merken
PLUS

Mann, war das knapp

Dynamos Premiere auf der Bielefelder Alm geht fast schief. Doch dann helfen wieder mal die Wechselspieler.

© dpa

Von Sven Geisler, Bielefeld

Sie müssen artig gewesen sein, die Dresdner Dynamos, jedenfalls vor dem Spiel. Denn vor dem Frühstück gab’s eine schöne Überraschung. Dabei hatten sie am Freitag nicht einmal ihre geputzten Schussstiefel vor die Zimmertür im Gerry-Weber-Sporthotel in Halle/Westfalen gestellt. Der Nikolaus steckte deshalb den Schokoladenweihnachtsmann für jeden in ein Paar flauschige Hausschuhe. Die drei Punkte bei der Premiere auf der Bielefelder Alm, ließ er noch ausrichten, bekämen sie allerdings nicht geschenkt.

sz-Reisen
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken
Mit SZ-Reisen die Welt entdecken

Bei SZ-Reisen findet jeder seine Traumreise. Egal ob Kreuzfahrt, Busreise, Flugreise oder Aktivurlaub - hier bekommen Sie für jedes Reiseangebot kompetente Beratung, besten Service und können direkt buchen.

Überraschung vor der Hotelzimmertür: Hausschuhe mit einem Schokoweihnachtsmann gab es vom Nikolaus für die Dynamos am Morgen. Und abends noch einen Punkt. Foto: SGD
Überraschung vor der Hotelzimmertür: Hausschuhe mit einem Schokoweihnachtsmann gab es vom Nikolaus für die Dynamos am Morgen. Und abends noch einen Punkt. Foto: SGD

Erkämpfen konnten sie sich am Ende wenigstens einen. Und das trotz der ungeliebten gelben Hosen, die sie tragen mussten, weil die Arminia schwarze an hatte. In der zweiten Minute der Nachspielzeit sichert Amine Aoudia jedenfalls Dynamos Unentschieden. 1:1 heißt es am Ende eines umkämpften, teilweise hitzigen Spiels, in dem die Bielefelder ihr wiederentdecktes Selbstvertrauen demonstrierten. Nach sieben Niederlagen in Folge hatten sie die Negativserie am vergangenen Montag mit dem 2:1-Sieg beim FSV Frankfurt gestoppt. „Das ist nicht egal“, meinte Olaf Janßen, „denn so eine Durststrecke ist extrem und belastet die Mannschaft.“ Wenn der Bock aber dann einmal umgestoßen ist, würden Kräfte freigesetzt. „Wir sollten uns darauf einstellen, dass dieser Sieg für Bielefeld gut war.“

Personell konnte Dynamos Trainer aus dem Vollen schöpfen. Längerfristig fehlt nur Adnan Mravac. Der Verteidiger hatte sich im Heimspiel gegen Erzgebirge Aue bei einem Zusammenprall mit Torwart Benjamin Kirsten nicht nur die Nase gebrochen, sondern eine schwere Gehirnerschütterung erlitten. Er darf sich maximal bis zu einem Puls von 130 belasten, sodass bis Januar nicht an Mannschaftstraining zu denken ist. Janßen vertraut in Bielefeld der gleichen Startelf und auf dasselbe System wie beim Sieg gegen Kaiserslautern; also mit Toni Leistner als Abfangjäger und ohne Zlatko Dedic, der zuletzt nach seiner Einwechslung das Siegtor erzielt hatte.

In den Trainingsspielchen während der Woche sei „Feuer drin“ gewesen. „Das gibt Mut, dass wir es vom Kopf her mit der richtigen Einstellung anpacken“, hatte Janßen zuversichtlich verkündet. Und seinen Jungs eingeschärft, dass sie den Gegner nicht wieder so zum Toreschießen einladen sollten wie bei der 0:3-Schlappe in Karlsruhe. „Das war naiv. Das darf uns nicht noch mal passieren.“

Seine Forderung nach einer disziplinierten, organisierten und leidenschaftlichen Leistung setzen die Schwarz-Gelben zunächst ordentlich um, haben in der Anfangsphase von den halben Chancen die etwas bessere. Idir Ouali setzt sich durch, aber Arminia-Keeper Patrick Platins hält seinen Schuss genauso wie den zweiten Versuch von Anthony Losilla. Auch Benjamin Kirsten zeigt, dass er trotz des Schneetreibens auf Betriebstemperatur ist, pariert gegen Manuel Hornig und Arne Feick.

Mitte der ersten Hälfte verlieren die Dresdner den Faden, leisten sich zu viele Fehlpässe, geraten dadurch unter Druck. Kirsten verhindert mit Fußabwehr gegen Marc Lorenz den Rückstand. In dieser Phase zittern die Dynamo-Fans hinter seinem Tor nicht nur wegen der Kälte. Rund 2 000 sind mitgereist, etwa 900 mit einem Sonderzug. Dass sie ihre Choreografie zu Beginn der zweiten Halbzeit selbst mit Pyro-Rauch vernebeln, ist schlichtweg unnötig. Das gelb-silberne Fahnenmeer hätte für sich noch besser gewirkt. So dürfte es nur gut eine Woche nach der Einigung mit dem DFB das nächste Verfahren geben.

Kein Sturmlauf nach dem Orkantief

Janßen aber war sich sicher, dass auch alle, die zu Hause geblieben waren, „nicht etwa irgendwo Kaffee trinken. Sie fiebern am Radio oder vor dem Fernseher mit uns“, sagte der Chefcoach, und er hoffte: „Mit dem guten Gefühl, dass uns ganz viele Menschen die Daumen drücken, lässt es sich leichter Fußball spielen.“

Die Mannschaft findet ihren Rhythmus wieder, hat nach zwei von Tobias Kempe gefährlich herein gebrachten Ecken gute Kopfballchancen durch Mickael Poté (gehalten) und Adam Susac (vorbei). Das Bemühen, trotz des seifigen Untergrundes Fußball spielen zu wollen, lassen die Dresdner erkennen. Nach Eingabe von Thorsten Schulz kickt Poté die Kugel direkt mit der Hacke – es fehlen nur Zentimeter.

So bleibt es bis zur Pause beim 0:0; kein Sturmlauf nach dem Orkantief „Xaver“, aber doch das erwartete Kampfspiel. Die Arminia kommt jedoch entschlossener aus der Kabine. Schon beim ersten Freistoß von Lorenz haben die Dresdner Glück, dass der Ball übers Dreieck segelt. Beim zweiten macht es der 25-Jährige noch genauer; Kirsten kommt nicht ran – nach einer Stunde liegt Dynamo hinten. Und dabei, so hat es den Anschein, bleibt es auch. Weil Kirsten einen indirekten Freistoß nach angeblicher Rückgabe von Romain Bregerie aus fünf Metern abwehren kann. Und Ouali in der hektischen Schlussphase nur das Außennetz trifft.

Weiterführende Artikel

Dynamo Dresden rettet einen Punkt

Dynamo Dresden rettet einen Punkt

Für Dynamo Dresden endete der erstmalige Ausflug nach Bielefeld wenigstens mit einem Teilerfolg. Der eingewechselte Aoudia rettete dem Team von Trainer Janßen beim 1:1 wenigstens einen Punkt.

Doch nach 94 Sekunden der Nachspielzeit fällt der Ausgleich dann doch noch. Eine Hereingabe von Kempe verlängert der eingewechselte Cristian Fiel an der Strafraumgrenze per Kopf in die Mitte, wo der ebenfalls eingewechselte Aoudia auch mit dem Kopf zur Stelle ist und zum 1:1 trifft.