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Wie Thielemann lernte, Peter Schreier zu verehren

Auch für den Chefdirigenten der Staatskapelle war der Sänger prägend. Im Gespräch erinnert sich Christian Thielemann an den verstorbenen Künstler.

Christian Thielemann hat Peter Schreier schon als Kind regelmäßig bei Liederabenden in Berlin erlebt.
Christian Thielemann hat Peter Schreier schon als Kind regelmäßig bei Liederabenden in Berlin erlebt. © Matthias Creutziger

Herr Thielemann, ernnern Sie sich noch an Ihre erste Begegnung mit Peter Schreier?

Aber ja. Wie könnte ich das vergessen. Ich war 13 oder 14 Jahre alt und habe ihn regelmäßig bei Liederabenden in Berlin erlebt. Ihn und Dietrich Fischer-Dieskau, diese beiden wunderbaren Stimmen, das war schon etwas sehr Besonderes. Und ich habe mich wirklich durch Peter Schreier zum ersten Mal intensiver mit der Tradition des Liedes beschäftigt. Das hat mich nachhaltig geprägt, ich bin ihm dafür sehr dankbar.

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Wurde er zu einer Art Begleitfigur für Sie?

Naja, man konnte Peter Schreier eh nicht entkommen. Ob in Ost oder West: Wenn man Weihnachten oder Ostern das Radio angemacht hat und die großen Oratorien hörte, dann hörte man oft auch ihn. Und er war ja wirklich als Evangelist einzigartig, da hat er weltweit Maßstäbe gesetzt.

Wann haben Sie ihn zum ersten Mal persönlich getroffen?

Als wir zu meiner Nürnberger Zeit zusammen einen Palestrina gemacht haben, Peter Schreier war dort als Gast. Es war eine derart angenehme Zusammenarbeit, dass ich mich danach mit ihm in Dresden getroffen und ihm gesagt habe, wie wunderbar ich ihn finde. Das war mir ein Bedürfnis. Wissen Sie, viele Sänger machen auf der Bühne einen großartigen Eindruck, abseits der Bühne aber sieht das oft anders aus. Peter Schreier war auf der Bühne als Künstler ebenso wie privat als Mensch gleichermaßen großartig. Er war einfach ehrlich und sehr sympathisch. Das einzige, was ich immer ein bisschen schräg fand: Wie kann jemand mit einer solchen Stimme bloß Schreier heißen ...

Obwohl Peter Schreier die Möglichkeit gehabt hätte, als Kosmopolit auf der ganzen Welt zu leben, ist er seiner Heimat Dresden immer treu geblieben ...

Warum sehen Sie einen Widerspruch zwischen Kosmopolitentum und Heimatmensch? Für mich gibt es da gar keinen. Peter Schreier ist dafür das beste Beispiel. Er war Weltenbummler und ist dabei ein Heimatmensch geblieben. Und ich finde, darin ist er ein Vorbild, auch für die jüngere Generation heutzutage. Man kann ohne Probleme beides sein.

Seine größten Erfolge hat er mit Mozart und Bach gefeiert. Welchen Peter Schreier haben Sie am meisten gemocht?

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Das Gespräch führte Oliver Reinhard

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