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Mandaukaserne wird Sperrzone

Aus Sicherheitsgründen bekommt das Grundstück jetzt einen Zaun. Einen Plan für den historischen Bau hat niemand.

Von Mario Heinke

Jetzt wird es ernst. Noch in dieser Woche wird die Mandaukaserne weiträumig abgesperrt und ein dauerhafter Bauzaun um das Grundstück errichtet. Der Fußweg durch die Grünfläche direkt vor dem Gebäude ist dann nicht mehr nutzbar. Fußgänger sollen den Gehweg an der Straße nutzen. Darüber informierte jetzt die Stadtverwaltung. Die Untere Bauaufsichtsbehörde hat die Sicherung angeordnet, weil lose Dachziegel drohen, auf den Fußweg zu stürzen. Die Absperrung wird rund 3 500 Euro kosten. Mit der Einzäunung soll zudem der unbefugte Zugang zum Grundstück verhindert werden, so Ines Hirt von der Stadt. Immer wieder sind in der Vergangenheit Personen in das marode Haus eingedrungen. So hatten Unbekannte eine Piratenflagge auf dem Dach gehisst und Diebe sich der Metallgegenstände bemächtigt. Eskapaden dieser Art sind inzwischen lebensgefährlich. Schon vor zwei Jahren, waren einige Decken zwischen den Etagen eingebrochen, wie auf den oben gezeigten Bildern zu sehen ist. Aus dem Gesims und im Innern wachsen Birken und Moose. Das seit Jahren offen stehende Dach lässt ungehindert das Wasser in das Gebäude laufen, was den Verfall um ein Vielfaches beschleunigt. Die Kaserne steht seit 15 Jahren leer. Nach hochtrabenden Plänen verschiedener Besitzer und Akteure gehört das denkmalgeschützte Kasernengebäude einer Erbengemeinschaft. Nach der jahrelangen erfolglosen Suche nach einem Investor hat der Beauftragte der Besitzer im Mai angekündigt, dass die Erben erwägen, den Besitz aufzugeben. Weil die erben nichts tun, ist jetzt eine Ersatzvornahme angeordnet worden. das bedeutet, die Stadt trägt zunächst die Kosten und versucht diese später bei den Besitzern einzutreiben.

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Das Wasser kann durch gebrochene Decken laufen.
Das Wasser kann durch gebrochene Decken laufen.
Die Mandaukaserne wird seit 15 Jahren dem Verfall überlassen. Foto: Rafael Sampedro
Die Mandaukaserne wird seit 15 Jahren dem Verfall überlassen. Foto: Rafael Sampedro

Wie es derzeit im Innern aussieht weiß niemand, denn eine geplante Besichtigung des Gebäudes für genauere Untersuchungen des Zustandes ist bisher nicht zustande gekommen, erklärt Stadtsprecherin Ines Hirt.

Das stadtbildprägende Gebäude beschäftigt die Zittauer seit Jahren. Im Jahre 2009 wurde der Verein „Freunde der Mandaukaserne“ gegründet. Das Vereinsziel: Das einmalige Geschichts- und Architekturdenkmal der Stadt Zittau zu erhalten und einer sinnvollen Nutzung zuzuführen. Vor drei Jahren organisierte der Verein ein Militärspektakel auf dem Martin-Wehnert-Platz, um auf den Verfall aufmerksam zu machen. Jörg Domsgen war Gründungsmitglied und hat eine Fangemeinde bei Facebook organisiert. In dem Portal werden vorwiegend historische Ansichten gezeigt. Er meint, die drohende, endgültige Zerstörung des Bauwerkes stünde beispielhaft für die Konzeptlosigkeit des Stadtrates und der Verwaltung seit 24 Jahren. Ob die Vorwürfe berechtigt sind, sei dahingestellt, schließlich handelt es sich um Privatbesitz. Fakt ist jedoch: Alle Bemühungen den fortschreitenden Verfall zu stoppen und eine Nutzung für das Haus zu finden sind bislang erfolglos geblieben. Es sieht nun so aus, als hätten sich alle Beteiligten mit dem drohenden Zusammenbruch des Gebäudes abgefunden. Dessen Geschichte beginnt im Jahre 1868 zur feierlichen Grundsteinlegung. Die Fertigstellung erfolgte bereits ein Jahr später. Das für damalige Verhältnisse modern ausgestattete Garnisonsgebäude mit Zentralheizung, Dampfküche und getrennten Wohn- und Schlafräumen bot 1 200 Soldaten Unterkunft.

An das fünfgeschossige Mittelteil schließen sich zu beiden Seiten viergeschossige Seitenteile an, welche durch Ecktürme abgeschlossen werden. Deren weithin sichtbaren Zinnen vermitteln den Eindruck einer Festung. Der Zittauer Stadtbaumeister Emil Trummler und ein Militärarchitekt hatten das Gebäude mit den rund 200 Räumen und einer Wohnfläche von 7000 Quadratmetern geplant, berichten die Quellen verschiedener Heimatforscher. 1918 endete die militärische Nutzung der Mandaukaserne und ab 1920 sollen bis zu 500 Personen darin gelebt haben. 1960 übernahm die Kommunale Wohnungsverwaltung die Immobilie mit 120 Mietern.