Existenzfrage stehen. Einige Insolvenzen sind auch bereits bekannt geworden. Jede Woche, in der die Beschränkungen weiter bestehen bleiben, ist existenziell für das Gastgewerbe und die touristischen Dienstleister. Deshalb wird es nun sehr wichtig sein, weitere Unterstützungen für die Branche bereitzustellen.

Nicht nur Hoteliers und Gaststättenbesitzer rufen nach Geld.

Das stimmt. Aber wenn es jetzt zu einem massiven Betriebssterben käme, würde dem Tourismus eine wichtige Basis entzogen. Und wir stellen ja nicht nur Forderungen, sondern nutzen auch die Zeit, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein.

Was heißt das konkret?

Wir haben als eines der ersten Bundesländer mit der Kampagne „Träum Dich nach Sachsen“ eine Initiative gestartet – als Einladung zu einer gedanklichen Reise durch Sachsen. Da gibt es zum Beispiel 360-Grad-Touren durch Schlösser wie Pillnitz, in die Zittauer Fastentuch-Museen, durch Dresden, eine Foto-Story über die Felsen der Sächsischen Schweiz als Sehnsuchtsort, Konzerterlebnisse des Gewandhausorchesters Leipzig per Lifestream oder regionale Rezepte. 

Das alles ist gemeinsam mit den touristischen Anbietern in den Regionen entstanden, wird regelmäßig aktualisiert und über das Internet, in Newslettern und auf unseren sozialen Kanälen kommuniziert. So bleibt der Kontakt zu Urlaubern erhalten, damit der Tourismus in Sachsen bei „grünem Licht“ schnell wieder in Gang kommen kann.

Die neu aufgebaute Dresdner Altstadt: Viele Touristen kann die Landeshauptstadt in nächster Zeit nicht erwarten.
Die neu aufgebaute Dresdner Altstadt: Viele Touristen kann die Landeshauptstadt in nächster Zeit nicht erwarten. © dpa/Jan Woitas

Immerhin sollen Ausflüge in die Region ab Montag wieder möglich sein – eigentlich eine gute Gelegenheit, die eigene Heimat neu zu entdecken und damit ganz in Ihrem Interesse…

Wir freuen uns sehr über diese Lockerungen – zum einen für die Einrichtungen, die endlich wieder ihre Türen öffnen dürfen, aber auch mit Blick auf die Gäste, denen sie nach langem Verzicht nun wieder offenstehen. Und in der Tat ist das wirklich eine gute Gelegenheit, die Schönheiten Sachsens wieder neu zu entdecken – ganz nach dem Motto „Das Gute liegt so nah….“. Natürlich sollte man dabei Massenansammlungen an Aussichtspunkten und Sehenswürdigkeiten meiden, das wäre dann wieder kontraproduktiv.

In das Internetportal ist auch die Aktion Lokalhelden eingebunden. Hier können Restaurants Liefer- oder Abholservice veröffentlichen. Wie ist die Resonanz?

Die Online-Plattform „Lokalhelden Sachsen“ wurde kurz vor Ostern vom Dehoga Sachsen und dem sächsischen Tourismusministerium gestartet. Wir unterstützen die Initiative, weil sie sämtliche Angebote von Gaststätten, Restaurants und Cafés für einen Lieferservice und für „Speisen zum Abholen“ in Sachsen bündelt. Der Zuspruch ist sehr hoch. 

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In der kurzen Zeit, in der das Portal online ist, haben sich bereits mehr als 150 Anbieter sachsenweit registriert. Wir unterstützen aber ebenso den Corona-Kompass Tourismus des Landestourismusverbandes. Das ist eine Plattform mit gebündelten Informationen zu Soforthilfen und Neuigkeiten für Unternehmer in der sächsischen Tourismusbranche.

Haben Sie einen persönlichen Tipp für Entdecker?

Natürlich: unsere Website.

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog.

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