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Maria-Martha-Heim hat neue Leiterin

Seit April hat Andrea Fiedler den Hut für rund 100 Bewohner und 80 Beschäftigte im Kloster Panschwitz-Kuckau auf.

Von Manuela Reuß

Nein, das ist kein verspäteter Aprilscherz! Das Maria-Martha-Heim im Kloster St. Marienstern hat eine neue Chefin. Obwohl mancher ob des Datums schon seine Scherze machte. Denn bereits am 2. April war die Neue nicht in Panschwitz-Kuckau anzutreffen. Da saß sie bereits auf der Schulbank. Weiterbildung war angesagt.

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Andrea Fiedler heißt die neue Heimleiterin. Die 52 Jahre alte quicklebendige, energiegeladene Dresdnerin sieht ihre neue Aufgabe als eine Chance, ein Geschenk. Deshalb habe sie nach reiflicher Überlegung und Aussprache im Familienrat entschieden, das Angebot anzunehmen und „noch mal so richtig ins Leben einzutauchen“. Nach zehn Jahren Verbandsarbeit sei das genau das Richtige, hofft sie.

Dass die aus dem Eichsfeld stammende Katholikin mal in der Sozialarbeit ihre Erfüllung findet, war nicht abzusehen. Eigentlich wollte sie in die Entwicklungshilfe oder als Dolmetscherin arbeiten. Denn Sprachen hatten es ihr angetan. Deshalb besuchte sie an der damaligen Erweiterten Oberschule auch eine Sprachklasse. Doch zu DDR-Zeiten sei es als Kirchenmitglied schwierig gewesen, in dieser Branche Fuß zu fassen, erzählt sie. Also studierte sie an der TU Dresden Maschinenbauwesen. Sie hoffte, als Diplom-Ingenieurin über die technische Schiene vielleicht doch in der Entwicklungshilfe Fuß fassen zu können. Doch auch da führte kein Weg rein.

Nach dem Studium arbeitete sie zweieinhalb Jahre im Forschungsinstitut der Deutschen Hochschule für Körperkultur und Sport. „Als ehemalige Handballerin dachte ich, dass ich so wenigstens dem Sport verbunden bleibe.“ Doch die Arbeit machte ihr keinen Spaß. Sie habe nicht bedacht, dass der DDR-Leistungssport politisch durchdrungen war. „Das habe ich auf Dauer nicht ausgehalten.“ Als sich die Möglichkeit ergab, im St. Elisabeth-Heim Erfurt die Praktikanturleitung zu übernehmen, griff sie zu. „Zu DDR-Zeiten durfte die Kirche nicht mehr ausbilden, wollte aber trotzdem Kindergärtnerinnen und Krankenschwestern beziehungsweise -pfleger für ihre Einrichtungen anlernen“, sagt die Heimleiterin. Deshalb wurde ein Weg über die Erwachsenenqualifizierung gefunden. Allerdings mussten die jungen Leute dafür 18 Jahre alt sein. Deshalb wurde ein sogenanntes Vorbereitungsjahr – die Praktikantur – eingerichtet. Andrea Fiedler war für die jungen Mädchen, die nach der 10. Klasse ins Wohnheim kamen und schon ab und zu im St. Elisabeth-Heim mitarbeiteten, verantwortlich. Rund um die Uhr. Kümmerte sich um alles, schrieb Dienstpläne.

Dann kam die Wende. Damit wurde der Sonderweg Praktikantur hinfällig, denn die Kirche durfte wieder ausbilden. Andrea Fiedler überlegte, wie es für sie weitergehen soll. „Fest stand: Im sozialen Bereich will ich bleiben. Das gefällt mir.“ Doch sie wollte einen Abschluss, der auch anerkannt wird. Also ging sie nach Freiburg im Breisgau an die Katholische Fachhochschule für Sozialwesen. Dort studierte sie vier Jahre Sozialpädagogik. Auf einem schönen großen Bauernhof fand sie ein Zuhause. „Die Leute sind jetzt meine Schwiegereltern“, erzählt sie lachend. Während des Studiums bekam sie drei Kinder. 1997 zog sie mit Familie nach Dresden. Denn dort hatten sie mit Freunden ein altes Haus ausgebaut. Und es kam noch einmal Familienzuwachs. 2000 begann Andrea Fiedler, als Schuldnerberaterin beim Caritasverband Oberlausitz in Kamenz zu arbeiten. Vier Jahre später holte man sie als Referentin in den Diözesancaritasverband nach Dresden.

Nun stellt sie sich einer neuen Herausforderung. Sie freut sich darauf. Nicht nur weil sie überaus herzlich aufgenommen wurde. Sondern auch weil sie es reizt. „Ich will eine gute Leiterin sein.“ Deshalb wird sie sich noch so manchen Tag fortbilden. Es gebe schließlich vieles, was sie künftig beachten müsse und sie sei ein Mensch, der sich gern fachlich bestens auskennt.