merken
PLUS

„Man darf nicht alles mitmachen“

Jens Frommhold wollte Fernsehmechaniker werden. Nun führt er die letzte Töpferei Königsbrücks – in 5. Generation.

© René Plaul

Von Nicole Preuß

Die Tische für den Jubiläumsverkauf sind in der Töpferei Frommhold vorbereitet. Keramik in Form von Fischen ist darunter. „Das ist für Fischdosen, das war mal der Hit“, sagt Jens Frommhold. Restbestände von alten Dekoren stehen auf den Tischen, Keramik mit kleinen Mängeln oder Bestellungen, die dann nicht abgeholt wurden. Jens Frommhold hat schon in den vergangenen Monaten immer wieder Dinge für diesen September zusammengestellt. Er macht den ganzen Monat einen Sonderverkauf auf dem Hof seiner Töpferei. Der Anlass: 165 Jahre Töpferei Frommhold in Königsbrück.

TOP Jobs
TOP Jobs
TOP Jobs

Finden Sie bei Top Jobs jetzt Ihren Traumjob in der Region! Attraktive Arbeitgeber Ihrer Region suchen Sie!

Jens Frommhold braucht Platz für Neues, denn er hat viele Ideen im Kopf. Er entwickelt gerade ein neues Dekor für seine Tassen, Teller und Schüsseln, er bereitet das nächste Hoffest im kommenden Jahr vor und er und seine vier Mitarbeiter sind schon voll in der Produktion für die nächsten Weihnachtsmärkte. Der Töpfermeister hat immer gut zu tun. Dabei hatte er sich sein Leben eigentlich gar nicht so vorgestellt. Der Königsbrücker war zwar als Kind oft in der Töpferei des Vaters, die inzwischen die Letzte von ehemals 21 Töpfereien in der Stadt ist. Er wollte aber lieber Elektriker oder Fernsehmechaniker werden. Der ältere Bruder sollte das Unternehmen übernehmen, so wollte es die Tradition. Doch der Bruder entschied sich anders und wurde Klempnermeister in Laußnitz.

Vertrieb spielt zentrale Rolle

„Da blieb die Sache an mir hängen“, sagt Jens Frommhold. Er grollt nicht. Denn gezwungen hat man ihn nicht. „Ich war halt ein Spätzünder.“ Heute hat der Mann mit dem Schnauzbart andere Herausforderungen als sein Vater damals. Johannes Frommhold bekam zu DDR-Zeiten nur schwer Material und auf einen neuen Elektroofen sollte er so lange warten wie auf einen Wartburg. Für Jens Frommhold spielt der Vertrieb eine zentrale Rolle.

Die Töpfe, wie er sagt, müssen schließlich an den Kunden. Er hat einen Laden in Königsbrück und ein Geschäft im Teichhäuser in der Nähe des Schlosses von Moritzburg. Der Töpfer zeigt und verkauft eine Auswahl seiner Waren unterhalb der Freitreppe am Schloss Pillnitz im ehemaligen Bootskeller zusammen mit anderen Töpfern der Innung. Frommhold fährt regelmäßig auf Töpfermärkte. Er hat mehrere Stände auf Weihnachtsmärkten, unter anderem auf dem Striezelmarkt in Dresden. Er beliefert Gaststätten mit Tellern oder auch extra angefertigten Bestecktöpfen und er verkauft über das Internet. Manchmal kommen über seinen Online-Shop auch spezielle Anfragen herein. So haben die Mitarbeiter gerade Vasen in einer Nullserie gedreht, die ein französischer Designer für ein süddeutsches Unternehmen entworfen hat. Die Vasen sollen mit Farbe bedampft und später bei einer Kunstmesse in Paris gezeigt werden.

Neue Zielgruppen erschließen

Zudem richtet Frommhold aller zwei Jahre einen Töpfermarkt in Königsbrück aus, bei dem sich auch andere Töpfer präsentieren können. Im nächsten Jahr wäre es wieder so weit. Der Töpfermeister will aber einige Veränderungen vornehmen und das Ganze dann vielleicht unter das Motto „Hoffest“ stellen. „Ich plane etwas Kleines, mit dem ich meine Kunden anspreche“, sagt Frommhold. Noch bleibt Zeit zur Planung und Vorbereitung.

Jens Frommhold dreht eine Runde durch seine Werkstatt. Er versucht, mit der Zeit zu gehen, und das anzubieten, was die Kunden wollen und was vielleicht auch neue Zielgruppen erschließt. Manchmal hat er damit Erfolg, manchmal nicht. „Ich mache aber nicht alles mit“, sagt er. Pokémon kommen nicht auf seine Tassen. „Es muss zu uns passen. Mit so etwas mache ich mich unglaubwürdig“, sagt er. Die Vermarktung ist ihm außerdem wichtig. Er will im Gespräch bleiben. Das Reden über seinen Betrieb fällt dem Töpfermeister nicht schwer.

Dem 52-Jährigen geht es aber auch nicht anders als vielen anderen Selbstständigen. Einen geregelten Feierabend kennt er nicht und auch am Wochenende sitzt er schon mal in der Werkstatt, bearbeitet Bestellungen und anderes. Die beiden Kinder des Töpfermeisters sind vielleicht auch deswegen erst einmal andere berufliche Wege gegangen, studieren oder arbeiten in der Industrie. Jens Frommhold hofft, dass sie vielleicht einmal zurückkommen und sich doch für die Töpferei erwärmen können. Er will sie aber nicht dazu zwingen. Das würde auch gar nicht funktionieren. Trotzdem. „Das Handwerk muss politisch gestärkt werden“, glaubt er. „Sonst gibt es in 15 Jahren keine Handwerker mehr.“