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Manufaktur-Chef rudert nach kollektivem Aufschrei zurück

Meißens OB Olaf Raschke sieht durch seinen Rückzug aus dem Aufsichtsrat der Manufaktur einen Prozess nicht nur in der Stadt in Gang gesetzt.

Die Reaktionen haben ihn bestärkt: „Es war richtig, den Sitz im Aufsichtsrat der Porzellan-Manufaktur niederzulegen“. Das erklärt Meißen Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos). Viele hätten ihn in den vergangenen Tagen darauf angesprochen, sagte er gestern der SZ. Dabei sei es vor allem um die Wirkung seines Schritts gegangen. Wie unterdessen bekannt wurde, will die Manufaktur im Streit um die Marke Meißen nachgeben.

Der Meißner OB hofft, dass sein Schritt vom Dienstag, als er aus Protest gegen das rigorose Vorgehen der Manufaktur seinen Posten im Aufsichtsrat des Unternehmens niederlegte, zu einem Umdenken beiträgt: „In der Region können wir nur miteinander leben und voneinander profitieren“, mahnt Raschke. Obwohl die Geschäftsführung der Manufaktur Einlenken signalisierte und die Anmeldung der Wortmarke Meißen für sämtliche Waren und Dienstleistungen beim Deutschen Patentamt zurücknehmen will, möchte der Meißner Oberbürgermeister sein Aufsichtsratsmandat in der Manufaktur nicht wieder wahrnehmen. Der Verzicht verschaffe ihm Unabhängigkeit, die er sich nun gern erhalten will, erklärte er gestern. Raschke hatte seinen Schritt am Dienstag auch damit begründet, dass er als Oberbürgermeister Verantwortung für alle ortsansässigen Betriebe trägt. Im Übrigen sehe er in seinem Amt viele Gelegenheiten und Möglichkeiten, sich für Belange von Unternehmen in der Stadt einzusetzen.

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Die weitere Entwicklung um die Geschäftspolitik der Meissen-Manufaktur findet weiter großes Interesse, wie zahlreiche Wortmeldungen zeigen. In einer E-Mail an die Lokalredaktion begrüßt SZ-Leser Günter W. Berger die Entscheidung des OB und die vielen Statements von Bürgern aus Meißen zur Sache. Er setzt sich auch mit veröffentlichten Aussagen von Manufaktur-Chef Christian Kurtzke auseinander, wonach immer, wenn er im Ausland sei, man versuche, sein Haus anzuzünden. „Hier irrt er, wenn er meint, sein Haus sei die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen. Er ist lediglich dazu eingesetzt, sie gut und ordnungsgemäß zu verwalten“, so Berger.

Dass dies offensichtlich nicht so ist, zeigten Negativ-Schlagzeiten, für die der „Polterabend“, Massenentlassungen hoch qualifizierter Mitarbeiter, das offensichtlich vorherrschende ungesunde Betriebsklima sowie das Fertigen von der Marke Meissen fremden Erzeugnissen sorgten. Die Neuentwicklung an Tafelgeschirr entspreche nicht dem ehemaligen höchsten Standard, hochveredelter Porzellankunst. Und nun die Querelen um die Marke Meißen. Das schädigt die gekreuzten Schwerter enorm, ist Günter W. Berger überzeugt. Und: „Es erhebt sich die Frage, wer zündelt nun am Hause?“.

Auch in den sozialen Netzwerken wird das Thema heiß diskutiert. Auf der Facebook-Seite der SZ Meißen schreibt beispielsweise Karin Domann: „Ich finde es klasse, dass ein kollektiver Aufschrei durch Meißen ging und Manufaktur-Geschäftsführer Christian Kurtzke zum Rückrudern gebracht hat.“ (SZ)

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