merken
PLUS

Dresden

Mangoeis verdrängt die Erdbeere

Vier Eisverkäufer erzählen von steigenden Preisen, Nachwuchsproblemen, und warum sich neue Eistrends in Dresden schwer durchsetzen.

Erdbeereis ist zwar immer noch sehr beliebt bei den Dresdnern. Es hat aber harte Konkurrenz bekommen.
Erdbeereis ist zwar immer noch sehr beliebt bei den Dresdnern. Es hat aber harte Konkurrenz bekommen. © Marion Doering

Lächelnd reicht die 23-jährige Nora Zimdars eine Eistüte über die Theke der Tikibar. Im Café bei der Kunsthofpassage kostet eine Kugel jetzt schon einen Euro dreißig. „Das kann ich mir immer ganz schlecht merken, weil wir ja schon ein paar Mal erhöht haben.“ Nach jeder Erhöhung muss Zimdars erst mal erklären, warum das Eis immer teurer wird. Die SZ beantwortet diese und andere wichtige Fragen runds um Eis.

Warum wird die Kugel Eis immer teurer?

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Bei Eiscafés, wo noch die ganze Familie mit anpackt, seien es vor allem die steigenden Strom- und Wasserkosten, erzählt Heidi Haselbauer von der Original Eisbar. Denn selbstgemachtes Eis muss vielfach über Nacht heruntergekühlt werden, damit es am nächsten Tag nicht sofort aus der Waffel tropft. Bei Eisdielen mit mehreren Standorten lassen Löhne und Mieten die Preise stetig steigen.„Es liegt aber auch an den steigenden Rohstoffpreisen für Milch oder Milchpulver,“ erzählt Willy-Vanilli-Inhaber Jörn Richter. Trotz der Erhöhungen kämen nach wie vor genauso viele Kunden wie zuvor.

Stimmt es, dass sich der Preis für Vanille verfünffacht hat?

„Na sogar mindestens verzehnfacht“, heißt es vom Eishersteller Neumanns, der sein Eis in der Tikibar verkauft. Mit Preiserhöhungen allein beim Vanilleis sei das gar nicht abzufedern gewesen. Andere Eisdielen haben daraufhin sogar ihre Rezeptur geändert. Nur im Eisgarten Huß am Tolkewitzer Elbufer wurde mit der Preiserhöhung ganz gelassen umgegangen. „Wenn der Preis gut ist, dann muss man eben in Massen kaufen. Damals wie heute“, erklärt Besitzerin Bergit Huß. Sie sei es noch aus DDR-Zeiten gewohnt, eben auch mal den ganzen Dachboden mit Eiswaffeln zu füllen, wenn es denn mal welche zu kaufen gab. An den teuren Preisen für frische Zutaten scheitert auch die Experimentierfreudigkeit der Eishersteller. „Vor ein paar Jahren hatten wir mal die Sorte ‚Grüner Spargel mit Erdbeere‘, das mussten wir dann aber lassen, weil der Spargel einfach zu teuer war“, heißt es von Neumanns.

Kommen ohne ausgefallene Eiskreationen keine Kunden mehr?

Das ist ganz eindeutig nicht so. Zumindest sind es nach wie vor die Klassiker Vanille, Schoko und Erdbeere, die sich in Dresdner Eisdielen am besten verkaufen – so ausgefallen das Sortiment auch ist. Denn der gewöhnte Gaumen der Kunden lasse sich nur schwer zu neuen Experimenten überreden. „Wenn ich neue Sorten teste, merke ich, dass die Kunden gar nicht drauf anspringen“, erzählt Haselbauer. Allein in den Tikibars in der Neustadt verdränge so langsam das Mangoeis die Erdbeere. Hier hat das „experimentierfreudige Publikum“ auch die Einführung von veganem Eis sehr gut angenommen. Erst nur auf Früchtebasis, mittlerweile aber auch durch die Verarbeitung von Soja- und Hafergetränken. Auch wenn sich Eis nach wie vor am besten an Kinder verkauft, hält diese Begeisterung meist nicht bis zum Berufsstart an.

Gibt es aufgrund von fehlendem Nachwuchs bald keine Eisdielen mehr?

Die Situation wird immer schwieriger, bestätigt der Willy-Vanilli-Chef. „Allgemein haben wir in Dresden ein sehr großes Problem mit der Personalsituation“, sagt Richter. „Es wird immer schwerer, Leute zu finden, die motiviert sind, auch am Wochenende und bei langen Öffnungszeiten zu arbeiten.“ Und als Ferienjob tauge das Eisverkaufen einfach nicht. „Bis ich die Schüler richtig eingelernt habe, sind die Ferien leider schon rum.“ Aber vielleicht ist einfach das richtige Ambiente gefragt, um junge Menschen fürs Eisverkaufen zu begeistern. Die Tikibar bietet mit ihrem Karibischen-Flair genau das. Das hat auch die Lehramtsstudentin Vera Zimdars angesprochen, die hier den perfekten Nebenjob gefunden hat. Kurzzeitig habe sie sogar schon darüber nachgedacht, hier in Vollzeit anzufangen. „Es ist einfach toll, sich nach der Arbeit mit einer Kugel Eis rauszusetzen und gerade hier in der Neustadt sind es die coolen Gäste, die zur angenehmen Atmosphäre beitragen.“

Proftieren die Eisdielen von den richtig heißen Sommertagen?

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Eis verkaufen als Lebensaufgabe

Schon seit 40 Jahren betreibt Familie Huß ihr Café in Dresden. Knapp waren die Eiszutaten nicht nur zu DDR-Zeiten. 

Ganz im Gegenteil: „Im Juni hatten wir zwar schönes Wetter, doch für uns Eisverkäufer war es einen Ticken zu heiß“ resümiert Richter. „Bei 38 Grad geht einfach keiner aus dem Haus.“ Am besten lasse sich Eis bei 25 Grad und Sonnenschein verkaufen.