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Marathon-Sieger auf den zweiten Blick

Erst wurde Lothar Tauber beim Dresden-Lauf disqualifiziert. Nun gehört der 78-Jährige sogar zu den Gewinnern.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Tobias Wolf

Für Lothar Tauber ist die Läuferwelt wieder in Ordnung. Der 78-jährige Zwickauer ist jetzt doch noch nachträglich in die Wertung und die Bestenliste des Morgenpost-Dresden-Marathon aufgenommen worden. Dies teilt Organisator Peter Eckstein mit. „Weil Herr Tauber in seiner Altersklasse der Einzige war, hat er sie gleichzeitig gewonnen“, sagt Eckstein. „Ich habe größten Respekt vor seiner Leistung.“

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Vor etwas mehr als einer Woche sieht das noch anders aus. Tauber gibt als ältester Teilnehmer beim Morgenpost-Marathon am vorvergangenen Sonntag alles. Trotz einer leichten Trainingsschwäche rennt der 78-jährige Zwickauer über die Straßen Dresdens, als ginge es um sein Leben. Und wird disqualifiziert, weil er es über das Käthe-Kollwitz-Ufer zur Halbzeit nicht geschafft hatte, am Kontrollpunkt beim Italienischen Dörfchen anzukommen. 2:40 Stunden hätte er dafür brauchen dürfen – am Ende sind es ein paar Sekunden zu viel.

Doch die Regeln scheinen unerbittlich. Ein Posten stoppt den alten Mann und will ihn von der Strecke nehmen. Tauber lässt sich nicht beirren, läuft einfach weiter. Er muss diesen Marathon schaffen, für sich und für seine 2007 verstorbene Frau. Während die anderen Läufer von Freunden und Familie am Straßenrand angefeuert werden, ist Tauber ganz allein unterwegs. Er denkt an die Liebe seines Lebens, an Zeiten, in denen seine Frau mit Verpflegung und Getränken im Ziel wartete. „Sie hat immer gesagt, du bist gelaufen, und nun bin ich dran“, erinnert sich der Zwickauer. Die Erinnerung lässt seine Augen feucht werden.

Beim Göltzschtal-Marathon, seinem 163. Lauf, war sie das letzte Mal dabei. Es brauchte viel gutes Zureden durch eine Freundin der Familie, damit Tauber noch einmal auf die Strecke geht. In Dresden ist er inzwischen zum 196. Mal angetreten. Seit dem Jahr 2000 hat er keinen Lauf in der Elbestadt ausgelassen. Auch wenn es nicht mehr für eine Bestzeit reicht, ist Tauber mit seinen 5:59 Stunden zufrieden. Denn für die Wertung musste er unter sechs Stunden ins Ziel kommen. Viermal will er die 42,2-Kilometer-Strecke noch laufen und dann kürzer treten. Damit die magische Zahl von 200 Marathons voll wird.