merken
PLUS Löbau

Ärger um die Mandaubahn

Überraschend sollte die Bahnstrecke bei Seifhennersdorf wieder belebt werden - schon zum Frühjahr. Bisher fährt kein Zug. Stattdessen gibt es viele Probleme.

Bürgermeisterin Karin Berndt am Seifhennersdorfer Haltepunkt. Der Behelfsbahnsteig ist inzwischen abgebaut, weil derzeit keine Züge fahren.
Bürgermeisterin Karin Berndt am Seifhennersdorfer Haltepunkt. Der Behelfsbahnsteig ist inzwischen abgebaut, weil derzeit keine Züge fahren. © Archivfoto: tompic

Ob sie am Seifhennersdorfer Bahnhof irgendwann wieder einem abfahrenden Zug hinterherschauen kann? Karin Berndt hofft es sehr. Und nicht nur sie: "Die Seifhennersdorfer sind eisenbahnverrückt", sagt die Bürgermeisterin. Sie lieben ihre Bahnstrecke - genannt Mandaubahn - und hoffen, dass sie bald wieder in Betrieb gehen kann. 

Dafür stehen die Chancen auch ganz gut - so schien es zumindest. "Wir stehen in den Startlöchern", sagte Jörg Puchmüller von der Länderbahn vor wenigen Tagen der SZ. Das Unternehmen bedient die Regionalstrecken, stellt Züge und Personal. Sobald es das Okay für die Strecke gibt, könne die Länderbahn Züge bereitstellen. Auch der Verkehrsverbund Zvon als Verantwortlicher für den öffentlichen Nahverkehr in der Region ist mit im Boot. Die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) ist als dritter Akteur dafür zuständig, dass die Strecke intakt ist. 

Anzeige
In den Startlöchern
In den Startlöchern

Das Herbstprogramm der vhs Görlitz geht online!

Er sei guter Dinge, dass die Mandaubahn noch in diesem Jahr wieder fahren kann, so Puchmüller. Die Strecke zwischen Eibau, Seifhennersdorf und dem tschechischen Nachbarland wird seit einigen Jahren nicht mehr mit Zügen befahren, es gibt Schienenersatzverkehr mit Bussen.

Das lag an besonderen gesetzlichen Bestimmungen für den Zugverkehr im Grenzgebiet. Ende des Jahres dann die gute Nachricht: die Gesetze haben sich geändert, der Zugverkehr wäre wieder problemlos möglich. Theoretisch. Denn die lange Zeit ohne Verkehr hat an der Strecke genagt. Sie musste freigeschnitten und instand gesetzt werden. Mit diesen Arbeiten hat die Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) als Streckenbetreiber schon Ende des vergangenen Jahres begonnen. 

Bahnsteig soll im August fertig sein

Doch es gibt noch mehr Probleme, die beseitigt werden müssen, damit die Mandaubahn wieder fahren kann. Und um die gibt es nun offenbar Unstimmigkeiten. "Die Sicherheit der Fahrgäste hat oberste Priorität", betont Jörg Puchmüller von der Länderbahn. Das heißt: der Bahnsteig muss so hergerichtet sein, dass Passagiere gefahrlos ein- und aussteigen können. 

Wer aber kümmert sich ums Herrichten und bezahlt das? Die Lage ist verzwickt: Das Bahnhofsgebäude und das dazugehörige Grundstück sind in Privatbesitz. Deswegen hatte die DRE bislang ein Gerüst als Behelfsbahnsteig in Seifhennersdorf aufgebaut. Als dann keine Züge mehr fuhren, wurde es demontiert und verkauft, es kann also nicht mehr genutzt werden. Die DRE will nun den Bahnsteig am Bahnhofsgebäude reaktivieren. Um dorthin zu gelangen, müssen Fahrgäste aber ebenfalls über das Privatgrundstück. Außerdem muss der alte Bahnsteig umgebaut werden, damit er den heutigen Sicherheitsanforderungen entspricht. Auch die Beleuchtung muss wieder funktionieren. Das alles sollte längst erledigt sein. 

Die DRE behauptet nun, die Stadt habe "ihre Mitwirkungszusage zurückgezogen", wie Geschäftsführer Gerhard Curth sagt. Deshalb hätten sich die Arbeiten hier verzögert. Bis August soll nun der Bahnsteig fertig sein, stellt Curth in Aussicht. "Wir haben nie Zusagen gemacht", entgegnet Bürgermeisterin Karin Berndt (Unabhängige Bürger Seifhennersdorfs). "Man muss da auch die Zuständigkeiten beachten. Die DRE hat die Strecke gepachtet, also ist sie dafür zuständig." 

Bahnübergang ist ohne Schranke

Ein weiterer Knackpunkt ist der Bahnübergang an der Nordstraße. Nahe des Rathauses kreuzen sich mitten in der Stadt Straße und Schiene. Die Schranken sind allerdings abgebaut worden.

Eine neue automatische Schrankenanlage zu bauen und an das Netz anzuschließen würde bis zu zwei Jahre dauern, sagt Gerhardt Curth von der DRE. Er kündigte deshalb bereits Ende letzten Jahres ein mögliches Provisorium als Übergangslösung an. Eine solche Behelfs-Schranke wäre dann nicht mit den Gleisen gekoppelt und würde automatisch schließen, sondern müsste manuell bedient werden. Eine andere Lösung wäre, der Zug würde ganz langsam, mit Schrittgeschwindigkeit, über den Bahnübergang rollen und ein Helfer vorneweg gehen und die Straße sichern. Beides hält man im Seifhennersdorfer Rathaus nicht für optimal. Welche Lösung es nun konkret geben werde, sagte DRE-Geschäftsführer Gerhard Curth auf Nachfrage der SZ nicht. Nur so viel: "Der Bahnübergang wird in einer dem Eisenbahnkreuzungsrecht entsprechenden Form gesichert. Die genaue Art ist derzeit in der Abwägung." 

Laut Bürgermeisterin Berndt gibt es weitere Bahnübergänge an Nebenstraßen in den Ortsteilen, zum Teil sind sie sogar unbeschrankt. Hier müsse es aus ihrer Sicht ebenfalls eine sichere Lösung geben. "Auch, wenn dort nicht so viel Durchgangsverkehr ist." 

Ab Herbst weiter Richtung Eibau

Trotz aller Probleme: am Plan, die Mandaubahn wieder fahren zu lassen, halten alle Beteiligten fest. Das bestätigt auch Christoph Mehnert, stellvertretender Geschäftsführer beim Verkehrsverbund Zvon. Aber: "Die technische Befahrbarkeit ist das eine", sagt er. Neben der Sicherheit seien die Kosten ein weiterer Knackpunkt. Beim Zvon habe man jetzt mit dem Schienenersatzverkehr geplant, so wie er bisher läuft. "Es war ja nicht absehbar, dass die Strecke nun plötzlich wieder hergestellt wird", so Mehnert. Tatsächlich kam die Ankündigung der DRE, den Abschnitt der Mandaubahn wieder herrichten zu wollen, Ende vergangenen Jahres recht überraschend. 

In Sachen Sicherheit will der Zvon vor allem auch die Problematik mit dem Bahnübergang geklärt wissen. Das ist wiederum auch ein Kostenfaktor. Denn, wenn der Übergang manuell abgesichert werden muss, braucht es dafür Personal. Mehnert fürchtet, dass es deswegen teuer werden könnte, hier wieder Züge fahren zu lassen. Ein Zuschussgeschäft sei das ohnehin. Es würde nur dann funktionieren, wenn es auf der Basis der normalen Fahrpreise machbar ist. 

Dass es bald losgehen kann, dessen gibt sich Gerhard Curth von der DRE trotz aller Schwierigkeiten sicher. Erst einmal geht es aber nur um einen Teilabschnitt: Zunächst wolle man den Streckenabschnitt zwischen dem Seifhennersdorfer Bahnhof und der Grenze wieder reaktivieren. Im September will sein Unternehmen damit beginnen, den Abschnitt von Seifhennersdorf nach Eibau herzurichten. Der könnte dann zum Fahrplanwechsel 2020/21 ebenfalls in Betrieb gehen, so Gerhard Curth. 

Weiterführende Artikel

Klickstark: Straßen stehen unter Wasser

Klickstark: Straßen stehen unter Wasser

In Bertsdorf-Hörnitz und Olbersdorf musste die Feuerwehr ausrücken. Einer der Beiträge aus Löbau-Zittau, über den wir am Freitag berichteten.

Und Bürgermeisterin Karin Berndt träumt bereits davon, dass am altehrwürdigen Bahnhof wieder Leute in den Zug steigen. "Das wäre ein Highlight für Seifhennersdorf."

Mehr Nachrichten aus Zittau und Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier

Mehr zum Thema Löbau