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„Man sollte für eine Weile weg sein“

Früher Schülerin und heute Lehrerin am Lessing-Gymnasium – Elisa Theka hat ihr Ziel in Hoyerswerda erreicht.

Elisa Theka unterrichtet an ihrer einstigen Schule. Ihre Fächer Deutsch und Geografie sieht sie in ihrer Heimat auf besondere Weise repräsentiert, denn für sie prägen die sprachlichen und örtlichen Gegebenheiten auf interessante Art die Region – di
Elisa Theka unterrichtet an ihrer einstigen Schule. Ihre Fächer Deutsch und Geografie sieht sie in ihrer Heimat auf besondere Weise repräsentiert, denn für sie prägen die sprachlichen und örtlichen Gegebenheiten auf interessante Art die Region – di © Foto: Gernot Menzel

Hoyerswerda. Schon in der Grundschule hat Elisa Theka ihren Mitschülern gerne Texte diktiert und anschließend die Resultate mit einem Rotstift korrigiert, wie sie erzählt. Somit stand früh für sie fest, dass sie Lehrerin werden möchte. Sie ist ihrer Mutter heute dennoch dankbar dafür, dass sie ihr in der Orientierungsphase zur Seite stand und versucht hat, auch andere Perspektiven und Berufsbilder aufzuzeigen. Das hat sie bestärkt. Ebenso wie ihre Lehrerin im Leistungskurs Deutsch, die sie geprägt hat. „Sie hat für das Fach gebrannt.“ Und diese Begeisterung hat Elisa Theka wohl ein weiteres Mal ermutigt, diesen Weg zu gehen.

Wertvolle Dorfgemeinschaft

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Aufgewachsen ist Elisa Theka in Neuwiese. Sie hat in Laubusch die Grundschule besucht. Danach ist sie mit einigen Mitschülern gemeinsam auf das Lessing-Gymnasium in Hoyerswerda gegangen. Dadurch sei ein familiäres Umfeld entstanden, so ihr Eindruck. Auch die Nähe zu ihrem Wohnort hat sie als positiv wahrgenommen. In ihrer Kindheit war Hoyerswerda für sie ein „notwendiger Ort“, der vordergründig für Versorgung und Bildung stand, in der Jugend wurde es auch ein Ort der Freizeit. Aber bis heute identifiziert sich die junge Frau vor allem mit Neuwiese. Sie schätzt die starke Dorfgemeinschaft, aber versteht auch, dass es für Außenstehende zuweilen schwierig sei, sich einzufinden. Im Augenblick wohnt sie in der Altstadt von Hoyerswerda, aber sie wäre in der Zukunft gerne wieder in der Elsterheide.

Als Elisa Theka nach dem Abitur 2011 Lehramt studieren wollte, war sie schon in Dresden immatrikuliert, bevor sie in Jena im Nachrückverfahren mit ihren Wunschfächern angenommen wurde. Die Kombination Deutsch-Geografie hatte sie schon abgeschrieben und auf diesem Weg zum Glück doch bekommen. Dresden wäre für sie ein Kompromiss gewesen, den sie aber bereit war einzugehen. In Jena stellte sich das erste Jahr als „harte Schule“ heraus. Das hing mehr mit den Umständen als mit dem Studium zusammen. Die Wohnsituation war alles andere als günstig. In einer schlecht angebundenen Gegend, die sie als dörflich beschreibt, hatte sie eine Bleibe gefunden. Einkäufe musste sie also in der Stadt erledigen und dann mühsam transportieren. Halbkeller und ein Gemeinschaftsbad haben dazu beigetragen, dass Elisa Theka sich dort kaum wohlgefühlt hat. So hat sie in dieser Zeit viele Wochenenden zu Hause in Neuwiese verbracht. Danach kamen WGs in einem Außenbezirk. Jena war für sie an den Wochenenden wenig attraktiv, wenn die Studenten die Stadt verließen. In Neuwiese dagegen war sie stark im Jugendclub eingebunden. Rückblickend sagt Elisa Theka, dass sie damals aus beiden Welten – Studenten-Stadt und Heimatdorf – alles haben konnte. Dieses Lebenskonzept hat für sie funktioniert.

Das Los hat entschieden

Mit dem Referendariat hat Elisa Theka durch Zufall wieder an ihre alte Schule in der Hoyerswerdaer Altstadt gefunden. Das Los hat gewissermaßen darüber entschieden. Anfangs hatte sie gemischte Gefühle, aber sie sah auch immer die Chance, sich „da rein entwickeln“ zu können. Aus Erzählungen von Kommilitonen hatte das sogenannte Ref durchaus den Anschein, unmachbar zu sein, aber ihre Ängste bestätigten sich nicht, wie sie heute berichten kann. „Ich habe mich vom ersten Tag an nicht mehr als Schüler gefühlt.“ Sie wurde gut im Kollegium aufgenommen und empfand den Umgang als sehr professionell. Auch die Arbeit mit und der Zugang zu den Schülern hat trotz einiger Bedenken im Vorfeld nahezu reibungslos funktioniert. Vor allem hat Elisa Theka im Unterricht gemerkt, dass sie dort zu einer Persönlichkeit geworden ist. Sie nennt es die prägendste Zeit und die beste Entwicklung. Höhen und Tiefen gab es dennoch, was sie als ganz normal bewertet.

Auch nach dem Abschluss des Referendariats fiel ihr Blick nach Sachsen, mit der Hoffnung, der Heimat wieder ein bisschen näher kommen zu können. Auch das sollte sich erfüllen. „Es war ein großer Wunsch, dass ich bleiben kann.“ Wieder standen die Sterne günstig. Mit der Schulleitung als Fürsprecherin und dem nötigen Glück konnte sie im August vorigen Jahres zum neuen Schuljahr als Lehrerin im Lessing-Gymnasium anfangen. Dass lange nicht alle Kommilitonen am Ende auch einen Platz an einem Gymnasium bekommen, ist keine Seltenheit. Andere müssen auf andere Schulformen ausweichen, weil der Bedarf gedeckt werden muss.

Präsenzunterricht vorerst tabu

Der Einstieg in das Berufsleben und die erhöhte Stundenanzahl forderte Elisa Theka anfangs stark. Viele Korrekturen, wenig Wochenende, aufwendige Arbeiten. Aber sie hat sich damit arrangiert und sich Konzepte entwickelt. Im Augenblick bleibt ihr nur noch, die stellvertretende Klassenleitung ihrer fünften Klasse zu unterstützen. „Ich hätte mich gerne mit den Schülern zusammen gefreut, dass alles wieder losgeht.“ Denn nach den Corona-Lockerungen ist sie weiterhin im Home-Office geblieben. Da sie ein Kind erwartet, soll und darf sie derzeit keinen Präsenzunterricht abhalten.

„In jeder Studenten-Stadt gibt es so ein Viertel, in dem immer was los ist.“ Das vermisst sie bisweilen in Hoyerswerda. Aber Jena hat Elisa Theka auch gelehrt, dass viele Orte lebenswert sind. So schätzt sie hier wiederum, dass ihr Kind in ähnlichen Strukturen aufwachsen kann, wie sie selbst. Die Hektik, die durch die Infrastruktur einer Großstadt bedingt ist, fehlt ihr auch keineswegs. Es gibt noch mehr Vorteile, sagt sie, aber „man sollte mindestens für eine Weile von hier weg sein“. Das öffnet den Blick und lehrt auch, die vielen Vorteile dieser Region zu erkennen und zu schätzen. Diese Weltoffenheit und Neugier möchte sie ihren Schülern vermitteln. Denn Heimat ist für Elisa Theka ein Gefühl, das man sich überall aneignen kann.

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