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Managementakademie schließt endgültig

Zu wenig Studenten – zu hohe Kosten. Einige Absolventen haben es weit gebracht.

Von Britta Veltzke

Die Managementakademie Riesa, kurz Marie, schließt. Bereits im Juli wird in dem Gebäude an der Klötzerstraße Ruhe herrschen. „Eine Hochschule mit sieben Studenten in zwei Studiengängen zu betreiben, funktioniert einfach nicht“, sagt Jürgen Grimmer. Erst 2012 veranlasste er als Geschäftsführer des Bildungsträgers Isa21 aus Dresden die Übernahme. Rosig sah es damals schon nicht aus. „Wir dachten, dass wir von der inhaltlichen Ausrichtung in den Bereichen Eventmanagement und Sportjournalistik mehr profitieren können, aber das hat sich leider nicht bewahrheitet“, so Grimmer. Auch die gute Zusammenarbeit mit der Arena sei stets ein Pluspunkt gewesen. Aber auch das konnte den Standort nicht retten.

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Bereits seit 2012 wurde kein Student mehr an der Marie aufgenommen. Die sieben jungen Leute, die derzeit noch an der Klötzerstraße lernen, können ihre Ausbildung in Riesa noch beenden. „Das ist die Hauptsache“, sagt Studienorganisatorin Edeltraud Schlesinger. Unruhe möchte sie derzeit unbedingt vermeiden. „Es ist für alle Beteiligten gerade eh schon schlimm genug, dass der Standort geschlossen wird und dann befinden wir uns gerade auch noch mitten in der Prüfungszeit“, so Schlesinger weiter. Mehr möchte die Leiterin dazu nicht sagen. „Die Entscheidung ist in Dresden getroffen worden“, sagt sie enttäuscht.

Der Standort kämpfte bereits seit Jahren gegen die rückläufigen Studentenzahlen. Auch prominent besetzte Informationstage haben da nicht geholfen. Ein Grund dafür sind auch die hohen Studiengebühren. Rund 2 500 Euro kostete ein Semester hier. Für einen Bachelorabschluss in Regelstudienzeit von drei Jahren bedeutet das: 15 000 Euro, ohne Lebenshaltungskosten. An den sächsischen Universitäten wie etwa in Leipzig sind im Vergleich dazu nur rund 120 Euro Gebühr je Semester für die Verwaltung fällig.

Auch Dozenten haben die finanzielle Schieflage zu spüren bekommen. „Ich musste mehrmals meinem Geld hinterherlaufen“, berichtete Birgit Böhm, die zeitweise in der Marie unterrichtete. Einer Kollegin sei es ähnlich gegangen. Geschäftsführer Jürgen Grimmer gesteht das offen ein: „Das war keine böse Absicht und resultierte schlicht aus der schlechten Finanzlage. Jetzt sind alle Dozenten bezahlt.“

Absolventen der Marie arbeiten inzwischen in Medienhäusern und Pressestellen quer über die Republik verteilt. Auch Henry Buschmann, Pressesprecher von Dynamo Dresden, hat an der Marie studiert. Sechs Jahre ist das inzwischen her – und die Erinnerungen daher schon etwas verblasst: „Es sind nach dem Studium schon etliche dort gelandet, wo sie unbedingt hin wollten. Das zeigt mir, dass der Weg, den wir eingeschlagen haben, nicht ganz falsch war.“ Andere Absolventen arbeiten nun etwa bei Tageszeitungen oder beim Mitteldeutschen Rundfunk. Auch ein Sprecher des DFB hat an der Akademie in Riesa gelernt. Der Verfall habe sich damals noch nicht angedeutet, so Buschmann weiter.

Bis ins Rathaus ist die Nachricht von der Schließung noch nicht durchgedrungen. „Für die Bildungslandschaft wäre das natürlich bedauerlich. Die Marie hat ein interessantes Studienangebot, das die Stadt bereichert“, sagt Bürgermeister Tilo Lindner. Die Verwaltung habe die Akademie stets organisatorisch unterstützt, so Lindner weiter. Bis jetzt mietete die Dresdener Geschäftsführung die Räume der städtischen Tochter WGR. Aber das ist jetzt vorbei.