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Marathon-Einsatz für Helfer

Bis zu 150 Einsatzkräfte haben am Wochenende gegen die Flammen in einer Mittweidaer Lagerhalle gekämpft. Auch Döbelner haben unterstützt.

Am zweiten Tag nach dem Brand in einer Halle beim Mittweidaer Recycling-Betrieb Pyral müssen Feuerwehrleute noch immer nach schwelenden Glutnestern suchen
Am zweiten Tag nach dem Brand in einer Halle beim Mittweidaer Recycling-Betrieb Pyral müssen Feuerwehrleute noch immer nach schwelenden Glutnestern suchen © Stephan Trutschler

Mittweida.  Bis zu 150 Kameraden von freiwilligen Feuerwehren aus Frankenberg, Mittweida und Altmittweida mussten in der Nacht auf Sonntag zu einem Großeinsatz in den Mittweidaer Recycling-Betrieb Pyral ausrücken. In einer 60 000 Quadratmeter großen Halle, in der vorsortierter Müll aus dem gelben Sack gelagert wird, war ein Feuer ausgebrochen. Menschen kamen keine zu Schaden, die Mitarbeiter konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Fast 19 Stunden am Stück waren die Feuerwehrleute im Einsatz. Aber nicht nur die. Ohne die Helfer in Blau vom Technischen Hilfswerk Freiberg und Chemnitz sowie die Unterstützer in Rot vom DRK Döbeln-Hainichen wäre der Großeinsatz nicht zu stemmen gewesen.

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Die Freiberger THW-Ortsgruppe schickte ein Team vor Ort, die mit dem Teleskoplader Öffnungen in das Hallendach schlug, um den Feuerwehrleuten das Löschen zu erleichtern. Die Einsatzkräfte des THW mussten dabei ebenso wie die Feuerwehrleute unter schwerem Atemschutz arbeiten. Zuvor hatte ein Fachberater des THW Chemnitz über die Einsatzoptionen des THW beraten. Bis etwa 5 Uhr morgens dauerte der Einsatz für die Ortsverbände.

Mehr als zwölf Stunden am Stück waren auch bis zu 13 Helfer des DRK Döbeln-Hainichen an der Brandstelle im Mittweidaer Gewerbegebiet im Einsatz. Für die Freiwilligen galt es, die medizinische Absicherung und die Versorgung der Einsatzkräfte sicherzustellen, erklärte Kreisbereitschaftsleiter René Illig. Bis Montag wurden insgesamt mehr als 300 Portionen Essen gekocht, mindestens 100 Liter Kaffee sowie rund 300 Liter Mineralwasser ausgegeben.

Am Sonntag kam auch ein DRK-Team aus Döbeln zum Brandort, um die bis dahineingesetzten Helfer abzulösen. Ein Ende des Einsatzes war auch am Montag noch nicht in Sicht. „Zwar konnte die Einsatzstärke heruntergefahren werden, trotzdem sind die Feuerwehrleute nach wie vor mit Brandwache und Restlöscharbeiten beschäftigt. Und genau solange sind auch wir mit einem Fahrzeug vor Ort“, so Illig. Teilweise absolvierten die DRK-Helfer den freiwilligen Dienst in ihrer Urlaubszeit.

Halle ist weiter nutzbar

Ein Teil des Daches der Halle ist eingestürzt. Zur Höhe des Sachschadens konnte Pyral-Unternehmenssprecher Stephan Trutschler noch keine genauen Angaben machen, er rechne mit einer niedrigen sechsstelligen Summe. Ein genaues Bild wird sich erst ergeben, wenn der Brand endgültig gelöscht ist und die Statiker ihre Arbeit aufgenommen haben. „Die Halle selbst ist und wird weiterhin noch nutzbar sein, etwa ein Siebentel ist vom Brand zerstört“, so Trutschler. Die Produktion sei nicht betroffen und wird – entsprechend der Kapazität in den Sommerferienwochen – weitergehen. Nach seiner Einschätzung waren es vor allem die in den letzten Jahren und Monaten getätigten Investitionen in den Brandschutz, die noch Schlimmeres verhindern konnten. So sorgte eine aufwendig ertüchtigte Brandschutzmauer zwischen Lager und Produktionsbereich dafür, dass der Brand nicht auf andere Gebäudeteile übergriff. Auch eine erst kürzlich verlegte Ringleitung zur Wasserversorgung im Brandfall erwies sich als hilfreich.

Ein Teil der Halle ist komplett zerstört worden. Der Unternehmenssprecher rechnet mit einer niedrigen sechsstelligen Schadenssumme. 
Ein Teil der Halle ist komplett zerstört worden. Der Unternehmenssprecher rechnet mit einer niedrigen sechsstelligen Schadenssumme.  © Pyral

Die Sonnabendnacht ausgegebene Warnung der Rettungsleitstelle, mit der die Bevölkerung wegen der Rauchwolke aufgefordert wurde, Fenster und Türen geschlossen zu halten, wurde am Montagnachmittag wieder aufgehoben. „Außerdem wurden von den Behörden Luft-, Wasser- und Bodenproben getestet. Es hat zu keiner Zeit eine Gesundheitsgefährdung vorgelegen“, versichert der Pyral-Sprecher.

Die Firma bereitet auf dem Gelände jährlich 40 000 bis 50 000 Tonnen metallhaltige Wertstoffe mechanisch auf und liefert diese dann an andere Firmen zur Weiterverarbeitung. Pyral ist seit Jahren in diesem Bereich einer der wichtigsten Partner für den Grünen Punkt und weitere, bundesweit agierende Recyclingunternehmen.

Der Brand war im Lagerbereich ohne Einwirkung von Mensch oder Maschine ausgebrochen. Der Verdacht, dass sich eine in einem der Wertstoffballen enthaltene, Lithium-Batterie selbst entzündet hat, habe sich mittlerweile verhärtet, so Trutschler. Erst kürzlich habe der Fachverband für Schrott, E-Schrott und Kfz-Recycling vor dieser Gefahr gewarnt. „Dabei wurden die steigende Zahl von Bränden in Recyclinganlagen und die dadurch entstehenden Schäden thematisiert“, erklärte er.

Brände an zwei Standorten

Schon mehrfach hat es auf dem Gelände der Firma Pyral in Mittweida gebrannt: Vor fast genau vier Jahren waren Ballen aus Abfällen ebenfalls in der Betriebshalle in Brand geraten. Nur Wochen zuvor brannten am Hauptsitz des Unternehmens an der Carl-Schiffner-Straße in Freiberg gleichfalls Produktabfälle.

Auch im Juli 2014 stand ein Abfallberg bei Pyral in Mittweida in Flammen. Im Mai desselben Jahres gab es einen Schwelbrand in Freiberg, im Jahr 2010 einen weiteren brennenden Abfallberg am Freiberger Standort. Das Landratsamt hatte den Betrieb in Mittweida bereits kurz vor dem Brand im Jahr 2014 wegen Mängeln teilweise untersagt. Die Firma investierte daraufhin 2015 in den Brand- und Emissionsschutz – unter anderem wurden eine Zisterne, eine Löschwasserringleitung und ein Löschteich gebaut. Zudem hat der Betrieb mittlerweile ein eigenes Feuerwehrauto in der Halle stehen. (mit FP)

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