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Mann lässt verletzte Frau einfach liegen

Die Untätigkeit nach einem häuslichen Unfall sieht das Gericht als fahrlässige Tötung und spricht eine Geldstrafe aus.

Von Ralph Schermann

Mehrere Wochen lang hat ein Görlitzer seine verletzte Lebensgefährtin ohne medizinische Hilfe nach einem Sturz im Wohnzimmer liegen gelassen. Das war im Juni 2012, und das war ein hohes Maß an Verantwortungslosigkeit. Die Frau starb. Der 52-Jährige wurde vor vier Wochen vom Görlitzer Amtsgericht zu einer Geldstrafe wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Denn wäre seine Lebensgefährtin nach dem Sturz ärztlich versorgt worden, könnte sie noch leben. Der Mann legte keinen Widerspruch ein, der Strafbefehl vom Oktober wurde daher jetzt rechtskräftig.

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Fußboden statt Krankenbett

Das Drama begann Mitte Juni vorigen Jahres in einer Wohnung in Weinhübel. Die 56-Jährige stürzte ohne fremdes Zutun, es war ein Unfall, wie viele im Haushalt geschehen. Die Verletzung indes war schwerwiegend. Von einer Schenkelhalsfraktur sprach später der obduzierende Arzt. Ein allgemein Oberschenkelhalsbruch genanntes Sturzergebnis, in dessen Folge sich die Frau nicht mehr selbst fortbewegen konnte. „Sie brachte mindestens zwei Wochen nur noch liegend auf dem Fußboden im Wohnzimmer zu“, schildert Staatsanwalt Till Neumann die Situation.

Ihr Partner erkannte durchaus, dass der Zustand der Frau nach medizinischer Hilfe verlangte. Doch er unternahm nichts. Dachte er, so eine Fraktur heilt von allein? Oder bat ihn die Frau sogar, mit einem Arzt zu warten? Der Hintergrund wird nicht mehr zu klären sein, zumal es sich bei dem Paar nach SZ-Informationen umgangssprachlich um „nicht als die hellsten Personen“ gehandelt haben dürfte. Fakt aber ist, dass sich beim langen Liegen auf hartem Grund massive Durchliegegeschwüre bei der Verletzten ausbildeten. Da brachte letztlich auch der Besuch eines Behördenmitarbeiters in einer anderen Angelegenheit keine Rettung mehr. Zwar rief dieser beim zufälligen Auffinden der Verletzten sofort den Notarzt, doch die Einweisung ins Krankenhaus kam bereits zu spät. Mitte Juli 2012 starb die Weinhüblerin. „Septisches Multiorganversagen“ schrieb der Klinikarzt auf den Totenschein.

Arztbesuch hätte den Tod verhindert

Die Sachverständigen der Rechtsmedizin stellten bei der angeordneten Obduktion fest, dass „bei zeitnaher chirurgischer Versorgung des Bruches ein Krankheitsverlauf, wie er sich hier zeigte, nicht zu erwarten gewesen wäre“, informiert Till Neumann. Und doch war dem Mann nichts anderes nachzuweisen, als dass er durch sein Nichtstun für den Tod der Partnerin zwar verantwortlich ist, aber fahrlässig handelte. Eine vorsätzliche Tötung wäre es erst gewesen, wenn schon bei der Sturzverletzung der Tod der Frau anzunehmen gewesen und bei dieser Erkenntnis nicht gehandelt worden wäre. „Totschlag durch Unterlassen“ hätte dann der Vorwurf gelautet. So blieb es bei fahrlässiger Tötung und 120 Tagessätzen, was etwa vier Monatsnettoeinkommen des Verurteilten entspricht, der damit auch als vorbestraft gilt. Sollte er die Geldstrafe nicht bezahlen können, muss er 120 Tage ins Gefängnis oder kann die auferlegte Summe durch gemeinnützige Arbeit begleichen, wobei ein Tagessatz dann sechs Stunden Arbeit entspricht.