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Online-Bauernmarkt startet in Bautzen

Ab sofort können Kunden regionale Produkte im Internet bestellen und um die Ecke abholen. Was die Marktschwärmerei bietet und wie die Premiere lief.

Frisches Gemüse aus der Region gehört zu den Produkten, die jetzt wöchentlich bei der Marktschwärmerei in Bautzen angeboten werden.
Frisches Gemüse aus der Region gehört zu den Produkten, die jetzt wöchentlich bei der Marktschwärmerei in Bautzen angeboten werden. © Symbolfoto: SZ-Archiv

Bautzen. Markus Bühler wohnt in Gaußig, arbeitet aber in Bautzen. Er gehörte am Donnerstag zu den ersten Kunden, die in der neuen Marktschwärmerei ihre bestellten Waren abholten. „Ich bin ein großer Freund von regional erzeugten Lebensmitteln, habe aber wegen der Arbeitszeiten kaum mal die Möglichkeit, den Wochenmarkt zu besuchen“, sagt der junge Mann. So wie ihm geht es vielen: Wenn sie Feierabend haben, ist der Wochenmarkt geschlossen. Und von Hofladen zu Hofladen zu fahren, erweist sich als ein wenig mühselig.

Eine neue Idee, die ihren Ausgangspunkt 2011 in Frankreich hatte und sich seit 2014 auch in Deutschland immer weiter verbreitet, bietet eine Lösung für das Dilemma. Sie nennt sich Marktschwärmerei. Erzeuger aus der Region treffen sich an einem zentralen Punkt in einer größeren Stadt und übergeben ihren Kunden die Waren, die diese online bestellt und bezahlt haben. Dafür gibt es in Bautzen einen festen Termin, nämlich donnerstags von 17 bis 19 Uhr.

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Mit Produzenten ins Gespräch kommen

Die Marktschwärmerei findet in Bautzen im ehemaligen Fahrradladen am Krone-Parkplatz statt. Cindy Schütz organisiert das Ganze. Die junge Mutter wünscht sich für ihre dreijährige Tochter, dass sie mit gesunder Ernährung aufwächst. Deshalb nimmt sie den Aufwand gern auf sich. Und der Erfolg gibt ihr recht. Alle Beteiligten zeigten sich am ersten Tag höchst zufrieden.  An den u-förmig aufgestellten Tischen hatten bei der Premiere am Donnerstag zunächst acht Erzeuger Platz genommen. Die Kunden holten nicht nur ihre Waren ab, sondern kamen mit den Produzenten auch ins Gespräch.

Das freut Monika Wauer vom gleichnamigen Hofladen in Kleinholscha. „So kann ich mir Anregungen für meine Produkte holen“, sagt sie. Und sie könne zeitnah und punktgenau das produzieren, was sich die Kunden wünschen. Monika Wauer nimmt bereits an der Marktschwärmerei in Hoyerswerda teil und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Außerdem hat sie beobachtet, dass vom Alter her andere Leute in ihren Hofladen kommen als zur Marktschwärmerei. Die werde vor allem von Jüngeren genutzt.

„Die Marktschwärmerei – das ist der Markt des 21. Jahrhunderts“, bringt es Tobias Frenzel von der Bautzener Handwerksbrauerei Frenzel-Bräu auf den Punkt. Seine Biere seien in Bautzener Läden recht gut vertreten, in Hoyerswerda hingegen kaum. Deshalb beteiligt er sich an der Marktschwärmerei in Hoyerswerda, möchte aber auch testen, wie es in Bautzen läuft. Karsten Ringpfeil von der Teichwirtschaft Wartha findet, dass das Prinzip der Marktschwärmerei ganz ausgezeichnet zu seiner eigenen Firmenphilosophie passt, nämlich gute regionale Produkte zu erzeugen und zu vermarkten. „Nachhaltigkeit steht bei uns ganz oben“, sagt er. Auch er ist bei der Marktschwärmerei in Hoyerswerda präsent.

Weniger Lebensmittel landen im Müll

Erzeuger aus dem Landkreis Görlitz stehen allerdings vor dem Problem, dass die Marktschwärmerei in der Neißestadt zeitgleich mit Bautzen stattfindet. Deshalb ließen sich einige von ihnen von Kollegen vertreten, so die Gärtnerei Jung aus Hilbersdorf. Peter Büttner, Kaffeeröster aus Görlitz, übernahm es, deren Erzeugnisse an die Kunden zu bringen. Fleischermeister Andreas Wagner aus Mittelherwigsdorf hat mit der Marktschwärmerei in Görlitz gute Erfahrungen gesammelt und möchte sich daher jetzt auch in Bautzen bekannt machen.

Stefanie Bauer von der Kelterei Dressler aus Denkwitz freut sich, dass sie mit Konsumenten und Erzeugern gleichermaßen in Kontakt kommen und Netzwerke knüpfen kann. Thomas Hieke, der in Pommritz eine Hofkäserei betreibt, ist sich sicher, dass das Bewusstsein, lieber wieder auf regionale Erzeugnisse zurückzugreifen, in der Corona-Krise gewachsen ist. Er hofft, dass es weiter zunimmt. Konditormeister Martin Bäns aus Bautzen, der Torten und Marmeladen offeriert, bringt noch einen Aspekt ins Spiel: Für die Marktschwärmerei wird nur das produziert, was bestellt wurde. Somit müsse weniger weggeworfen werden.

Die Marktschwärmerei findet jeden Donnerstag von 17 bis 19 Uhr an der Steinstraße 9 in Bautzen statt.

www.marktschwaermer.de

Nur fürs Foto sind die Teilnehmer an der ersten Marktschwärmerei in Bautzen etwas zusammengerückt und haben die Masken abgenommen. Cindy Schütz (mit Schürze) organisiert den etwas anderen Wochenmarkt.
Nur fürs Foto sind die Teilnehmer an der ersten Marktschwärmerei in Bautzen etwas zusammengerückt und haben die Masken abgenommen. Cindy Schütz (mit Schürze) organisiert den etwas anderen Wochenmarkt. © Carmen Schumann

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