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„Man verliert nie das grüne Auge“

Steffen Krausche ist Revierförster zwischen Uhyst, Bärwalde und Klitten. Und als solcher fast so gefragt wie ein Bürgermeister.

Seine Begeisterung für den Wald gibt Förster Steffen Krausche gerne weiter – wie an diese Fünftklässler.
Seine Begeisterung für den Wald gibt Förster Steffen Krausche gerne weiter – wie an diese Fünftklässler. © Foto: Joachim Rehle

Uhyst. Mit dem Hund durch den Wald streifen. Dieses Klischee beherrscht noch immer die Vorstellungen der meisten Menschen über den Förster. Steffen Krausche lacht. Jahrelang sei er ja selbst „so richtig klischeemäßig“ mit einem Rauhhaardackel unterwegs gewesen. Nachdem auch sein zweiter Dackel verstarb, nahm er von der Hundeführung Abstand. Außerdem, so fügt der Revierförster beim Staatsbetrieb Sachsenforst hinzu, beinhaltet der Beruf im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft längst viel mehr als nur die forstlichen Belange. Er ist gewissermaßen ein Naturraummanager.

 „Als Ansprechpartner für die Sorgen und Nöte von Waldbesitzern und anderen Flächenbewirtschaftern kommt der Förster im ländlichen Raum gleich nach dem Bürgermeister“, weiß Steffen Krausche aus Erfahrung. Er ist als Revierförster für den Bereich zwischen Uhyst und Klitten zuständig – inbegriffen Bärwalde, Drehna, Neudorf/Spree, Halbendorf/Spree und diverse Ortsteile.

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Der heute 50-Jährige gibt zu, dass es genau jenes Klischeebild war, was ihn dazu bewog, Förster zu werden. Wie auch schon immer der Drang zur Arbeit in der freien Natur. Als Einzelkind sei er immer gerne draußen gewesen, arbeitete in der AG Junge Naturschützer, auch bei den Jungen Imkern mit, angelte gerne und „wollte unbedingt was mit Wald machen“. Im Bezirk Dresden kam da nur ein Studium in Tharandt infrage. Doch die Plätze dafür waren sehr begehrt und die Chancen, einen zu ergattern, überaus gering. Trotz sehr guter Schulnoten. Der gebürtige Ebersbacher ließ sich nicht entmutigen. Der Schüler beschloss, Waldarbeiter zu werden, um „deren Tagwerk von der Pike auf lernen und verstehen zu können“. Das sorgte beim Schuldirektor für einige Aufregung, weil er doch an die Erweiterte Oberschule (EOS) delegiert werden sollte. Doch seine Eltern standen zu ihm und seiner Entscheidung. Und die erwies sich als goldrichtig. Seine Ausbildungsfirma, der Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb in Löbau, schickte ihn nach dem Abschluss der Facharbeiterausbildung zum Studium. Als einer von 100 Bewerbern stellte er sich im März 1990 der Aufnahmeprüfung an der Fachhochschule in Schwarzburg. Aus dem zu DDR-Zeiten üblichen Fachschulstudium mit dem Abschluss als Forstingenieur wurde nach der Wende ein dreieinhalbjähriger Diplom-Studiengang. Inzwischen gibt es die von Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt gemeinsam geführte Bildungsstätte nicht mehr. Wer heute Förster werden will, kann direkt nach dem Gymnasium mit Abitur studieren – und ist fertig als Bachelor für Forstwissenschaften. Zum Studium gehört ein Praxisjahr, welches die Forstinspektoranwärter mit dem Staatsexamen beenden. Als Ausbildungsrevierleiter betreut Steffen Krausche selber regelmäßig angehenden Nachwuchs in dem grünen Beruf.

Es gibt keinen Tag, an dem Steffen Krausche nicht im Wald ist. Das Auto sei mittlerweile sein fahrendes Büro – und damit eine große Arbeitserleichterung. Ausgestattet mit Handy, Laptop, GPS und mobilem Internet ist er (fast) überall erreichbar. An den Donnerstagen findet man ihn nachmittags zu regelmäßigen Sprechzeiten im Forstbüro in Mücka. Schätzungsweise 20 Prozent seiner Arbeit erledigt er dort, wenn er mit Planungen, Ausschreibungen, Kalkalutionen und Abrechnungen beschäftigt ist. Da sitze er lieber bequem am Tisch, fügt er schmunzelnd hinzu.

Die vier Revierförster im Biosphärenreservat, darunter eine Frau, haben gewisse Sonderfunktionen. Im Naturschutzgebiet schauen sie auch an Teichen, auf Wiesen und Äckern des Freistaats nach dem Rechten. Fünf bis sieben Kilometer streift Steffen Krausche pro Tag zu Fuß durch sein Revier. Das Handy sei dabei seine Lebensversicherung. Aber, so sagt er und zeigt auf seine Arbeitsschutzschuhe, im Job sei ihm noch nie etwas Schlimmes passiert. Eine gebrochene Nase holte er sich dagegen mal beim Fußball. Im Job meist Einzelkämpfer findet er seinen Ausgleich bei dem Teamsport in Reichwalde, wo er seit 1994 lebt.

Zuständig ist der Diplom-Forstingenieur (FH) für 4 500 Hektar Wald, davon etwa ein Viertel Staatswald und 2 500 Hektar Privatwald, die 600 Eigentümern gehören. Erst jüngst war er mit einem Kölner unterwegs, der Wald in Uhyst besitzt und auf den Rat des Försters hin eine Durchforstung seiner Fläche in Angriff nahm. „Anders als zu DDR-Zeiten wollen wir ohne Kahlschläge auskommen“, erklärt er. Es sei häufig ein Spagat zwischen schnell umsetzbaren wirtschaftlichen Interessen und der längerfristig ausgerichteten Umgestaltung des Waldes. „Man muss Geduld haben und beobachten können“, sagt er. Wenn er die Besitzer berät, sollen die sich mit seinen Empfehlungen identifizieren können. Und wenn sie nach fünf Jahren feststellen, dass es gut in ihrem Wald aussieht, dann ist das für den Förster eine Bestätigung.

Weg von monotonen Nadelholzbeständen hin zu ökologischen Mischbeständen, ist das Ziel. Das verringere auch die Waldbrandgefahr. In diesem Jahr soll im Thomaswalde zwischen Dürrbach, Kreba-Neudorf und Reichwalde auf 20 Hektar Laubholz gepflanzt werden. Nach einem Hagelschaden 2015 musste die Fläche 2017 zum großen Teil beräumt werden.

Einen Waldbrand hatte Steffen Krausche in seinem Revier „Gott sei Dank lange nicht mehr“. Er klopft dreimal auf Holz. Derzeit sei die Lage alles andere als entspannt. Im März und Mai war es feucht, im April und Juni sehr trocken. Von den im Weißwasseraner Land üblichen 600 Litern Jahresniederschlagsmenge pro Quadratmeter fallen normalerweise zwei Drittel in der Vegetationszeit zwischen Mai und September. In den vergangenen zwei Jahren waren das die trockensten Monate. Die Niederschläge verschieben sich in die Nichtwachstumszeit, die Bäume können nicht so viel damit anfangen. Trockenheit und Stürme aber bedeuten Stress für den Wald.

Richtig Feierabend hat Steffen Krausche eigentlich nie. So kann es sein, dass spätabends sein Handy wegen eines Unfalls mit Wildtierschaden klingelt. Und dennoch: „Förster ist kein Beruf, das ist eine Passion“, ist er überzeugt. Er greift auch selber zu Astschere, Hammer oder Spaten, wenn beispielsweise ein Weg freizuschneiden ist. Er genießt es, wenn er im Wald unterwegs ist. Dass er da auch schon mal einem Wolf begegnet, gehört für ihn dazu. „Man verliert nie das grüne Auge“, sagt Steffen Krausche. Und, dass Förster noch immer sein Traumberuf ist.

Sprechstunde jeden Donnerstag 15 bis 18 Uhr in der Naturwacht in Mücka, Am Sportplatz 231 (Alte Försterei). Tel. 035893 50836 oder 0172 3735407

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