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Bischofswerda

Manche mögen’s dreckig

Die Weifaer Autocrosser blicken auf eine hochtourige Vereinsgeschichte zurück.

Seit zehn Jahren in der Leidenschaft für ölige Finger verbunden: Marcel Burckhardt (v.l.), Daniel Ganze (v.r.), Jürgen Thomas (h.l.) und Philipp Zosel feiern gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Autocrossverein VLG Racing Vereinsjubiläum.
Seit zehn Jahren in der Leidenschaft für ölige Finger verbunden: Marcel Burckhardt (v.l.), Daniel Ganze (v.r.), Jürgen Thomas (h.l.) und Philipp Zosel feiern gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Autocrossverein VLG Racing Vereinsjubiläum. © Steffen Unger

Weifa. Ein wenig versteckt hinter einem ehemaligen Gasthof an der Weifaer Hauptstraße liegt das „Headquarter“ des VLG Racing. So nennen die Autocrosser aus dem hoch gelegenen Steinigtwolmsdorfer Ortsteil ihr Schrauberparadies.

Besucher des ehemaligen Schweinestalls begrüßt als erstes ein völlig zerfetzter Reifen, der wie eine Trophäe an der Wand gegenüber des Eingangs prangt. „Zu viel Gas und Vodka“ hat ein unbekannter Schreiber in weißer Schrift darauf notiert. Natürlich gehört zu dem Pneu eine Geschichte. Aus dem Mund von Vereinsmitglied Marcel Burckhardt beginnt die etwa so: „Als wir vor Jahren in Dauban beim Landskronpokal antraten, saß unser Fahrer am Vorabend des Rennens ein wenig zu lange mit den anderen zusammen und schaute dabei zu tief ins Glas.“ Beim Wettkampf am nächsten Tag sei dem verkaterten Piloten die Leitplanke etwas zu nah gekommen. Der Reifen habe dem Zusammenstoß nicht standhalten können. Trotzdem hätten die Weifaer das Rennen bis zum bitteren Ende durchgezogen.

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Erinnerungsstücke wie dieses gibt es zuhauf in der gut organisierten Werkstatt, an die ein gemütlicher Gemeinschaftsraum mit Bollerofen, Bar und Trophäenschrank anschließt. Jedes Exemplar verweist auf eine Anekdote aus nunmehr zehn Jahren Autocross-Vereinsleben in Weifa. Mit einer kleinen Ausstellung, in der auch weitere Zeugnisse wie Bilder oder die Sicherheitskombi der Fahrer zu sehen sein werden, wollen die benzinverrückten Weifaer am Samstag auf diese spannende Zeit zurückblicken. Bei der Gelegenheit sind ab 16 Uhr auch interessierte Gäste gern im VLG-Domizil gesehen. Für Marcel Burckhardt und seine Vereinsmitglieder ist das Jubiläum gleichzeitig Gelegenheit, sich bei ihren langjährigen Unterstützern zu bedanken. Mussten doch etwa die unmittelbaren Nachbarn der Werkstatt mitunter sogar in Kauf nehmen, wenn nachts um vier in der Halle Bleche geradegeschlagen worden. „Wir erhalten seit jeher enorm viel Rückhalt aus dem Dorf und besonders von unseren Sponsoren“, betont Marcel Burckhardt daher immer wieder.

Erfolgreicher Testlauf

Neben „Benzingesprächen“ mit den beiden Fahrern Daniel Ganze und Jens Ziegenbalg kann bei dieser Gelegenheit natürlich auch der kleine Flitzer begutachtet werden, mit dem der Verein in diesem Jahr beim Wettbewerb der Interessengemeinschaft Oberlausitzpokal an den Start geht. Der hat mit dem Ford Fiesta, von dem er abstammt, allenfalls noch die Karosserie gemeinsam. Das Innenleben wurde – typisch für den Autocross-Sport – komplett umgebaut. Platz findet in dem Vehikel, geschützt durch einen Überschlagskäfig, nur noch der Fahrer. Auch der Benzintank wanderte in die Fahrerkabine. So gewannen die Mechaniker unter der Motorhaube den notwendigen Platz, um einen eigens gebauten, großen Motor unterzubringen. Der sollte sich positiv auf Kraft und Drehzahl des Einsitzers auswirken und auf den dreckigen, kurvenreichen Strecken für schnelle Beschleunigung sorgen.

Das war vor zwei Jahren. Seither hatten die insgesamt 15 Freunde aus Weifa gehörig Pech mit ihrem Auto. In der ersten Saison nach dem Umbau kapitulierten die Antriebswellen unter der Kraft des neuen Motors, in der darauffolgenden riss das Getriebe. Unterkriegen lassen hat sich das Team davon nicht. „Wir machen auf jeden Fall weiter“, sind sich alle einig und wollen ihren liebgewonnenen Fiesta auf keinen Fall wieder hergeben.

Nach erfolgreichem Testlauf am Matschenberg hoffen sie, in dieser Saison im vorderen Feld mitfahren zu können. „Aber in erster Linie geht es darum, das Auto auszutesten – und natürlich um den Spaß in der eingeschworenen Gemeinschaft“, stellt Marcel Burckhardt klar.

Die hat sich in ihrer Zusammensetzung nicht gewandelt, seit die gemeinsame Geschichte vor vielen Jahren während formloser Parkplatztreffen begann. „Irgendwann“, erinnert sich Marcel Burckhardt, „drängte sich die Gründung eines Vereins förmlich auf.“ Und schließlich lüftet er auch das Geheimnis um die Abkürzung im Namen der Vereinigung. Wie so oft bei den Weifaer Autocross-Freunden ist die mit einer Geschichte verbunden: „Eines unserer Vereinsmitglieder kam abends von einem Fest heim und verlor seinen Schlüssel“, erzählt Burckhardt. Der landete im Straßenabfluss – oder in der Gosse, wie es im Oberland heißt. Aus der Episode wurde ein Running-Gag und schließlich das selbstironische Credo der Weifaer: „Viva La Gosse.“

Tag der offenen Tür am Samstag, 4. Mai ab 16 Uhr in der Hauptstraße 26 in Weifa. Es locken eine Ausstellung zur Vereinsgeschichte, Kinderkino für die Kleinen und Gespräche mit den Fahrern. Für Speis und Trank ist gesorgt.