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Dynamos Trainer kritisiert die Medien 

"Es wird eh alles im Munde umgedreht", sagt Markus Kauczinski vor dem Spiel am Freitag in Regensburg. Die Hoffnung auf den Klassenerhalt hat er nicht aufgegeben.

Markus Kauczinski fand die Berichterstattung zuletzt nicht immer fair.
Markus Kauczinski fand die Berichterstattung zuletzt nicht immer fair. © dpa/Christian Charisius

Dass die Stimmung keine blendende ist nach dem „Tiefschlag“, wie Markus Kauczinski die 1:2-Niederlage gegen Bochum bezeichnet, erscheint logisch. Beim Trainer ist sie auch vier Tage danach nicht besser. „Es gibt wenig zu sagen, es wird eh alles im Munde umgedreht“, erklärt er zu Beginn der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel am Freitag in Regensburg. „Wenn ich wenig sage, bin ich ratlos. Wenn ich sage, es sind noch elf Spiele, und wir haben durchaus Chancen, sind das Durchhalteparolen.“ Es ist eine Kritik an der Berichterstattung in den vergangenen Tagen.

Kauczinski fühlt sich offenbar missverstanden. Die Lage ist auch schwierig – für alle Seiten. Wenn die Aussagen nicht zur gefühlten Stimmung und zur Tabellenkonstellation zu passen scheinen, wirkt das nun mal wie eine Durchhalteparole. Auf der anderen Seite: Sollen sich Spieler und Trainer hinstellen und erklären, dass es alles keinen Sinn mehr hat und sie am liebsten aufhören würden?

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Also versuchen sich Kauczinski und Torwart Kevin Broll, der am Mittwoch auch auf dem Podium sitzt, an einem Spagat: einerseits die Lage, Stimmung und Perspektive so ehrlich wie möglich beschreiben und andererseits ein Stückchen Optimismus verbreiten. Das hört sich dann so an: „Bochum war ein Rückschlag, aber wir haben noch Spiele, um Punkte zu holen“, erklärt der Trainer. Und Broll rechnet vor: „Die Gegner werden sicher nicht leichter, doch es sind noch 33 Punkte zu vergeben.“

Eine entscheidende Frage wird sein, ob die Mannschaft den Nackenschlag bis zum Freitag wirklich verdaut und keine Angst vor einer weiteren Niederlage hat. Ob sie es schafft, endlich mal wieder mutig und geradlinig nach vorn zu spielen, den Gegner vor Probleme zu stellen und sich Chancen zu erarbeiten. „Auch wenn da eine kleine Welt zusammengebrochen ist, haben wir einen Haken hinter das Thema gemacht“, versichert Broll. „Wir haben das gut verarbeitet.“ Wirklich beurteilen lässt sich das erst in Regensburg.

Bei Broll muss man sich da wahrscheinlich die geringsten Sorgen machen – auch aufgrund seiner Biografie. Vier Jahre stand er bei Sonnenhof Großaspach zwischen den Pfosten. „Da hätte niemand mit gerechnet, dass sich der kleine Dorfklub so lange in der 3. Liga hält“, erklärt er. „Ich habe mir da eine Mentalität angeeignet: Totgesagte leben länger.“

Das könnte man zwar auch in die Kategorie Durchhalteparole einordnen, aber vielleicht ist gerade das der Schlüssel in der hoffnungslos wirkenden Lage: Wer schon komplett abgeschrieben ist, muss sich keine Sorgen mehr machen, noch irgendwas zu verlieren. Doch ob sich das wirklich einreden lässt?

Gesucht wird in diesen Zeiten nach jedem Strohhalm. Selbst die Bilanz muss da herhalten. Seit elf Spielen hat Dresden gegen Regensburg nicht mehr verloren, acht Duelle davon gewonnen. Broll hört sich die Zahlen an, wirklich optimistischer wirkt er danach nicht. Er sei kein Freund von Statistiken, betont der 24-Jährige. Deshalb interessiert er sich wahrscheinlich auch nicht für die, dass Dynamo in dieser Saison noch kein einziges Auswärtsspiel gewonnen hat – als einziger Zweitligist.

Diese Serie am Freitag zu beenden, wäre bitter nötig. Unentschieden reichen bei sechs Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz nicht wirklich. Das weiß natürlich auch Kauczinski, der entscheiden muss, wann er auf die Alles-oder-Nichts-Karte setzt. „Sicher ist es eine Frage, ob man irgendwann Räume öffnet und mehr Risiko eingeht, offensivere Leute einsetzt“, erklärt er, betont aber auch: „Trotzdem muss man das Gleichgewicht wahren.“

Gegen Regensburg steht ihm der 2,01-Meter-Winterneuzugang Simon Makienok nach dessen Rotsperre wieder zur Verfügung. „Es ist auch eine Möglichkeit, mit zwei Stürmern zu spielen“, meint Kauczinski. Doch egal, wie und wen er aufstellt, entscheidend sei, dass „die Mannschaft jetzt eine Reaktion zeigt. Da geht es nicht um Durchhalteparolen. Aber das Leben ist manchmal platt. Dann ist es so, dass einem Schlechtes widerfährt und man danach wieder aufsteht.“

Am Ende der Pressekonferenz hat Kauczinski doch mehr gesagt, als er anfangs angekündigt hatte. Und mit der schlechten Laune ist er nicht alleine, wie er verriet: „Es sind alle ein bisschen angepisst, die Stimmung ist schon eine andere.“ Das liegt aber nicht an den Medien. Oder nicht nur.

Verzichten muss Kauczinski auf Marco Terrazzino (Muskelfaserriss) und Jannik Müller (Leistenbruch) sowie Kevin Ehlers (Sprunggelenk). Bei  Müller schlug die konservative Behandlung nicht an. "Er muss sich einem Eingriff unterziehen. Wie lange er ausfällt, hängt auch davon ab, welche OP-Methode angewendet wird", erklärte Kauczinski.

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