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Wassermangel bei der Feuerwehr

Die Technik in den Feuerwachen ist vom Feinsten, doch ausgerechnet beim Löschwasser gibt es in vielen Orten im Landkreis Bautzen Probleme.

Der Dorfteich an der Talstraße in Crostau macht Wehrleiter Silvio Mai Sorgen. Wie viele andere Löschwasserentnahmestellen führt diese nur wenig Wasser und ist dringend sanierungsbedürftig.
Der Dorfteich an der Talstraße in Crostau macht Wehrleiter Silvio Mai Sorgen. Wie viele andere Löschwasserentnahmestellen führt diese nur wenig Wasser und ist dringend sanierungsbedürftig. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Als Ende März in Wurbis ein Feuer ein Wohnhaus, eine Scheune, einen Schuppen – und damit eine Existenz – zerstörte, waren die Feuerwehren aus den umliegenden Gemeinden zur Stelle. In einem Video im Internet ist zu sehen, wie die Kameraden von Hubwagen und Boden aus die Flammen mit Wasser bekämpfen. Was man nicht sieht, ist, woher das Wasser für diesen Einsatz kommt.

Silvio Mai, der Wehrleiter von Schirgiswalde-Kirschau, zu dessen Gebiet der Ortsteil Wurbis zählt, erinnert sich an den Einsatz. Als die Kameraden am Einsatzort ankamen, hätten sie eine Löschwasserversorgung zum nächsten Löschwasserteich gelegt. "Der fasst 15 Kubikmeter Wasser. Die Feuerwehr entnimmt 800 Liter pro Minute. In knapp 20 Minuten war der Teich leer. Für den Erstschlag hat's geholfen", sagt Silvio Mai.

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Doch danach war das Feuer noch längst nicht gelöscht. Während ein Trupp gegen die Flammen kämpfte, legte der andere die Wasserversorgung zum nächsten Teich. Auch der war nicht ergiebig genug, sodass erst das Wasser aus Teich Nummer drei die Flammen endgültig besiegte.

Trockenheit durch Klimawandel

Silvio Mai erklärt: "Seit den Wendejahren ist es so, dass die Wasserversorgung in den meisten Gemeinden nur auf Trink- und nicht auf Löschwasserbereitstellung ausgerichtet ist. Wir können die Hydranten zwar benutzen. Aber die Kreiswerke können die Versorgung nicht garantieren." Hinzu käme, dass die Löschwasserversorgung je nach Lage im Gemeindegebiet ganz unterschiedlich gut sei, viele Wasserentnahmestellen weggefallen, Zugänge zu Fließgewässern nicht gegeben, bestehende Löschteiche verschlammt oder ausgetrocknet seien.  

Auf Wasserengpässe im Brandfall sind die hiesigen Feuerwehren eingestellt; reagieren mit mehr Manpower beim Einsatz. Aber: "Das kostet Kräfte und Mittel", sagt Silvio Mai. Im Wurbiser Fall wurden die Feuerwehren aus insgesamt zehn Gemeinden zu Hilfe gerufen. Zentrale Aufgabe der Kameraden: per Pendelverkehr mit zahlreichen Löschfahrzeugen den Wassernachschub garantieren.

Das funktioniert, denn die Feuerwehren der Region sind in aller Regel mit moderner Technik ausgestattet und können auf ihren Fahrzeugen große Mengen Wasser mitführen. Ein glücklicher Umstand, denn Wurbis ist im Hinblick auf das Problem der mangelnden Löschwasserversorgung in der Region kein Sonderfall.

Auch Cunewaldes Bürgermeister Thomas Martolock (CDU) bereitet der mangelnde Zugang zu ausreichend Wasser Sorgen. "In Cunewalde gibt es ganz wenige leistungsfähige Löschwasserreservoirs", sagt er. Zwar wurden in den vergangenen Jahren im Zuge der Hochwasserschadensbeseitigung wichtige Teiche saniert, aber: "Cunewalde verfügt vor allem über natürliche Löschteiche. Durch den Klimawandel trocknen die Zuflüsse immer weiter aus", sagt der Bürgermeister.

Da im Zuge der Trockenheit auch die Waldbrandgefahr steigt, ist er auf der Suche nach schnellen Lösungen. Sein Plan: Das Gespräch mit privaten Steinbruchbesitzern suchen und die Entnahme von dort abstimmen. Steinbrüche gebe es in Cunewalde viele. Deshalb, so Martolock, sei die Gemeinde im Hinblick auf die Versorgung mit Löschwasser nicht das größte Sorgenkind der Region.

Bakterien im Dorfteich

Mit Wasserknappheit in den Löschwasserteichen kämpft auch Bürgermeister Olaf Reichert (parteilos) in Kubschütz. Außerdem, sagt er, sei die Verschlämmung der naturnahen Teiche in seiner Gemeinde ein Problem, denn: "Gewässer sind sehr teuer in Pflege, Wartung und Unterhalt", sagt Reichert.

20.000 Euro – so viel sollte der Bürgermeister von Malschwitz, Matthias Seidel (CDU), für die Entschlammung eines einzigen Teiches im Gemeindegebiet laut einem Kostenvoranschlag zahlen. Denn der Schlamm in den Dorfteichen, aus denen die Feuerwehr sich dort das Löschwasser holt, sei oftmals mit Schwermetallen versetzt und deshalb Sondermüll.

Zwar sei Malschwitz mit "Fließgewässern gesegnet", aber "selbst an der Spree kann die Löschwasserversorgung aufgrund von Trockenheit problematisch werden", so Seidel. Um die Pflege der Dorfteiche kostengünstiger zu gestalten, wagt er ein Experiment: Mit einem Granulat ließ er in den Baruther Dorfteich Bakterien einbringen, die den Schlamm verstoffwechseln sollen. Kostenpunkt: ein Zehntel der herkömmlichen Methode zur Schlammbeseitigung. Ob die Bakterien ihre Aufgabe erfüllen, hofft Seidel Ende des Jahres zu wissen.

Luxus in Wilthen

Ganz sicher weiß Withens Bürgermeister Michael Herfort (CDU), dass in seiner Gemeinde ausreichend Löschwasser zur Verfügung steht. "Das ist bei uns kein Problem – zum Glück nicht", sagt er. In Wilthen gebe es eine sehr große Hauptwasserleitung, außerdem sei im Zuge der Hochwasserschadensbeseitigung bei der Weinbrennerei ein 900 Kubikmeter  fassender Löschwasserbehälter installiert worden. "Das ist Luxus", ist der Bürgermeister sich bewusst.

Davon wagt Silvio Mai kaum zu träumen. Verbesserungen werden derzeit aber auch in Schirgiswalde-Kirschau auf den Weg gebracht. Aktuell, so Mai, erarbeite die Feuerwehr gemeinsam mit der Stadtverwaltung auf Grundlage des neuen Brandschutzbedarfsplans eine Prioritätenliste. Sobald die Finanzierung geklärt ist, sollen dann an kritischen Punkten im Gemeindegebiet neue Löschwasserentnahmestellen entstehen.

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