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Marbacher sind im Jubiläumsfieber

Der Ort ist üppig geschmückt. Die Gäste können kommen. Helene Fischer feiert mit.

Von Heike Stumpf

Wer staunen will, der ist dieser Tage in dem kleinen Ort Marbach in der Gemeinde Striegistal genau richtig. Zu bewundern gibt es jede Menge. Denn beinahe jedes Haus an der sage und schreibe sieben Kilometer langen Ortsdurchfahrt und den übrigen Straßen ist mit Wimpeln, Fähnchen und Strohpuppen geschmückt.

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Heike Braun hat maßgeblich an der Jubiläumschronik mitgearbeitet.
Heike Braun hat maßgeblich an der Jubiläumschronik mitgearbeitet.

Vorm Dorfgemeinschaftshaus sitzt eine Puppe mit Stethoskop um den Hals. Schließlich praktiziert nebenan ein Arzt. Weiterhin zu finden sind Puppen, die Familien, Jäger, Feuerehrleute, Polizisten, Angler und Bauern darstellen. Eine Badenixe tummelt sich am Marbeach, und eine schmunzelnde Kuh aus riesigen Strohballen begrüßt die Gäste, die aus Richtung Berbersdorf nach Marbach fahren.

Ortsvorsteherin Heidrun Zill ist vom Einsatz „ihrer“ Einwohner hellauf begeistert. „Ich bin wirklich stolz“, sagt sie, „dass alle so toll mitziehen.“ Überzeugt ist Heidrun Zill, dass jetzt auch die meisten Marbacher mitfeiern und viele von ihnen mithelfen. Schon seit knapp zwei Jahren laufen die Vorbereitungen für das Jubiläum. Die Einwohner haben Arbeitsgruppen gebildet, in denen sie sich beispielsweise um Ordnung und Sicherheit beim Fest, die Kultur, das Schmücken, den Festumzug oder die Chronik kümmerten. Letztere liegt seit Mittwoch druckfrisch vor. Für 10 Euro das Stück kann jeder in die Geschichte des Ortes eintauchen. Dabei konnte Heike Braun, die sich im zurückliegenden Jahr viele Stunden mit diesem Werk beschäftigt hat, schon auf die Daten und Fakten der Chronik zurückgreifen, die zum 725-jährigen Ortsbestehen angefertigt worden war. Die Heimatfreunde des Ortes halten seitdem weiterhin jedes Jahr die wichtigsten Ereignisse fest. Außerdem gab es Zuarbeiten von sämtlichen Vereinen des Ortes sowie der Schule und der Kirche. So wird sich nahezu jeder Marbacher in der Chronik wiederfinden. Sicher auch deshalb, weil im Vergleich zur Vorgängerin jetzt eine Menge Fotos dazugekommen sind. Auch solche sind dabei, die die dörfliche Idylle widerspiegeln. Eingefangen haben sie unter anderem die Roßweiner Fotografen Hanisch.

Das Erstaunlichste, das Heike Braun bei der Chronik-Bearbeitung untergekommen ist, ist die Nachricht, dass Napoleon durch den Ort geritten ist. „Das habe ich nicht gewusst“, gibt die Marbacherin zu. Angeblich soll der Feldherr auch die inzwischen ziemlich großen Eichen an der Staatsstraße vor Marbach gepflanzt haben. Belegbar ist das allerdings nicht.

Seinen Durchzug durch den Ort werden die Marbacher beim Festumzug am Sonntag nachstellen. Dann werden auch viele Dinge, die in der Chronik erwähnt sind, für kurze Zeit lebendig. Das beginnt bei der Besiedlung des Waldhufendorfes und endet mit dem heutigen Vereinsleben. Vorgestellt werden Originale wie die Semmel- und die Pilzfrau, historisches Handwerk und Ereignisse, die Geschichte geschrieben haben. Dazu zählen das Wüten der Pest im 17. Jahrhundert, der Siebenjährige Krieg und zuletzt die Wende. Erinnert wird an die Eröffnung der Postagentur 1886, den Bau der Lorenzstraße 1897, die Eröffnung des Bahnhofes 1904 oder das Jahr 1949, in dem es in Marbach 182 Schrebergärten gab. „Und“, so kündigt Heidrun Zill an, „die eine oder andere Überraschung wird es im Festumzug auch noch geben.“