SZ +
Merken

Mannsbilder raufen um die Weiber

Stolpen. Zum Burghoffest geht es derb und deftig zu – wie im 16. Jahrhundert.

Teilen
Folgen

Von Kerstin Richter

Viele Menschen schlugen am Wochenende ihre einfachen Behausungen in den Burghöfen auf und feierten ausgelassen den Sieg über die kaiserlichen Kroaten. Es geht dabei nicht zu wie bei feinen Leuten, sondern derb und deftig. Mannsbilder nehmen Umgangsformen des 16. Jahrhunderts an, was ihnen sehr zu gefallen schien, denn Weiber hatten in dieser Zeit keine Rechte.

Aus dem tiefsten Basaltbrunnen der Welt, 82 Meter tief, wird nur während des Burghof-Festes Wasser gefördert. Ein Schauspiel, das viele Zuschauer anlockt. Michael Hänsel, Mitglied des Vereins „Stadtwache Stolpen“ bläst in sein Horn, um anzuzeigen, dass sich im von fünf stattlichen Mannsbildern hochgezurrten Eimer etwas Wasser befindet. Es wird kurzerhand auf einen Zuschauer geschüttet, der die Abkühlung dankend annimmt.

Plötzlich fliegen Tauben im Hof! Ein Dieb! Er wird gefasst und beteuert, dass er nur seine vielen Kinder durchbringen wollte. An den Pranger gestellt, wird er vom gemeinen Volk mit Eiern, Stroh und Hirsebrei beworfen. Vorgeführt und um Gnade winselnd, gesteht er die Tat. Zuvor hatte man ihn im Eisenkäfig in den Burggraben getaucht.

Im 3. Burghof hat Romeo sein Herz an Julia verloren, was er ihr inbrünstig, und zur Belustigung der Zuschauer, mit einem Lied zu verstehen gibt. Der Traditions- und Schützenverein Fischbach bezog mit dem Planwagen das Quartier.

Nicht nur für die Kinder ist es ein Erlebnis, im Hof der Burg zu übernachten. „Traditionelles Handwerk, wie die Herstellung von Wäscheklammern oder Knöpfe aus Blei gießen wird vorgestellt“, sagt Tischler Mario Nitsche. An einer Intarsienarbeit sitzend, beobachtet er das bunte Treiben, lässt sich aber nicht aus der Ruhe bringen. Gunther Glumbik kocht für alle deftigen Kesselgulasch. Keiner beneidet ihn darum an dem heißen Tag.

Romeo, inzwischen verstorben, liegt im Hof, auf ihm Julia. Die schwitzende Menge applaudiert, sucht wieder Schatten. Susanne Große ist eines der sechs Mädchen vom Verein, das in historischen Kleidern einen Bauerntanz aufführt. Die 26-Jährige ist seit ihrem zwölften Lebensjahr in der Gruppe. Aus dem Lautsprecher ertönt Leierkastenmusik des 16. Jahrhunderts. Joachim Uebrück, Urlauber aus Frankfurt am Main, ist begeistert. Der Kfz- Meister ist selbst begeisterter Freizeitschauspieler und findet großen Gefallen an der schönen Atmosphäre auf dem herrlichen Stolpener Burghof.