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„Man sollte nicht am Stammtisch rumpoltern, sondern sich engagieren“

Stadtrat Sven Ehrig sagt in der SZ, warum er als Mitglied der Freien Unabhängigen Wähler und langjähriger CDU-Freund in die FDP eingetreten ist.

Von Thomas Mielke

Der Eichgrabener Ortsbürgermeister und Stadtrad Sven Ehrig ist wenige Tage vor der Bundestagswahl in die FDP eingetreten. Im SZ-Gespräch erklärt er, warum es gerade in diesen schwierigen Zeiten nötig ist, dass man sich politisch engagiert.

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Herr Ehrig, warum sind Sie ausgerechnet in die FDP eingetreten?

Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass man als Ortsbürgermeister und Stadtrat besser in einer Partei ist, wenn man etwas bewegen will. In einer kleinen Wählervereinigung ist es zum Beispiel schwer, an Abgeordnete zu kommen, die sich um bestimmte Anliegen kümmern.

Sind Sie jetzt nicht mehr bei den Freien Unabhängigen Wählern Zittaus?

Doch, ich bleibe Mitglied. Vielleicht stellen wir zur nächsten Kommunalwahl sogar eine schlagkräftige Gruppe aus FDP und FUW auf.

Sind Sie nicht einst für die CDU bei der Kreistagswahl angetreten? Woher kommt der Sinneswandel?

Ich habe immer die CDU gewählt. Aber ich bin enttäuscht. Ich kann der aktuellen CDU-Politik im Bund, vor allem aber im Land, wenig abgewinnen. Da scheint nach den langen Jahren Regierungsverantwortung eine gewisse Selbstzufriedenheit eingekehrt zu sein. Zum Beispiel ärgert mich ihre Förderpolitik: Inzwischen hängen alle Kommunen am Fördertropf. Sie haben nicht mehr die Autonomie, ihre Aufgaben selber erfüllen zu können, wie es in der Verfassung und der sächsischen Gemeindeordnung steht. Die Kommunen müssen finanziell so ausgestattet werden, dass sie ihre Aufgaben allein erfüllen können. Ein Beispiel: Die 4,5 Millionen Euro für den Bau der an der Weinau-Schule geplanten Turnhalle können wir uns als Stadt Zittau wegen der fehlenden Eigenmittel nicht leisten. Plötzlich – vielleicht dank des Wahljahres – ist es uns möglich, über die Förderung für einen energetisch höherwertigen Bau eine Halle für sechs Millionen Euro zu bauen. Hätte die Stadt dieses Geld schon vor ein paar Jahren gehabt, hätten wir dafür angesichts der Baupreis-Entwicklung damals vielleicht zwei Hallen bauen können. Zwei Turnhallen, die die Stadt dringend braucht.

Das klingt wie aus dem Mund von Andreas Förster, Bürgermeister von Olbersdorf, ebenfalls FDP-Mitglied und mit Ihnen durch das gemeinsame Hobby Eishockey verbunden ...

Ja, genau. Er macht auf das Problem schon lange aufmerksam. Ich finde es traurig, dass er dafür inzwischen fast schon belächelt wird. Allerdings ist diese Forderung auch Hauptbestandteil des FDP-Programms und das hat mir gefallen. Das ist auch einer der Gründe, warum mir die FDP als vernünftigste Alternative zur CDU erscheint. Außerdem hat die FDP noch richtige Typen, wie zum Beispiel Christian Lindner und Wolfgang Kubicki.

Hat Sie Herr Förster geworben?

Nein. Er hat es erst erfahren, als ich bereits Mitglied war.

Wie viele Mitglieder hat die FDP hier überhaupt?

Zu wenige. Das war für mich umso mehr ein Grund, einzutreten. Ich will ein Zeichen setzen, dass man nicht am Stammtisch rumpoltert, sondern sich persönlich engagiert, um Zusammenhänge zu verstehen und Dinge zu verändern, die einem nicht gefallen. Außerdem bewegt mich, dass so viele junge Menschen – auch aus meiner Familie – weggehen. Das hat doch Gründe.

Welche?

Punkt 1 ist die Einkommenssituation. Wenn weite Teile von Belegschaften nur Mindestlohn und das auch noch brutto bekommen, wundert es mich nicht, dass sie sich woanders eine besser bezahlte Arbeit suchen. Den Mindestlohn zu erhöhen, kann nicht die Lösung sein. Wir brauchen Industriearbeitsplätze. Dafür brauchen wir aber eine offensive Wirtschaftsförderung. Und dafür wiederum brauchen die Kommunen Geld. Da wären wir wieder bei der Förderpolitik. Aber es gibt noch weitere Gründe, warum die jungen Leute wegziehen. Zum Beispiel muss sich bei der sächsischen Bildungspolitik dringend etwas ändern. Wir brauchen dringend mehr Lehrer. Ich weiß als Vater, wie viele Stunden in den Schulen meiner Kinder ausfallen.